Robert Bosch: Gründer des Weltkonzerns und große Persönlichkeit mit einer interessanten Verwandtschaft. Foto: Imago/Eibner, Robert Bosch GmbH
Erfinder, Nobelpreisträger, Unternehmer, Künstler, Politikerin, Publizisten, Politikerin, Biolandwirt – neben dem legendären Stuttgarter Firmengründer Robert Bosch sind in dessen weitverzweigter Familie weitere ganz besondere Persönlichkeiten zu finden.
Den Namen Bosch kennt in Deutschland jedes Kind. Der weltweit größte Zulieferer der Autoindustrie aus der Region Stuttgart trägt diesen Namen, unzählige Schulen ebenfalls. Was steckt hinter dem Familiennamen des Konzerngründers Robert Bosch? Und: Welche Persönlichkeiten gehören noch zur Familie?
Wer sich auf die Spuren der Bosch-Dynastie begibt, kommt nicht an Albeck vorbei, einem 1500-Einwohner-Örtchen im Alb-Donau Kreis, nur wenige Kilometer entfernt von Ulm. Die Familie betrieb dort, neben der Landwirtschaft, von 1736 an den Gasthof Zur Krone, den es bis heute gibt. Mit Servatius Bosch, der dort die Geschäfte Mitte des 19. Jahrhunderts leitet, und seiner Frau Marie Margarethe (geborene Dölle) beginnt die Erfolgsgeschichte der Familie. Ein Grund: das evangelische Ehepaar legte großen Wert auf Bildung.
Robert Bosch (1861 – 1942)
Als elftes der zwölf Kinder von Servatius und Marie Margarethe Bosch kommt Sohn Robert 1861 zur Welt. Zunächst durchläuft er eine Mechanikerlehre und bildet sich gezielt bei damals technisch fortschrittlichen Betrieben weiter. 1886 macht sich Robert Bosch mit 24 Jahren selbstständig – in einer Hinterhofwerkstatt in der Rotebühlstraße im Stuttgarter Westen. Anfangs werden vor allem elektrische Türklingeln installiert und erste Telefonanlagen angeschlossen.
In einem Hinterhof in Stuttgart-West beginnt die Erfolgsgeschichte von Robert Bosch. Foto: cf/Archivzeichnung
Aus dem Nichts macht Robert Bosch seine Firma zum Weltunternehmen, das heute weltweit 429 000 Menschen beschäftigt. Der von ihm entwickelte Magnetzünder war das fehlende Teil für die gerade entstehende Autoindustrie. Aber nicht allein Mut, Erfindergeist und kaufmännisches Geschick machten Robert Bosch zum Übervater der Robert Bosch GmbH mit der Zentrale auf der Gerlinger Schillerhöhe. Auch durch Wertschätzung, Verantwortungsbewusstsein und Fürsorge gegenüber seiner Belegschaft gilt er als Vorreiter der sozialen Marktwirtschaft. Dafür steht ein Satz von Robert Bosch in ganz besonderer Weise: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“
Carl Bosch (1874 – 1940)
Der zweite Bosch, der es zu Weltruhm gebracht hat, ist Carl Bosch. Sein Vater ist Robert Boschs Bruder Carl Friedrich Alexander (1843 -1904), der in Köln mit einem Partner den Installationsbetrieb Bosch und Haag führt. Seine Frau Paula (geborene Liebst) und er haben sieben Kinder, von denen der 1874 geborene Sohn Carl Bosch eine beeindruckende Karriere macht.
Zunächst geht Carl Bosch in der Firma seines Vaters in die Feinmechanikerlehre. In Berlin und Leipzig studiert er später Maschinenbau und Chemie. Seine Begabung führt für den Neffen von Robert Bosch 1899 zu einer Anstellung bei BASF in Ludwigshafen.
In dieser Zeit gelingt es dem Berliner Chemieprofessor Fritz Haber, Stickstoff in Ammoniak umzuwandeln. Ein erster wichtiger Schritt, um Kunstdünger herzustellen, der für die Ernährung weiter Teile der Weltbevölkerung dringend benötigt wird. 1908 erhält Fritz Haber den Chemie-Nobelpreis dafür.
