Die Abfahrt in Kitzbühel Beat Feuz – der Kugelblitz schlägt zurück

Das Schweizer Ski-Ass Beat Feuz hat seinen insgesamt dritten Sieg auf der legendären Streif in Kitzbühel gefeiert. Foto: imago/GEPA pictures

Der Schweizer Beat Feuz gewinnt die Abfahrt in Kitzbühel vor seinem Landsmann Marco Odermatt, der den alpinen Skiwinter dominiert.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Kitzbühel/Stuttgart - Am Dienstag war Beat Feuz zum zweiten Mal Vater geworden – und am Sonntag gewann er in Kitzbühel die gefährlichste Abfahrt der Welt. „Vielleicht muss man erst Vater werden, um richtig gut Ski zu fahren“, vermutete der Fernsehexperte Felix Neureuther einfach mal so ins Blaue hinein und musste über seine Schnellschuss-Analyse dann doch noch etwas schmunzeln. Einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Vaterwerden und dem Kitzbühel-Sieg konnte der ehemalige deutsche Slalomstar dennoch feststellen und kam voller Bewunderung für Feuz zu dem Ergebnis: „Also wenn man am Dienstag Vater wird und sich dann hier so reinhaut, dann muss man schon stark sein im Kopf.“

 

Stark im Kopf, bärenstark auf der Piste: der Kugelblitz hat wieder zugeschlagen, eine wunderbare Geschichte ist das. Noch viel bemerkenswerter an dem nun dritten Abfahrtssieg des kleinen Schweizer Kraftpakets auf der Streif war, dass er vor wenigen Tagen noch öffentlich über ein mögliches Karriereende nachdachte. Wer will es ihm auch verdenken: Feuz ist immerhin 34 Jahre alt. „Diesbezüglich ist bei mir noch alles offen“, sagte er und ließ sich nicht wirklich in die Karten blicken. „Es ist aber auch möglich, dass ich nicht mehr allzu oft hierherkomme“, sagte der Schweizer in Kitzbühel.

Dabei jagt er jetzt den Rekord seines Landsmanns Didier Cuche. Der siegte fünfmal auf der Streif, Feuz ist mit seinen drei Erfolgen dem ehemaligen Abfahrts-Ass also auf den Fersen. Womöglich löst dieser dritte Sieg nach dem Doppelschlag im Januar 2021 in Feuz ein Umdenken aus. Vielleicht will er es noch einmal wissen und sich auf die Rekordjagd begeben. Wenn ihm die Familie wichtiger ist, spielen Rekorde dann aber keine Rolle mehr.

Ein Aufbäumen

Vor allem aber war dieser sehenswerte Kitzbühel-Sieg vom Sonntag ein Aufbäumen gegen die forsche Jugend. Beat Feuz hat sich noch einmal gegen seinen Landsmann Marco Odermatt zur Wehr gesetzt und dem 24 Jahre alten Emporkömmling klargemacht, dass man einen Abfahrtsweltmeister und 16-fachen Weltcup-Sieger nicht einfach so ungestraft ins zweite Glied schickt. Odermatt ist der Topmann der Saison. Er gewann allein in diesem Winter beachtliche sechs Rennen und legte auf der Streif eine Zeit hin, von der die Experten überzeugt waren, dass sie fast nicht zu knacken sei. Odermatt nennen sie übrigens kraft seiner Statur den Jungbullen des Skizirkus. Keiner hatte aber so richtig den Altbullen Feuz auf der Rechnung. Der nahm dem Widersacher Odermatt mit einer cleveren Fahrweise in einer entscheidenden Passage die siegbringenden 21 Hundertstel doch noch ab.

So leicht überlässt einer wie Feuz dem Nachwuchs nicht das Feld. Der Zweitplatzierte Odermatt war kaum geknickt nach dieser Lehrstunde und freute sich mit dem Routinier. Er hatte zwar den teaminternen Kampf verloren, doch gerade in Kitzbühel gewinnt solch eine Schweizer Doppelbesetzung auf den vordersten Plätzen im Hinblick auf die Dauerrivalität mit den Österreichern ungemein an Wert.

Die Österreicher besiegt

Auf den Plätzen drei und vier landeten Daniel Hemetsberger und Matthias Mayer in ihrer Heimat, Neureuther witterte da schon wieder gnadenlose Schlagzeilen in Österreichs Blättern hinsichtlich der Schmach im eigenen Land. Bester Deutscher der enttäuschenden DSV-Truppe war übrigens Romed Baumann auf Rang 15.

„Marco und ich tun uns gegenseitig gut. Er ist jung und hat noch nicht so viele Gedanken im Kopf wie ich. Aber wenn wir über das Skifahren diskutieren, sind wir auf einer Wellenlänge“, sagte Beat Feuz nach dem Schweizer Doppelerfolg. Und richtete eine Botschaft an seine Partnerin Katrin Triendl, die Töchterchen Luisa zur Welt gebracht hatte. „Ich bin extrem stolz auf sie und muss ein riesiges Dankeschön herausschicken“, sagte Beat Feuz am Ende der wohl unglaublichsten Woche seines Lebens.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kitzbühel Ski alpin Abfahrt