Die Bundesliga-Kolumne Hennes und seine Brüder

Kölns bester Neuzugang: Hennes IX.Bisher der beste Kölner Neuzugang: Hennes Foto: dpa

Der Geißbock, das Kölner Maskottchen, wurde in den fünfziger Jahren erfunden – und kommt jetzt schon in seiner neunten Variante an den Spielfeldrand. Gegen Dortmund half das am Ende den vergleichsweise guten Kölnern aber auch nichts. Der Nachbar von der falschen Rheinseite hingegen, Bayer Leverkusen, hat sich am zweiten Spieltag nach vorne gespielt.

Stuttgart - Freialdenhoven ist eine nordrheinwestfälische Ortschaft in der Nähe von Düren und hat insofern mit dem 1. FC Köln zu tun, als dass vor Ort und im Jahr 1660 ein Findelkind auf den Namen Michael Aldenhoven getauft wurde. Vom Findling Michael wiederum stammt eine Akrobatenfamilie ab, die sich fortan Althoff nennt: eine Gauklertruppe, deren Seiltänzer von Napoleon zertifiziert werden – und sogar in Frankreich auftreten dürfen. Bis heute bleibt es bei Althoffs beim Motto „Menschen, Tiere, Sensationen“, wiewohl das mit dem Zirkus über die Jahrhunderte nicht leichter geworden ist. Es gibt zu viel zirzensische Konkurrenz, nicht zuletzt die Fußballbundesliga.

 

Carola Williams (1903–1987), geborene Althoff, sticht aus der Dynastie historisch insofern hervor, als sie einerseits mit drei Jahren schon die kleinste Voltigeuse der Welt gewesen ist und andererseits überhaupt ihr ganzes Leben lang eine enorm couragierte Frau bleiben sollte: Etliche jüdische Zirkusmenschen wurden von Althoff/Williams durch den Krieg geschleppt, mehrere Althoffs gehören zu den Gerechten unter den Völkern. Und dann hat Carola Williams im Jahr 1950, zwei Jahre nach der Fusion der Vereine Kölner BC und Spielvereinigung Sülz 07 unter dem Namen 1. FC Köln, dem frischgebackenen FC ein leibhaftiges Maskottchen zugeführt: nämlich einen Geißbock, den man nach dem damaligen Chefausbilder Hennes Weisweiler nannte: Hennes I. Ironie der Geschichte: Ebendieser Hennes wurde wenig später als Trainer der Vater der Fohlen in Mönchengladbach, was die Kölner aber nicht weiter erschütterte, und am Ende kehrte Weisweiler, bevor er in Barcelona unglücklich wurde, ja auch noch mal als Meister-Coach zurück. Mittlerweile ist die Henneserei bei Nummer IX. angekommen, ein, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, physiognomisch gesehen sehr stattlicher Geselle, wie beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund (1:3) zu besichtigen war.

Fetischcharakter Fußball

Trotz der Niederlage, die am Ende weit weniger verdient schien, als es das Ergebnis glauben machen will, ist es nicht zuletzt unter völkerkundlichen und kulturellen Gesichtspunkten allemal erfreulich, dass der 1. FC Köln wieder in der ersten Liga mittut, schließlich wird bei keinem anderen Verein dermaßen sichtbar, welchen Fetischcharakter der Fußball in dieser sehr speziellen rheinischen Zentrale hat: Sich mit einem Bock im Wappen zu präsentieren, der den Christen selbstverständlich des Teufels ist, auf der anderen Seite jedoch den Kölner Dom vor dem ersten Heimspiel mit Tausenden von Fans zu füllen, denen vom Domdechanten Robert Kleinewünscht gepredigt wurde, sie möchten bitte schön ihre Gegner nicht als Feinde betrachten (Zustimmung: gigantisch), dürfte deutschlandweit keinen Vergleich haben.

Füchsle lässt grüßen

Was das Maskottchen betrifft, kann sowieso nur Eintracht Frankfurt mit dem Adler Attila einigermaßen mithalten. Alle anderen Klubs haben ihren oberen Anhänger meistens mit sehr seltsamen Outfits angetan (Berni/FCB) oder zumindest recht ambivalent (Emma/BvB) ausgestattet. „Brian the Lion“, mithin Bayer Leverkusen, hat in Düsseldorf jedoch eindeutig hinterlegt, sehr weit oben dabei sein zu wollen, während der SC Freiburg gegen die zu anfangsstürmerischen Paderborner beweisen konnte, dass der Club sein Maskottchen vergleichsweise gut ausgesucht hat: Von Schwolow bis Petersen agierte Freiburg in der Fremde schlau, sehr cool und clever. Füchsle ließ grüßen.

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