Gedenkmünze zu Ehren des Nobelpreisträgers Carl Bosch. /Imago/Ronan Picture Library
Carl Bosch wird diese höchste wissenschaftliche Auszeichnung 1931 zugesprochen. Weil es ihm gelungen ist, mit Hilfe eines eigens entwickelten Hochdruckverfahren Dünger industriell produzieren zu lassen.
Von 1919 an leitet Carl Bosch als Vorstandsvorsitzender die BASF und ist als bedeutender Vertreter der deutschen Industrie nach Ende des Ersten Weltkriegs Teilnehmer an den Versailler Friedensverhandlungen. 1925 überführt er die BASF in die I. G. Farben und wird Chef des so entstandenen weltgrößten Chemiekonzerns. 1935 tritt Carl Bosch als Vorstandschef zurück, wird Aufsichtsratsvorsitzender. Er steht der NS-Diktatur, wie auch sein Onkel Robert Bosch, ablehnend gegenüber.
Zunehmend zu schaffen macht Carl Bosch außerdem, dass mit dem Haber-Bosch-Verfahren nun auch Sprengstoffe hergestellt werden. Carl Bosch zieht sich immer mehr zurück. Er leidet unter Depressionen und stirbt 1940, zwei Jahre vor seinem Onkel, mit dem er zeitlebens in Briefkontakt stand.
Friedrich Zundel (1875 – 1948) und Paula Bosch (1889 – 1974)
Der aus einer Winzer- und Gastwirtsfamilie im Enzkreis stammende Friedrich Zundel zieht für ein Studium an der Kunstschule nach Stuttgart. Dort kommt er in Kontakt mit der Arbeiterbewegung. Er lernt die bekannte sozialistisch-kommunistische Politikerin Clara Zetkin kennen, die in Stuttgart als Redakteurin für die feministische Zeitung „Die Gleichheit“ schreibt. Der Maler und die 18 Jahre ältere Frauenrechtlerin heiraten 1899 und ziehen 1903 nach Stuttgart-Sillenbuch, wo sie gemeinsam bis zu Ihrer Scheidung leben. In der Nachbarschaft wohnt Robert Bosch und seine Familie – vor dem Umzug in die Heidehof-Villa. Zundel kommt in Kontakt mit Robert Boschs Tochter Paula, die er porträtiert. Aus Paula Bosch und dem 14 Jahre älteren Friedrich Zundel wird ein Paar, das 1927 heiratet. In Sillenbuch erinnert noch das Clara-Zetkin-Waldheim und die Friedrich Zundel-Straße an das berühmte geschiedene Paar.
In Tübingen ist es die Kunsthalle, die ein Denkmal für Paula Zundel (geborene Bosch) darstellt. In der Unistadt leben der Künstler und die Unternehmertochter, die dort zur Mäzenin wird. Zusammen mit ihrer Schwester, der FDP-Sozialpolitikerin Margarete Fischer-Bosch, stiftete sie Tübingen die Kunsthalle, auch um dem Lebenswerk von Friedrich Zundel einen festen Platz zu geben. Zum ersten und langjährigen Museumsdirektor beriefen sie den bekannten Kunsthistoriker Götz Adriani.
Christof Bosch (*1959) und Ise Bosch (*1964)
Als Enkel von Robert Bosch bewirtschaftet Christof Bosch einen Biogutshof in Oberbayern. Seit 2017 ist der promovierte Landwirt zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Bosch-Stiftung und Familiensprecher im Aufsichtsrat des Unternehmens. Christof Bosch ist so etwas wie der Nachlassverwalter der Werte, für die sein Großvater gestanden hat. Der Sohn von Konzernmanager Robert Bosch jun. und seiner Frau Irmgard von Graevenitz, Tochter des Bildhauers Fritz von Graevenitz, ist auch Buchautor. Ebenso wie seine Schwester Ise Bosch, auch ein familientypisches Multitalent. Ise Bosch hat Geschichte studiert, war Jazz-Musikerin und ist mittlerweile neben Ihrer Arbeit als Autorin Gründerin und setzt sich für die Rechte queerer Menschen ein.
Dieser Text wurde erstmals am 11. September 2024 veröffentlicht.