Die Bundesliga darf ab 15. Mai wieder spielen Das fordert die Politik jetzt von den Clubs

In einer nahezu unbesetzten Mercedes-Benz-Arena wird demnächst wieder um Punkte gekämpft Foto: imago images/Steffen Kuttner
In einer nahezu unbesetzten Mercedes-Benz-Arena wird demnächst wieder um Punkte gekämpft Foto: imago images/Steffen Kuttner

Nachdem die Politik den Weg für die Fortsetzung der Saison vom 15. Mai an freigemacht hat, richtet sie Appelle an Profis und Clubs. Rückblick und Ausblick nach dem emotionalen Tag der Entscheidung.

Sport: Marco Seliger (sem)
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Stuttgart - Kaum hatte Angela Merkel oben Platz genommen auf dem Podium, da schaute sie nach unten ins keine Plenum und sprach vor dem offiziellen Teil der Pressekonferenz einen Fußballsatz. „Es gibt offensichtlich Stammplätze hier“, sagte die Bundeskanzlerin mit Blick auf die bei den Corona-Pressekonferenzen offenbar vertrauten Gesichter und Plätze der Medienvertreter.

Ob Merkel inspiriert wurde von den vorher getätigten Sportbeschlüssen in der Runde mit den Ministerpräsidenten, man weiß es nicht. Sicher aber ist seit Mittwochnachmittag dies: Bald geht es auch im deutschen Profifußball wieder um Stammplätze. Es geht um Tore, um Punkte, um alles also, was wichtig ist auf dem Platz. Was tags zuvor schon mehr oder weniger durchgesickert war, wurde nun nach der großen Politikerrunde verkündet: Die erste und zweite Liga darf den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Am Mittwochabend wurde nach einem Beschluss des Präsidiums der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auch bekannt, wie es genau weitergeht: Am 15. Mai rollt wieder der Ball.

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Angela Merkel machte vorher am Nachmittag bei der Verkündung nicht den Anschein, als sei ihr der Bundesliga-Beschluss sonderlich wichtig – sie bettete ihre eher unterkühlte Botschaft („Der Spielbetrieb wird unter den genehmigten Regeln erlaubt“) als Nebensatz ein, zwischen der Verkündung der Lockerungen zum Breitensport und den allgemeinen Öffnungsschritten der Länder.

Rummenigge ist erleichtert

Emotionaler gab sich wenig später erwartungsgemäß die DFL in Person des Geschäftsführers Christian Seifert. Er wandte sich an die Politik. „Mein Dank gilt an diesem Tag den politischen Entscheidungsträgern aus Bund und Ländern für ihr Vertrauen“, sagte Seifert. „Die heutige Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die Zweite Bundesliga. Sie ist verbunden mit einer großen Verantwortung, die medizinischen und organisatorischen Vorgaben diszipliniert umzusetzen.“

Auch Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, war erleichtert: Er sprach von einem „Glückstag für den Fußball“ und ergänzte: „Mit dem Beschluss ist gewährleistet, dass die sportlichen Entscheidungen auf dem Platz und nicht am grünen Tisch fallen.“

Rückenwind für die Liga hatte es vorher schon von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gegeben, der neben Angela Merkel auf dem Podium saß und betonte, dass der Kompromiss für eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison „mehr als vertretbar“ sei, auch wenn das Thema kontrovers diskutiert werde.

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Söder rief alle Beteiligten zur Vernunft auf: „Ich kann nur appellieren: Es sollten auch Spieler, die sich unvernünftig verhalten, mit Konsequenzen rechnen müssen. Es war von dem einen Spieler von Hertha BSC schon ein schweres Eigentor, es haben sich alle an die Hygienemaßnahmen zu halten.“ Herthas Profi Salomon Kalou hatte am Montag ein Kabinenvideo veröffentlicht, bei dem mehrere Hygieneregeln aus dem DFL-Konzept missachtet wurden.

Kalous Eklat aber verhinderte den Beschluss zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs am Ende nicht. Die Zustimmung fürs Konzept der DFL sei „einstimmig und einvernehmlich“ erfolgt, sagte der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Er verwies auch auf die „große Fangemeinde“ der Bundesliga, die auf den Neustart der Saison warte.

Spahn spricht Klartext

Allerdings: So einvernehmlich, wie es Tschentscher glaubhaft machen wollte, lief die Entscheidungsfindung dann offenbar doch nicht ab bei der Konferenz mit Merkel und den Länderchefs. So soll das Bundesland Bremen Medienberichten zufolge einen möglichen Ligastart am 15. Mai vehement blockiert haben – weil der SV Werder noch nicht richtig trainieren habe können und nicht fit genug sei.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) widmete sich da lieber den übergeordneten Dingen. „Wichtig ist, dem Profisport eine Perspektive zu geben“, sagte er. Aber auch Spahn sprach deutliche Worte in Richtung der Protagonisten: „Ich kann nur empfehlen, allen Mannschaften und jedem Spieler, auch nach den Erfahrungen der letzten Tage, das alles sehr, sehr ernst zu nehmen.“ Die Entscheidung zugunsten des Fußballs ist laut Spahn ein „Vertrauensvorschuss“.

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Die Proficlubs jedenfalls haben ihren so oft zitierten Kampf um ihre Existenz, bei dem es um etwa 770 Millionen Euro, die Zukunft zahlreicher Vereine und 56 000 Arbeitsplätze (bei regulärem Spielbetrieb) geht, vorerst gewonnen. Nun soll die Spielzeit bis Ende Juni zu Ende gebracht werden.

Offen ist dabei noch, inwieweit die Spiele in Liga eins und zwei möglicherweise im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein werden. Der Hintergrund: Sollte die Bundesliga weiter nur exklusiv bei den Bezahlsendern Sky und Dazn zu sehen sein, besteht die Sorge, dass es in den Wohnzimmern Deutschlands zu „Bundesliga-Sky-Partys“ kommen wird. Ob sich Sky möglicherweise mit den öffentlich-rechtlichen Sendern einigt oder ob der Bezahlsender unter Umständen seine Spiele selbst freischaltet – darüber soll in den nächsten Tagen entschieden werden.




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