Die Autoren der „Expanse“-Reihe Nicht das Universum retten

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Erfolg als Buchreihe, Erfolg als Streaming-Serie: „Expanse“ ist ein Science-Fiction-Phänomen. Die Autoren Ty Franck und Daniel Abraham – bekannt unter ihrem gemeinsamen Pseudonym James S. A. Corey – waren in der Stadtbibliothek Stuttgart zu Gast.

Im Gespräch über „Expanse“: Ty Franck, Daniel Abraham und der Moderator Björn Springorum (v. li.) Foto: Ronny Schönebaum
Im Gespräch über „Expanse“: Ty Franck, Daniel Abraham und der Moderator Björn Springorum (v. li.) Foto: Ronny Schönebaum

Stuttgart - Schreiben sei Arbeit, man solle sich ja nichts anderes erzählen lassen, warnen zwei der derzeit erfolgreichsten Science-Fiction-Autoren ihr Publikum in der Stadtbibliothek am Mailänder Platz: Man tippe, tippe und tippe, werfe weg, tippe, verbessere, tippe, überarbeite, tippe weiter, nur so entstünden Geschichten, nicht durch wallende Seelenergüsse. Wie oft und lange auch immer Ty Franck und Daniel Abraham überarbeiten müssen, das Ergebnis ist eine ideale Mischung aus spielerischer Fantasie und disziplinierter, faktengebundener Vorstellungskraft: Ihre auf neun Romane angelegte „Expanse“-Welt erzählt von einem Sonnensystem, das von der Menschheit so gut wie möglich besiedelt wurde – wobei Ressourcenkampf und sonstige Rivalitäten das Personal der Bücher in Trab halten.

Gemeinsam veröffentlichen die beiden Amerikaner unter dem Pseudonym James S. A. Corey, wobei sie einander in ihren Vorlieben und Abneigungen so ergänzten, sagen sie, dass jeder das Gefühl süßer Schuld genießen könne, dem anderen die Drecksarbeit zugeschoben und sich den guten Teil gesichert zu haben. Solche Witzeleien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Franck und Abraham auf die Fragen des Moderators Björn Springorum stets durchdacht, präzise und anschaulich vom kreativen Prozess und von ihrem Blick auf Science Fiction erzählen.

Der Lesespaß ist wieder da

Die sei, sagen sie, eine Zeit lang nur noch eine Spezialistennische gewesen, mit deren neuen Werken allenfalls bereits einschlägig Belesene Spaß haben konnten. Das habe sich 2005 mit dem Erfolg von John Scalzis „Krieg der Klone“ schlagartig geändert: Die Zugänglichkeit und der unmittelbare Lesespaß der klassischen Science Fiction seien da zurückgekehrt, aber ohne deren ideologische Schlacken wie Rassismus und Frauenfeindlichkeit.

„Expanse“ ist sogar zu einer TV-Serie geworden, die in Deutschland Amazon Prime anbietet. Franck und Abraham arbeiten daran mit und sehen die Notwendigkeit, in Bildern anders zu gewichten als auf dem Papier, sehr entspannt. Worauf es ihnen ankommt: Nicht von Raumflottenadmiralen oder mindestens Raumschiffkapitänen zu erzählen, sondern von den kleinen Leuten der Zukunftswelt. Von denen, die nicht das Universum retten, sondern bloß überleben wollen.