Die Beach Boys in der Liederhalle Surfbretter in seichten Gewässern

Von Thomas Morawitzky 

Es gibt jede Menge großartiger Beach-Boys-Lieder. Am besten klingen die, wenn Tiefe und Verletzlichkeit mitschwingen. Mit Mike Love an der Spitze präsentiert sich die Band in Stuttgart aber als bloße Hitmaschine.

Er hat hier klar das Sagen: Gründungsmitglied Mike Love steht bei den Beach Boys ganz vorne. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky 16 Bilder
Er hat hier klar das Sagen: Gründungsmitglied Mike Love steht bei den Beach Boys ganz vorne. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Stuttgart - Die schönste aller Welten, das waren für die 1961 gegründete US-Band The Beach Boys die Strände Kaliforniens. Auf der Bühne der Liederhalle leuchtet am Donnerstagabend eine Leinwand, auf der sie vorbei ziehen, die Bilder der Jungs, die ihre Surfbretter hinaus in die Dünen tragen, der Mädchen, die über den Sand schlendern und ins klare Wasser eintauchen. Vor dieser Kulisse: Mike Love, 76, und Bruce Johnston, 72. Sie feiern noch einmal ihre Stranderinnerungen: „One Night all the Hits“ heißt das Programm.

Im August 2012 durfte das Stuttgarter Publikum in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle wahrhaft große Momente erleben, als Brian Wilson, Al Jardine und Mike Love, die überlebenden ersten Beach Boys, Station machten auf ihrer ersten gemeinsamen Tournee seit Jahrzehnten. Wilson saß am Flügel und sang seine Lieder, die Tiefe und Verletzlichkeit in die Welt des ewigen Sommerspaßes bringen, mit brüchiger Stimme. Jene großen Momente sind vorbei - am Donnerstagabend sind die Beach Boys ganz die Hitmaschine des Mike Love, die viel dem jungen Gitarristen und Sänger Scott Totten verdankt, der sich musikalisch perfekt einfügt ins Bild.

Die alten Stücke zünden besser

„God only knows“ spielen die Beach Boys zum Playback der Stimme des 1998 verstorben Wilson-Bruders Carl. Keyboarder Brian Eichenberger, ein Neuling in der Band, gehört heute auch zur jüngsten Generation von The Four Freshmen, einer Vokalgruppe, die Brian Wilson einst als Vorbild diente. Gemeinsam mit Love, Johnston und Totten singt er eines ihrer Stücke - dann gleiten die Surfbretter in seichtere Gewässer, zum späten Hit „Kokomo“ von 1988. „Surfin’ USA“, „I get around“ und viele andere zünden merklich besser. Die Zugabe feiert dann das 50. Jubiläum des Albums „Wild Honey“ und geht flüssig über zum Ohrwurm „Barbara Ann“ - Songs, die zuletzt auch das Stuttgarter Publikum auf die Beine bringen.

Mike Love jedoch stellt mit großer Geste das Engagement seiner Band für gesundes Wasser in Indien heraus - derselbe Mann, der eben noch, im Interview mit unserer Zeitung, seine Sympathie für einen US-Präsidenten bekundete, dem der weltweite Klimawandel schlicht gleichgültig ist: Ein falscher Ton, der alle Harmonie zerstört.