Die CDU in Stuttgart Renaissance der Oettinger-Fraktion

Von  

Sebastian Turner gegen Andreas Renner – das ist mehr als ein harmloser parteiinterner Wettbewerb der CDU um den besten Kandidaten für die OB-Wahl.

Am 7. Oktober finden in Stuttgart die Oberbürgermeisterwahlen statt. Foto: factum/Weise 3 Bilder
Am 7. Oktober finden in Stuttgart die Oberbürgermeisterwahlen statt. Foto: factum/Weise

Stuttgart - Es mag purer Zufall gewesen sein. Am 9. Januar 2012 verkündete Wolfgang Schuster, seines Zeichens Mitglied der christdemokratischen Union, überraschend seine Demission als Oberbürgermeister. Just am selben Tag machte eine Nachricht aus der Landespolitik die Runde: Der Energiekommissar der EU und frühere Ministerpräsident Günther Oettinger wolle seinen Job in Brüssel nur noch drei Jahre machen, um dann weitere Aufgaben wohl in der freien Wirtschaft zu übernehmen. Das passte so recht zu jüngsten Spekulationen über ein politisches Comeback des in den vergangenen Monaten oft in Baden-Württemberg gesehenen Ex-Landesvaters. Es sei keine schlechte Idee, Oettinger bei der Landtagswahl 2016 als Spitzenkandidaten aufzubieten, verlautbarte der JU-Landeschef Nikolas Löbel. Oettinger selbst, Anfang 2010 nach vielerlei Querelen als Premier abgetreten, verwies solche Forderungen flugs ins Reich der Fabel: „Ich bin nicht mehr im Spiel“, ließ er wissen.

Renner und Oettinger eng verbunden

Zumindest für langjährige Getreue des christdemokratischen Granden gilt das nicht. Im Gegenteil. Rund ein Jahr nach der Pleite der CDU bei der Landtagswahl, als sie nach fast 60 Jahren Regentschaft die Macht in Baden-Württemberg verlor, und dem unrühmlichen Abgang des ungeliebten MP Stefan Mappus, erfährt die Oettinger-Fraktion eine gewisse Renaissance innerhalb der Partei. Dafür ist der frühere Sozialminister Andreas Renner der personifizierte Beleg, der mit Oettinger seit gemeinsamen JU-Zeiten eng verbunden ist. Die Stuttgarter Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann hatte sich als Erste öffentlich für den Ex-Schultes von Singen am Hohentwiel ausgesprochen – und sich damit offen gegen den Stuttgarter CDU-Kreischef Stefan Kaufmann und dessen Kandidaten Sebastian Turner gestellt. „Mit Renner können wir eine Volkswahl gewinnen“, so Eisenmann – die einst Bürochefin des Landtagsabgeordneten Oettinger war.

Köpfe zusammengesteckt

Man kennt sich, man schätzt sich. Zuletzt waren in Brüssel gemeinsame Pläne geschmiedet worden. Rund 500 Honoratioren hofierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) beim Jahresempfang in der Landesvertretung, darunter EnBW-Manager Renner samt seinem Vorstandschef Hans-Peter Villis. Unter den Gästen aber auch: EU-Kommissar Günther Oettinger und Christoph Dahl, Ehegatte von Susanne Eisenmann, heute Chef der Landesstiftung und einst Sprachrohr Oettingers in dessen Baden-Württemberg Zeit. Gegen später soll das Trio Oettinger, Renner, Dahl in trauter Runde die Köpfe zusammengesteckt haben, wie Gäste beobachtet haben. Kaum anzunehmen, dass die OB-Wahl dabei kein Thema war.

Sonderthemen