Die besten Restaurants in Baden-Württemberg Glücklich mit mürben Rinderrouladen – zu Gast im Ochsen in Mundelsheim

, aktualisiert am 26.03.2025 - 17:49 Uhr
Der Ochsen in Mundelsheim mit Chef Christian Kölbl und seiner Frau Ricarda Foto: Simon Granville/Simon Granville

Für ein Essen im Ochsen in Mundelsheim kommen die Gäste von weit her. Das verwundert nicht, wenn man hier einmal gegessen hat.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Wir testen die besten Restaurants in Baden-Württemberg – Wir essen in außergewöhnlichen Kneipen, bodenständigen Landgasthöfen und ausgezeichneten Sternerestaurants. Heute im Test: der Ochsen in Mundelsheim.

 

Das Lokal

Wie es sich für eine Gaststätte mit dem Namen Ochsen gehört, man könnte auch Hirsch oder Adler nehmen, befindet sich die Wirtschaft mitten im Ort im schönen Mundelsheim. Die Lage ist wirklich famos, wer vor oder nach dem Essen Zeit für einen Spaziergang hat, der kann kilometerweit am Neckarufer herumflanieren – auf der einen Seite das Wasser, auf der anderen die Weinberge. Das ist eine Gegend, für die man Adjektive wie „beschaulich“ erfunden hat.

Wir aber sind ja für die Wirtschaft hier, die vor gut dreißig Jahren von Karl Kölbl, einem ortsansässigen Bauunternehmer, gekauft und sehr behutsam kernsaniert wurde.

Ein Glück für die Gäste, die auf Atmosphäre Wert legen. Der Stil ist geblieben, der Stuck an der Decke, die historischen Bleiglasfenster zieren Motive aus den Weinbergen. Der älteste Teil des Gebäudes ist der Keller, der auf das Jahr 1512 zurück geht. Die Käsbergstube ist eine sehr gute Stube mit den weiß eingedeckten Tischen und Jagdtrophäen an den Wänden. Fuchs und Hase wachen über das Geschehen in dem Raum den man unter Denkmalschutz stellen sollte. Auf einer alten Nähmaschine steht eine adrette Auswahl an Schnäpsen.

In den vergangenen Jahren war das Restaurant verpachtet, doch seit geraumer Zeit kümmert sich der Sohn und jetzige Inhaber Christian Kölbl um den Betrieb.

Die Betreiber

Inhaber Christian Kölbl (40) hält aus der Küche die Stricke in der Hand, vor allem aber immer das Produkt und die gute Küche im Blick. Zu seinen Stationen zählen seine Ausbildung im Post-Cantz in Ludwigsburg, Inselhotel in Heilbronn, Königliches Jagdhaus in Oberstdorf, das Colombi-Hotel in Freiburg, um dann in der Herrenküferei bei Matthias Striffler seinen „Feinschliff zu bekommen“, wie Kölbl sagt, und anschließend besuchte er die Meisterschule in Bad Reichenhall. Anfangs half seine Mutter im Service, heute ist seine Frau Ricarda mit dabei. Dass es in der Gastronomie nicht einfach ist, Personal zu finden, hört man derzeit überall. Hier sind 24 Minijobber im Service angemeldet, und am Testtag agieren alle versiert und freundlich.


Das Essen

Die Karte bietet bodenständige Klassiker – und was für welche! Hier und da gibt es einen modernen Twist, ohne trendy zu sein. Das ist sehr erfrischend. Los geht es aber mit einem altmodischen Klassiker: Weißbrot mit Griebenschmalz sowie Butter. Sollte die gute Portion nicht reichen, gibt es kostenlos Nachschlag.

Wir starten mit einem Zupfsalat (7,90 Euro), der mit Krautsalat, Gurkensalat, Kartoffelsalat, Kürbiskernen, Karotten und einem sanften Dressing eine zeitgeistige Interpretation des guten alten Wirtshaussalates ist. Der üppige gratinierte Ziegenkäse (18,50 Euro) wird äußerst fein von Zuckerschoten-Grapefruit, Passionsfrucht und Koriander begleitet.

Begeisterung für die Rouladen

Bei den Hauptgerichten geht es auf hohem Niveau weiter: der Tafelspitz (33,50 Euro) wird mit Meerrettichsoße und Schnittlauch, Blattspinat, Preiselbeeren und Bratkartoffeln serviert. Da gibt es nichts zu mäkeln.

Die Roulade Foto: nja

Wahre Begeisterung entfacht jedoch ein beinahe in Vergessenheit geratenes Gericht: die handgewickelte Roulade (31,50 Euro), traditionell gefüllt mit Senf, Speck, Zwiebeln und Essiggurken. Während man schweigend genießt, kommt unweigerlich die Frage auf, wo man heutzutage noch authentische, hausgemachte Rouladen findet – selbst auf sonntäglichen Familientafeln dürften sie zur Seltenheit geworden sein. Begleitet wird dieses Glanzstück von einem raffinierten geräucherten Kartoffelpüree und knackfrischem Marktgemüse. Die Sauce ist derart vorzüglich, dass man sie am liebsten mit nach Hause nehmen möchte. Für Vegetarier bieten die Südtiroler Spinatknödel (22,90 Euro) eine überzeugende Alternative.

Tolles Sauerrahm-Eis und Himbeerpüree. Foto: nja

Den krönenden Abschluss bilden zwei Dessert-Highlights: Die hausgemachten Apfelküchle mit Vanillesoße und Vanille-Eis (10,50 Euro) überzeugen durch ihre luftige Konsistenz und angenehme Wärme. Besonders hervorzuheben ist das Sauerrahm-Eis, das durch ein leicht-säuerliches Himbeerpüree perfekt ergänzt wird.

Das Restaurant

Ochsen
, Heinrich-Maulick-Straße 2, 74395 Mundelsheim, Telefon 07143/ 50204; Öffnungszeiten: Do-Mo 18-23 Uhr, So 12-14 Uhr

www.ochsen-in-mundelsheim.de

 

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