Die Designerin Marina Hoermanseder Die Handwerkerin

Der so genannte „Strap Skirt“ ist zu Markenzeichen der Designerin geworden. Foto: Stefan Armbruster

Gürtel-Röcke und Korsetts: Nicht nur Lady Gaga ist Fan ihrer Mode. Die Designerin Marina Hoermanseder weiß, wie man eine Marke aufbaut und wann Kunst auch den Kommerz braucht. Jetzt kommt sie im TV und ist wieder bei der Berliner Fashion Week dabei.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Berlin - „Mode darf und kann alles“, sagt Marina Hoermanseder selbstbewusst. Die gebürtige Wienerin sitzt in ihrem Atelier in Berlin-Kreuzberg. Sie trägt ein Sweatshirt, kaum Schminke, die Haare sind zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie ist im Alltag keineswegs so glamourös, wie ihre Mode den Anschein hat.

 

Ein Mitarbeiter steht neben einer Puppe und legt roséfarbene Lederstreifen an. Wenn das Teil nach zwei Tagen Arbeit fertig ist, wird es einer der bekannten Hoermanseder-„Strap Skirts“ sein. Ein bereits ikonisches Teil und auch das liebste der Designerin: „Darin fühlt man sich anders.“ Der Rock aus Gürteln sitzt hauteng, ist steif und nicht unbedingt für einen Sommertag am See gemacht. Diesen Rock wird es in Variationen in jeder Kollektion geben, er ist das Herzstück ihrer Mode. Und ihr Markenzeichen.

Am 29. Juli startet auf Pro Sieben die Sendung „Style Your Star“

Vor vier Jahren ist sie hier ins Atelier eingezogen: mit vier klapprigen Sesseln, einem Tisch und einer Haushaltsnähmaschine. Dann wurde expandiert. Auf demselben Stockwerk ist heute noch ihr Büro. Inzwischen arbeiten 18 Menschen hier. Es ist Dienstag und alle schauen mit ihr die Sendung „Design Dream“ über Interior Design, die im österreichischen Fernsehen lief und die sie moderierte. Das Fernsehgeschäft „taugt mir ungemein“. Am 29. Juli startet auf Pro Sieben ihre Mode-Sendung „Style your Star“.

Hoermanseders Werdegang ist eine Karriere im Sauseschritt. Eine Geschichte ohne Businessplan. Hoermanseder war gerade mit dem Studium fertig, da hat Lady Gaga Teile ihrer Kollektion bestellt. Inzwischen haben Stars wie Rihanna, Nicki Minaj, Janet Jackson, FKA Twigs, Blümchen und Helene Fischer ihre Kreationen getragen. Das ist gut fürs Image, Geld verdient sie mit anderen, günstigeren, tragbareren Teilen. Sie wollte immer Mode machen, die sie sich selbst kaufen und leisten würde, sagt sie.

Der „Strap Skirt“ kostet um die 1600 Euro

Sie war auf der Berliner Modeschule Esmod. Doch zuvor hat sie etwas „Gescheites“ gemacht. Ihrem Vater zuliebe. Er hat sie gezwungen, zumindest bis zum Bachelorabschluss an eine Wirtschaftsuniversität zu gehen. Dann würde er sie weiter in allem unterstützen. Im Nachhinein ist sie froh, auf ihren Vater gehört zu haben. „Heute profitiere ich davon. Es ist in jeder Branche – auch in der Mode – von Vorteil, wenn man Gewinn von Umsatz unterscheiden kann. Auch wenn man dazu nicht unbedingt ein Studium benötigt. Am Ende des Tages habe ich eine Verantwortung für Mitarbeiter, muss schauen, dass das alles funktioniert.“

Und es funktioniert bestens, weil Hoermanseder mehrgleisig fährt. Ihr Markenzeichen, der Strap Skirt, kostet um die 1600 Euro. „Den kann sich nicht jeder leisten“, so Hoermanseder. Für die Fans aber gibt es die „easy“ Sachen, wie sie Marina nennt. Sweatshirts, T-Shirts, auf denen ein kleines m und h gedruckt ist, Schals und Schlüsselanhänger. Alles tragbar. Alles bezahlbar.

Ihre Modekreationen sind zwar weiblich, aber immer auch extravagant und mutig. Sie werden wie ein Panzer getragen. Die Idee mit der Gürtelschnalle, die viele ihrer Teile ziert, stammt aus der Orthopädie. „Das war das einfachste und einzig logische Verschlusselement, um die Korsetts zu schließen. Und so kam ich auf den Strap Skirt“, erzählt Hoermanseder. Es scheint bei ihr immer so zu sein: Auf eins folgt das andere, ganz spontan und ohne großen Plan.

Inspiration? Findet sie überall

Für ihre Diplomkollektion hat sie bei einem Berliner Sattler und einem Orthopädietechniker gelernt, wie man Leder verarbeitet, welches Werkzeug es braucht, um ein Korsett herzustellen. So entstand ihre Diplomkollektion in einem Motorradleder-Hobbyshop, wo sie die Maschinen verwenden konnte. Bis heute ist sie bei dieser Art der Technik geblieben, hat die Herangehensweise weiter perfektioniert und lässt große Formen im Orthopädietechnikzentrum fräsen.

Sie arbeitet viel mit Leder, das ausschließlich aus der Fleischproduktion stammt. „Das ist vegetabil gegerbtes Leder und auch von Hand geformtes orthopädisches Leder, das bretthart wird, wenn es austrocknet“, sagt Marina. In ihrem Atelier kann man schon erahnen, wie das funktioniert. Aus orthopädischem Hartschaum entstehen die Vorlagen, mit der Raspel werden die Modelle geformt. Darauf wird das Walkleder aufmodelliert, massiert, dann getrocknet. „So wird es zu der harten Ledervase, dann geschliffen, lackiert“, so Marina Hoermanseder. Insgesamt sind das bis zu 25 Schleif- und Lackiergänge. Dann geht es an die Veredelung mit Perlen, Nieten, Blumen, Lederstriemen.

Inspiration? Findet sie überall: „Ich bin keine, die sich in die Natur setzt und der dann was zugeflogen kommt. Ich mag es haptisch. Seien es Kinderbücher oder persönliche Ereignisse“, so Hoermanseder. „Ich designe nur das, was ich mag. Also alles, was ich auch tragen würde. Und Themen, die ich privat abfeiere“, so Hoermanseder. Man merkt an ihrer Sprache, welcher Generation sie angehört. Sie ist Jahrgang 1986, spricht von ihrer „Fanbase“, die sie sich inzwischen auch durch ihre TV-Auftritte und via Instagram aufgebaut hat. Und die kauft online, in Läden sind die Sachen nicht zu kaufen.

„Meine Mode ist aber auch salonfähig, sie gehört nicht nur auf die Bühne oder in Modezeitschriften.“ Hoermanseder setzt auch auf Kooperationen wie etwa mit der Spielzeugmarke Hello Kitty, ihre Schnalle wird gar auf Taschentücherpackungen gedruckt. „Das ist natürlich lukrativer“, so Hoermanseder. Für sie ist Kommerz nicht der Feind. „Für einen kleinen Geldbetrag gibt es ein Stück Marina im Drogeriemarkt.“ Sie möchte überall hin, nicht nur auf die Fashion Week und in die Hochglanzmagazine. „Das bezahlt nicht meine Rechnungen, das Lizenzgeschäft aber schon. Für mich als Unternehmerin ist es gut zu wissen, dass ich eine Marke aufgebaut habe. Ich bin eben nicht nur ein tapferes Schneiderlein.“

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