Die Bebauung am Böblinger Flugfeld Herausfordernd für die ersten Siedler

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Für den Indoor-Freizeitpark Sensapolis war der Anfang auf dem Flugfeld zäh – bis die Entwicklung Fahrt aufnahm. Innerhalb von zehn Jahren ist das Areal zu einem lebendigen Stadtteil geworden, in dem mittlerweile 2700 Menschen wohnen.

Der Platzhirsch: Das Sensapolis feiert 2018 sein zehnjähriges Bestehen Foto: factum/Granville
Der Platzhirsch: Das Sensapolis feiert 2018 sein zehnjähriges Bestehen Foto: factum/Granville

Böblingen - Die Autobahn hat Alexander Schreibeisen auf das Flugfeld gebracht: Der erste Kaufvertrag für ein Grundstück in dem neu erschlossenen Stadtteil ging an sein Unternehmen Sensapolis. Der Investor wählte einen Standort, der von der A 81 aus gut zu sehen war. Trotzdem haben sich viele Besucher auf dem Weg zu dem Indoor-Freizeitpark völlig verirrt. „Die Navigationsgeräte kannten unsere Straße nicht“, sagt Jürgen Schwarz. Überhaupt beschreibt der Geschäftsführer den Anfang als „sehr zäh und eine unheimliche Herausforderung“ – so allein auf dem weiten Flugfeld. Sensapolis wurde im Juni 2008 als erstes Unternehmen auf dem Areal eröffnet. „Es ist toll, wie es sich seither entwickelt hat“, findet Jürgen Schwarz. Am bundesweiten Tag des Städtebaus wird genau diese Entwicklung mit einem Vortrag und Rundfahrten gefeiert.

„Wir haben viel Glück gehabt“, sagt Corinna Clemens. Sindelfingens Baubürgermeisterin, die zuvor stellvertretende Geschäftsführerin des Zweckverbands Flugfeld war, lobt die Städtebauförderung für die Unterstützung des Projekts. Auch die gute konjunkturelle Lage hat ihrer Meinung nach den gemeinsamen Stadtteil von Sindelfingen und Böblingen vorangebracht, weil die Nachfrage nach Flächen für Wohnungen und Gewerbe ungebrochen hoch ist. Den Anschluss an die S-Bahn sieht die Baubürgermeisterin außerdem als entscheidend an. „Es ist schon ein Erfolgsmodell“, zieht sie Bilanz, weil aus der Brachfläche genau das gemischte Quartier geworden sei, das ursprünglich geplant wurde. „Und im Rückblick ist es richtig schnell gegangen“, sagt Corinna Clemens.

Auf dem Flugfeld wohnen 2700 Menschen

Schon ein Jahr nach Eröffnung von Sensapolis wurden die ersten Bewohner auf dem Flugfeld begrüßt. Mehr als 2700 Menschen wohnen dort mittlerweile. „Es ist ein sehr lebendiger Stadtteil geworden“, sagt die Baubürgermeisterin, die das Flugfeld als sehr inspirierend bezeichnet. „Man sieht im Berufsleben nicht immer gleich Ergebnisse“, sagt die Diplom-Ingenieurin über die Arbeit von Stadtplanern. Laut den Tabellen auf der Internetseite des Zweckverbands sind aktuell nur drei Grundstücke für Wohnungsbau und drei Gewerbeflächen zu haben. Die Flugfeld-Klinik beansprucht auch ein großes Stück zwischen Sensapolis und der Parkstadt. Lediglich die Seepromenade und die Fläche namens Campus direkt an der Autobahnausfahrt stehen noch zur Bebauung an. Im Jahr 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Jürgen Schwarz hat sich eine Zeit lang gefragt, ob ein anderes Grundstück nicht cleverer für Sensapolis gewesen wäre. Das Gelände an der Wolfgang-Brumme-Allee, wo heute Harley Davidsons verkauft werden, war damals zum Beispiel auch zu haben. Dieser Standort wäre vor zehn Jahren auf alle Fälle mit dem Navi leichter zu erreichen gewesen. Am anderen Ende des Geländes ging es mit der Besiedelung schneller voran. „Aber das Flugfeld hat sich Schritt für Schritt schön in unsere Richtung entwickelt“, sagt der Geschäftsführer. Schon mit dem Küchenhändler Plana als Nachbarn fühlten sich Jürgen Schwarz und seine Mitarbeiter nicht mehr so einsam. Abgesehen vom Standort musste das Unternehmen sich außerdem mit seinem bis dahin unbekannten Konzept in der Region etablieren. „Es hat gedauert, bis die Böblinger und Sindelfinger das neue Freizeitangebot wahrgenommen und geschätzt haben“, sagt Jürgen Schwarz. Für ihn brachte die Unterführung unter dem Böblinger Bahnhof vor zwei Jahren einen weiteren Durchbruch. Dass von Juni an eine neue Buslinie das Flugfeld erschließt mit einer Haltestelle vor seiner Tür, freut ihn noch mehr. Am Ende hat sich die Wahl von Alexander Schreibeisen jedenfalls als richtig erwiesen: Laut einer Umfrage kennen die jährlich rund 200 000 Besucher den Indoorpark zu zwei Dritteln entweder aus dem Internet oder vom Vorbeifahren auf der A 81. Von der Autobahn aus gesehen sticht kein anderes Gebäude derart aus dem Flugfeld heraus wie die riesige Halle.




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