Böblingen - „Neue Sportart: Wasserlaufen“ lautet die Überschrift auf dem Deckblatt der Zeitung ‚Kurier der Zeit‘. Doch gemeint ist damit keinesfalls eine moderne olympische Disziplin, sondern eine Erzählung in der Bibel, in der Jesus über den See Genezareth gegangen ist. Das Projekt des Böblinger Ehepaars Kornelije und Melanie Casni soll den Menschen zeigen, dass die biblischen Texte heute noch genauso aktuell sind, wie vor 2000 Jahren.
Rubriken wie „Besser Leben“ oder „Sport“ gliedern den Seitenverlauf
In Rubriken wie „besser leben“, Sport oder Wirtschaft finden Leser zeitungstypisch aufbereitete Artikel – nur, dass sich das Geschehene vor mehr als 2000 Jahren ereignet hat. Auf diese ungewöhnliche Idee kam der gebürtige Böblinger Kornelije Casni gemeinsam mit seiner Frau Melanie bei der Renovierung ihres Gäste-Badezimmers: „Wir hatten noch eine alte Zeitungsstange übrig“, erzählt der selbstständige Mediengestalter, „da hatte meine Frau die Idee, ob wir nicht vielleicht die Bibel ins Zeitungsformat bringen könnten.“ Für den ausgebildeten Drucker und Grafikdesigner, den die Leidenschaft, „alten Sachen einen neuen Anstrich zu geben“ mit seiner Frau verbindet, eine tolle Sache. Doch das könne man nicht „einfach mal so machen“, dachte sich Casni. Deshalb schlug er vor: „Da machen wir ein Projekt draus!“
Alte Bibeltexte leserfreundlich aufbereitet
Gesagt, getan: „Die Texte in der Bibel bestehen teilweise aus Briefen oder Reportagen“, erläutert Casni, „nur gab es damals noch keine Tageszeitung“. Also hätten sie sich überlegt, wie eine solche Bibel-Schlagzeile klingen würde. Die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus betitelten sie zum Beispiel mit: „Heilung: Schwiegermutter wird gesund. Schwiegersohn: kein Kommentar“.
„Viele Menschen glauben, die Bibel wäre schwer zu verstehen“, meint Casni, „aber die Übersetzung des neuen Testaments, mit der wir gearbeitet haben, ist leserfreundlich.“ Aus der Basis-Bibelübersetzung hat das kirchlich engagierte Ehepaar Texte ausgewählt, Kommentare von Schriftstellern, Redakteuren und Bekannten schreiben lassen und jede Menge Zeit investiert.
Zehn Monate bis zur Druckreife
Nach zehn Monaten Arbeit war der „Kurier der Zeit“ im letzten August dann druckfertig: „Wir möchten die Menschen dazu bringen, die Bibel mal wieder zu lesen“, erläutert Casni das Ziel des Projekts. Außerdem berge jede Geschichte Aspekte, die einem selbst im Leben schon begegnet sind, erzählt der 47-Jährige. Bisher habe es nur positives Feedback zu dem Projekt gegeben – „die Menschen mögen Papier“, glaubt Kornelije Casni.
Sein größter Wunsch: „Die Cafés öffnen wieder und unsere Zeitung liegt dort aus. Wenn dann jemand, der die Bibel eigentlich nicht liest, unsere Zeitung zur Hand nimmt, wäre dies das schönste Feedback.“