„Die Demokratie hört am Eingangstor auf“ Deshalb wird der Europa-Park als Arbeitgeber scharf kritisiert

Der Europa-Park beschäftig mehr als 5000 Menschen und wurde als Arbeitgeber bereits mehrfach ausgezeichnet. Doch nun werden Stimmen ehemaliger und aktueller Mitarbeiter laut, die die Arbeitsbedingungen im Freizeitpark kritisieren. Foto: Philipp von Ditfurth

Werden die Mitarbeiter des Ruster Freizeitparks schlecht behandelt? Diese Vermutung geht aus einem SWR-Beitrag und einem pikanten Schreiben des Landesverbands der Linken hervor. Besonders in der Kritik steht dabei das Fehlen eines Betriebsrats. Laut Familie Mack sind die Behauptungen jedoch absurd.

Mehrfach als Arbeitgeber ausgezeichnet, im vergangenen Jahr sogar zu einem der besten in ganz Deutschland ernannt: Das Bild, das der Europa-Park von sich als mitarbeiterfreundliches Unternehmen nach außen trägt, könnte nach einem Bericht des Schwarzwälder Boten besser wohl nicht sein. Die Realität sieht jedoch anders aus, wenn es nach dem baden-württembergischen Landesverband der Linken geht.

 

„Der Europa-Park preist sich selbst als attraktiver Arbeitgeber, aber die Schilderungen der Arbeitnehmer lesen sich anders“, betont Elwis Capece, gleichzeitiger Landessprecher der Linken und Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Mittelbaden-Nordschwarzwald. In einem Schreiben, das der Redaktion des Schwarzwälder Boten vorliegt, bezieht er sich auf einen SWR-Beitrag, in dem Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen im Freizeitpark anprangern. Von nicht vollständig ausgezahltem Weihnachtsgeld und der Angst vor Sanktionen ist die Rede (siehe Info).

Vorwurf: Europa-Park will keine Demokratie im Haus

Der größte Dorn im Auge der Linken ist jedoch, dass den Beschäftigten kein Betriebsrat zur Seite steht. „Das ist vollkommen unüblich für ein so großes Unternehmen wie den Europa-Park. Wir erwarten deshalb, dass sich die Führungsebene nicht weiter gegen die Gründung eines Betriebsrats sperrt“, so Capece weiter. Demnach wolle der Park „systematisch verhindern“, einen Betriebsrat ins Leben zu rufen. Auf Nachfrage unserer Redaktion, wie genau das seitens des Parks verhindert werde, erklärt Capece im Gespräch: „Es gab bereits mehrere Anläufe, die allesamt gescheitert sind. Da liegt die Vermutung nahe, dass Gegendruck auf die Beschäftigten ausgeübt wurde.“ Die gleiche Vermutung hat auch NGG-Gewerkschaftssekretär Sven Hildebrandt: „Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, in Erscheinung zu treten, weil sie sich sonst einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen.“ Dabei sei ein Betriebsrat mehr als notwendig, da man sonst unmöglich auf die Bedürfnisse der mehr als 5000 Beschäftigen eingehen könne. „Die Demokratie hört am Eingangstor des Europa-Parks auf“, so Hildebrandt.

In diesem Jahr kamen 400 neue Mitarbeiter dazu

Und wie steht das Ruster Familienunternehmen zu den schweren Vorwürfen? „Der Europa-Park sieht sich als einer der attraktivsten Arbeitgeber im Südwesten und weist politisch motivierte Vorwürfe nachdrücklich zurück“, betont Unternehmenssprecherin Valentina Jaksic auf Nachfrage unserer Redaktion. So bezahle der Europa-Park seine Mitarbeiter übertariflich und biete eine große Zahl an Vergünstigungen für seine Beschäftigten. Nur so sei es möglich, die große Zahl von mehr als 5250 Stellen zu besetzen. „Allein 2025 wurden 400 neue Mitarbeiter erfolgreich eingestellt“, erklärt Jaksic und fügt an: „Die Zahl langjähriger Mitarbeitender ist weit überdurchschnittlich, auch das ist ein Hinweis auf die sehr gute Betriebsatmosphäre.“

Auch der Vorwurf, dass Befürworter eines Betriebsrats um ihre Jobs bangen müssten, weist der Europa-Park entschieden zurück. „Jeder Mitarbeiter kann seine Meinung und auch Kritik äußern“, betont Inhaber Roland Mack.  Alle anderen Behauptungen seien absurd. „Wir sind noch keinem einzigen Mitarbeiter auch nur einen Cent seines wohlverdienten Gehaltes schuldig geblieben. Offenheit und gegenseitiger Respekt sind zentrale Werte in unserer täglichen Zusammenarbeit. Es ist unser Anspruch, dass sich alle sicher fühlen, Sorgen und Kritik frei äußern zu können“, so der Inhaber weiter. So nehme die Familie Mack die Interessen der Mitarbeiter ernst, da das Unternehmen nur mit zufriedenen und freundlichen Arbeitnehmern erfolgreich sein könne.

Zum Thema Betriebsrat hält sich der Park bedeckt

So deutlich, wie sich der Europa-Park gegen die Kritik bezüglich der Bezahlung und der Mitarbeiterzufriedenheit wehrt, so bedeckt hält sich das Unternehmen, wenn es um das Thema Betriebsrat geht. Denn auf die Frage, weshalb es im Park auch nach 50 Jahren keine Anlaufstelle für Beschäftigte gibt, erhält unsere Redaktion keine Antwort. Auch die Frage, ob eine Gründung möglicherweise in Aussicht stehe, bleibt unbeantwortet.

Capece und Hildebrandt sind sich dagegen sicher, dass Mitarbeiter des Europa-Parks auch weiterhin auf einen Betriebsrat verzichten müssen. Dabei würde dem Park laut den Gewerkschaftern nur ein Anruf genügen, um den Stein ins Rollen zu bringen.

Info – Der SWR-Beitrag

Der Südwestrundfunk (SWR) hat mit ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des Europa-Parks über die Arbeitsbedingungen im Ruster Freizeitpark gesprochen. Dabei berichteten die Befragten, die allesamt anonym bleiben wollten, dass etwa Weihnachtsgeld und Nachtzuschläge nicht vollständig oder verspätet ausbezahlt werden würden. Von den Beschäftigten werde das hingenommen, da man Sanktionen fürchte. „Wenn ich sowas anspreche, werde ich gekündigt oder rausgeekelt“, erklärte eine Mitarbeiterin. Frederik Mack, Personaldirektor des Europa-Parks, weist die Anschuldigungen indes entschieden zurück. „Ich bin der festen Überzeugung, dass nur jemand, der intrinsisch glücklich und motiviert ist, für den Gast ein gutes Erlebnis bietet. Deshalb sollte keiner Angst haben, auf uns zuzugehen, wenn er oder sie sich benachteiligt fühlt“, erklärte Mack gegenüber dem SWR. Den vollständigen Medienbericht gibt es im Internet unter www.swr.de zu sehen.

Weitere Themen