Die alternative WM Fußball ohne Fifa

Von solchen Zuschauerkulissen können die Nicht-Fifa-Kicker nur träumen. Foto: AP
Von solchen Zuschauerkulissen können die Nicht-Fifa-Kicker nur träumen. Foto: AP

In der Conifa haben sich die Zwerge des internationalen Fußballs zusammengeschlossen – jene Länder, die nicht in der Fifa sind. Nun wollten zwei bayerische Provinzkicker mitmischen und wurden abgestraft.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Mirko Weber (miw)
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Östersund - Fußball-Weltmeister? Ist schon raus seit fast einem Monat: Countea de Nissa. Bitte, wer? Fußballer aus der Region Nizza, die zu Frankreich als Nation ein eher gespanntes Verhältnis unterhalten, und jedenfalls auf dem Platz ein selbst- und nicht fremdbestimmtes Leben mit dem Ball haben möchten, gewannen am alternativen WM-Ort Östersund mit 5:3 gegen Ellan Vannin, was wiederum der gälische Name ist für die Isle of Man. Weiterhin beteiligt an der von der Conifa (ein Zusammenschluss von unabhängigen Fußballverbänden) ausgerichteten WM waren zum Beispiel Kurdistan oder Nordzypern, allesamt Teams, die kein Fifa-Mitglied sein dürfen, sich aber trotzdem zeigen und vergleichen wollen: „Ich habe mich oft gefragt, warum man diesen Mannschaften keine Chance gibt“, sagt der Generalsekretär der Conifa, Sascha Düerkop. „Sie sollten sich völlig losgelöst von politischen Diskussionen präsentieren können.“

Nicht in Südschweden beteiligt, aber dennoch vom freien Internationalismus der Conifa begeistert war Rudi Schiebel, der im Frühjahr zusammen mit zwei Ex-Profis des 1. FC Nürnberg, Martin Driller und Thomas Ziemer, die gleich so genannte Franken-Elf auf die Beine gestellt hat. Helgoland und Sansibar haben schließlich auch eine Regional-Elf, meinte Schiebel: „Da hab ich mir gesagt, das wär‘ doch ne geile Sache.“ Kurz vor dem ersten ernsthaften Spiel gegen eine Schweizer Regionalmannschaft aus Graubünden Ende Mai bekam die Franken-Elf dann aber Post vom Bayerischen Fußballverband, der die Aktivitäten argwöhnisch beobachtete. Das Spiel, so der Verband, werde nicht frei gegeben, zudem wurden juristische Konsequenzen für Verbandsspieler angedroht. So leicht aber lassen sich Franken nicht in willkürlich aufgestellte Schranken weisen. Trotz einiger Absagen liefen Schiebels Leute auf und erzielten in Lohr am Main ein 4:2 gegen FA Raetia.

Mit ein wenig Abstand zum Ereignis hat der Bayerische Fußball-Verband nun tatsächlich ein Sportgerichtsverfahren gegen einzelne Spieler eingeleitet. Die Spieler sollen sich erklären. „Ich glaube“, hatte Martin Driller gesagt, bevor er nochmal die Stiefel schnürte, „man darf das Ganze nicht so ernst nehmen.“ Da hat er sich getäuscht.




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