Die Beachvolleyballerinnen Borger und Büthe Sandkastenliebe

Die  Körpersprache zählt: Karla Borger (links) und Britta Büthe haben auf dem Feld immer eine positive Ausstrahlung. Foto: dpa
Die Körpersprache zählt: Karla Borger (links) und Britta Büthe haben auf dem Feld immer eine positive Ausstrahlung. Foto: dpa

Karla Borger und Britta Büthe spielen vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie als Team stark sind. Und weil sie für ihren Sport alles geben. Nun geht für die Stuttgarterinnen sogar der Traum von den Olympischen Spielen in Erfüllung.

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Stuttgart/Hamburg - Nirgendwo liegen Triumph und Tragödie näher zusammen als im Sport. Und manchmal gibt es sogar Situationen, da wissen selbst die Athleten nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollen. Bei Karla Borger und Britta Büthe fließen an diesem Freitag in Hamburg reichlich Tränen – sie drücken Freude und Frust zugleich aus.

Zuvor hat sich bei den Beachvolleyballerinnen aus Stuttgart die Anspannung von eineinhalb Jahren Olympia-Qualifikation entladen, ohne dass sie einen Ball schlagen mussten. Weil Katrin Holtwick und Ilka Semmler (Berlin), die Konkurrentinnen um den zweiten deutschen Rio-Startplatz neben Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (Hamburg), bei dem Major-Turnier am Rothenbaum bereits am frühen Morgen gescheitert sind, steht schon vor dem Achtelfinale fest: Borger und Büthe sind in Brasilien dabei.

Die Nachricht erreicht die beiden beim Warmmachen vor ihrem eigenen Auftritt. Klar, sie nimmt ihnen den Druck, aber ein bisschen auch die Konzentration. Zudem zwickt es Karla Borger im Rücken, zweimal muss sie sich während der Partie behandeln lassen. Die Stuttgarterinnen verlieren mit 0:2 (10:21, 21:23) gegen Madelein Meppelink und Marleen van Iersel (Niederlande) – und werden dennoch gefeiert. Von ihren Fans auf der Tribüne, die sich extra Brillen mit den Olympia-Ringen angefertigt haben. „Wir wollten hier in Hamburg noch ein paar Spiele machen, das ist ärgerlich“, sagt Britta Büthe anschließend mit feuchten Augen. Ein paar Meter weiter steht Karla Borger. Ihr rinnen die Tränen über die Wangen, auch sie wird von ihren Gefühlen überwältigt: „Ich bin mega stolz, dass wir es mit fairen Mitteln und aus eigener Kraft nach Rio geschafft haben. Das ist unglaublich!“

Karla Borgers Mutter war Europameisterin

Auch Cordula Pütter (55) ist emotional angegriffen. Sie war selbst eine erfolgreiche Volleyballerin, vor 21 Jahren wurde sie in Frankreich Beach-Europameisterin. Nur zu Olympia hat sie es nie geschafft. 1996, vor Atlanta, wollte der Verband sie nicht nominieren, weil sie damals als dreifache Mutter nicht dem Muster für eine erfolgreiche Athletin entsprach. Eines ihrer Kinder ist Karla Borger. „Jetzt ist es für mich fast so, als hätte ich mich selbst für Rio qualifiziert“, sagt Cordula Pütter, während sie ihre Tochter in den Arm nimmt, „für Karla und Britta geht ein Traum in Erfüllung. Alle Mühen, Ängste und Entbehrungen haben sich gelohnt.“

Beachvolleyball hört sich nach Sommer, Sonne, Strand und Sand an. Auch Profis schätzen die Leichtigkeit des Seins. Doch wer erfolgreich sein will, muss seinen Sport nicht nur lieben, er muss ihn auch leben. Mit aller Konsequenz. Wie Karla Borger und Britta Büthe.

Am Montag sind sie nach Hamburg geflogen. Aus der Schweiz, wo sie einen Tag zuvor als Dritte ihre erste EM-Medaille gewonnen haben. Zeit für eine Feier? Blieb keine. Weil es im Beachvolleyball Schlag auf Schlag geht. Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Und Hamburg ein besonders wichtiges. Die letzten Punkte für die Olympia-Qualifikation stehen auf dem Spiel. Familie, Freunde, Fans Sponsoren, Medien – jeder möchte teilhaben am sportlichen Leben der beiden Athletinnen. Das Turnier in Hamburg findet zwar 600 Kilometer von zu Hause entfernt statt, es ist aber trotzdem ein Heimspiel für Borger und Büthe. Umso wichtiger ist es für die beiden, allen gerecht zu werden. Und sich trotzdem auf ihre Aufgabe zu fokussieren.

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