Die Autobahn GmbH Südwest zieht Bilanz Autobahn soll klimafreundlich werden
Ein Jahr nach der Gründung zieht die Autobahngesellschaft Südwest Bilanz: Der Betriebsstart war reibungslos, die Zukunftsaufgabe ist der Klimaschutz auf Autobahnen.
Ein Jahr nach der Gründung zieht die Autobahngesellschaft Südwest Bilanz: Der Betriebsstart war reibungslos, die Zukunftsaufgabe ist der Klimaschutz auf Autobahnen.
Stuttgart - Der Januar 2021 markierte eine Zeitenwende in der Geschichte der deutschen Autobahnen: Die Zuständigkeit für Planung, Bau und Betrieb ging von den Ländern über in eine neu gegründete Autobahn-Gesellschaft, die zu 100 Prozent dem Bund gehört. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht Christine Baur-Fewson, die Direktorin für die Autobahn-Gesellschaft Südwest, Bilanz und schildert die Herausforderungen der Zukunft. Das erste Jahr ist für Baur-Fewson, die früher im Landesverkehrsministerium gearbeitet hat, schnell abgehakt: reibungsloser Übergang, Gründung einer Behörde mit 1000 Mitarbeitern mit Sitz in Stuttgart, Übernahme von 750 Mitarbeitern des Landes. „Wir waren zum Start im Januar 2021 voll handlungsfähig. Alle Bauprojekte sind zuverlässig weitergelaufen“, sagt Baur-Fewson. Aber immer noch seien 100 Stellen frei – der Fachkräftemangel.
Neben dem Neubau und der Instandsetzung der Autobahnen im Südwesten, für die 2022 ein mit dem Vorjahr vergleichbares Finanzvolumen von 400 Millionen Euro vorhanden ist, treibt Baur-Fewson ein Thema um: die Nachhaltigkeit von Autobahnen. Es gehe ihr darum, für mehr Akzeptanz zu werben. „Die Menschen sollen auch Autobahnen schätzen“, sagt Baur-Fewson. Einen Schlüssel dafür hat sie: „Wir müssen als Infrastrukturbetreiber schauen, dass wir die Klimaschutzdebatte im Auge behalten.“ Als erste Niederlassung der Autobahn-Gesellschaften bundesweit strebt Südwest bei Heidelberg eine CO2-neutrale Autobahnbaustelle als Pilotprojekt an: Die Baumaschinen sollen mit E-Antrieb arbeiten, das Material aus einem nahen Recyclingbetrieb kommen. „Wir werden eines Tages die komplett CO2-neutrale Autobahn haben“, so Baur-Fewson.
Wie Begleitmusik klingt, dass der Gesellschaft jetzt schon eine „grüne Infrastruktur“ als Ausgleich bei Baumaßnahmen wichtig ist: Grünbrücken für das Wild, die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen und die Renaturierung von Flüssen und Bächen. Nicht ohne Stolz wird ein Sonderfall bemerkt: dass ausgerechnet wilde Orchideen an stark befahrenen Autobahnen ein Refugium haben – weil sie dort vor Wildschweinen, aber auch Menschen sicher sind.
Baur-Fewson könnte sich vorstellen, statt einem halben Dutzend von Maßnahmen für den Naturausgleich eine einzige schlagkräftige durchzuziehen. „Man könnte beispielsweise einen landwirtschaftlichen Betrieb aufkaufen, seine Flächen renaturieren, als Wald oder Moor oder anderweitiges Biotop.“
Zur Nachhaltigkeit passt, dass die Autobahn-Gesellschaft bundesweit rund 200 Parkplätze mit WC (PWC) mit Elektroladesäulen ausstatten will. Zwölf Standorte in Baden-Württemberg sollen bedacht werden, sagt Baur-Fewson. Das Ziel sei, dass der Abstand von E-Ladesäulen an Autobahnen nicht mehr als 30 Kilometer betrage. Maßnahmen zur Erhöhung von Sauberkeit, Attraktivität und Sicherheit der PWCs sind auch geplant.
Auf dem Bauplan für 2022 hat die Autobahn-Gesellschaft Südwest auf ihrem 1050 Kilometer weiten Streckennetz ein Dutzend Baustellen für Erneuerung, Aus- oder Neubau. Eines der spektakulären Vorhaben ist die Querverschiebung einer 1,3 Kilometer langen Brücke für das Neckartal an der A 6 bei Heilbronn am 13. Januar. Begonnen mit dem ersten Spatenstich im November ist auch der kleeblattförmige Ausbau der Autobahnauffahrt Rottenburg an der A 81, wo täglich 56 000 Autos passieren und die hoffnungslos überlastet war.
Auch die Enztalüberquerung an der A 8 bei Pforzheim ist im Gange – ein Bauprojekt für 340 Millionen Euro, das 2026 fertig sein soll. Zukunftsmusik ist der Ausbau des Albaufstiegs der A 8: „Wir haben am 30. November unseren Antrag auf Planänderung eingereicht“, sagt Baur-Fewson. Von Januar an werden die Planfeststellungsunterlagen öffentlich ausgelegt, Bürgerinnen und Bürger sowie Gemeinden könnten Einwendungen einreichen. Einige Forderungen, etwa die nach einem Radweg auf der Abstiegstrasse, seien aber schon berücksichtigt. Sie hoffe, dass der Planfeststellungsbeschluss noch vor der Sommerpause 2022 gefasst werde, so Baur-Fewson. Danach folge die Ausführungsplanung und die Ausschreibung: „Läuft alles glatt, könnten wir 2025 mit dem Bau beginnen und wären 2032 fertig.“