Die Ehrenamtlichen des TV Bittenfeld Erstklassige Helfer

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Ohne die Ehrenamtlichen wären die Bittenfelder Erstliga-Handballer bei ihren Heimspielen in der Stuttgarter Scharrena aufgeschmissen. Ein Nachmittag und ein Abend mit den erstklassigen Helfern.

Ein Wischerkind das TVB während des ersten Heimspiels  in Aktion Foto: Pressefoto Baumann
Ein Wischerkind das TVB während des ersten Heimspiels in Aktion Foto: Pressefoto Baumann

Waiblingen/Stuttgart - Scharrena Stuttgart, 16.45 Uhr: das erste Heimspiel der Handballer aus Waiblingen-Bittenfeld beginnt erst in drei Stunden. Doch in der Arena ist schon ordentlich etwas los. Jürgen Läpple stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Man könnte ihn als einen der Oberehrenamtlichen des Clubs bezeichnen. Der 48-jährige Bautechniker, der früher selbst in Bittenfeld Handball gespielt hat, dirigiert die anderen Freiwilligen des Vereins, der sich neuerdings TVB 1898 Stuttgart nennt.

Läpple ist schon seit dem frühen Nachmittag da, zusammen mit seinen Vereinskumpels aus dem 4300-Seelendorf muss er die Halle handballtauglich umbauen. Die Männer schleppen die Banden auf das Spielfeld, befestigen riesige Werbeplakate an den Wänden.

Klaus Schebek begleitet die Mannschaft seit 20 Jahren

Nebenan im Foyer haben Anja Fischer und Nicole Sdunek das Regiment übernommen, sie richten den VIP-Bereich ein. Anja Fischer sagt: „Mein Vater war Handballer.“ Nicole Sdunek erzählt, dass sie vor vielen Jahren als Zuschauerin bei einem Heimspiel des TV Bittenfeld vom damaligen Vorstand gefragt worden sei, ob sie wohl im Fanshop aushelfen könne. Sie konnte – und hat später den langjährigen Torwart Daniel Sdunek geheiratet. Am Nachmittag dieses größten Tags in der Clubgeschichte – dem ersten Heimspiel in der Handballbundesliga – dekorieren die beiden Frauen die Tische, füllen Kühlschränke mit Sektflaschen, stapeln Teller.

17 Uhr: der Zeugwart Klaus Schebek schleppt übergroße Taschen in die Kabine. Auch er hat früher selbst Handball gespielt, so wie fast alle Helfer. Lange her. Jetzt ist der Mann dafür verantwortlich, dass die T-Shirts der Spieler bereit liegen, dass die Sportler immer etwas zu trinken haben. Schebek begleitet die Mannschaft seit 20 Jahren, damals begann der stetige Aufstieg des Teams aus einer der unteren Ligen bis an die Spitze. In dieser Saison also mischen die Bittenfelder mit im Konzert der Großen – und alle sind mächtig stolz auf ihre „Wild Boys“.

„Jürgen Walz – der beste Bodenwerbungsverleger der Liga“

Auch Jürgen Walz, der Mann, der seinem Namen alle Ehre macht. Zeugwart Schebek sagt, der Jürgen sei „der beste Bodenwerbungsverleger der Liga“. Der Angesprochene lächelt über diesen Spruch nur milde – und arbeitet weiter, bedächtig und akkurat. Ein Laie würde sagen, Walz klebe die riesigen Transparente der Sponsoren auf das Spielfeld. Er sagt über sich und seinen Helfer: „Wir kaschieren“. Die Folien werden jedenfalls vorsichtig auf den Boden gelegt und dann mit viel Fingerspitzengefühl festgewalzt.

Schebek und der hauptamtliche Geschäftsführer der Handballer, Jürgen Schweikardt, schleppen eine Handvoll Stühle auf die Tribüne. Sieben Sitzreihen sind in der Ersten Liga vorgeschrieben, in der Scharrena, mit den rund 2500 Zuschauerplätzen, gibt es auf einer Seite aber nur sechs. Muss man halt improvisieren.

Die DLRG aus Bittenfeld übernimmt den Sanitätsdienst

18 Uhr: das Foyer ist picobello hergerichtet. Alles klar? „Immer“, antwortet Anja Fischer. „Und wenn nicht, dann wird’s passend gemacht“, sagt Nicole Sdunek. Gegen 18.30 Uhr walzt Herr Walz immer noch. Die ersten Bittenfelder Spieler trudeln ein, werden gegrüßt. Dann kommen noch ein paar Bittenfelder Freiwillige: die Damen und Herren von der DLRG. Sie übernehmen während der Heimspiele ihrer Handballer den Sanitätsdienst.

Jürgen Walz verlässt das Feld. Das Spiel könnte beginnen. Das Foyer hat sich in der Zwischenzeit gut gefüllt, die Herrschaften schnabulieren, stoßen an, plaudern. Die Helferinnen verteilen VIP-Bändel für das Handgelenk, haben alles im Griff. An den erstklassigen Helfern sollte der ersehnte Heimerfolg nicht scheitern.

„Ein Traum ist wahr geworden“

Kurz vor Spielbeginn ein kurzer Disput der Ehrenamtlichen: Wer darf in den Kabinenbereich? Wer nicht? Der Zwist ist schnell beigelegt. Der Zeugwart legt auf der Bank am Spielfeldrand Handtücher bereit. Der Hallensprecher ruft über das Mikrofon: „Ein Traum ist wahr geworden.“ Das erste Erstligaheimspiel beginnt. Während der beiden Halbzeiten haben die meisten Helfer wenig zu tun, sie feuern das Team an. Die drei jüngsten Bittenfelder Ehrenamtlichen hingegen müssen jetzt ran: Maximilian (zwölf Jahre), Lucas (14) und Max (zwölf) sind die Wischerkinder. Sie werden immer wieder vom Schiedsrichter gerufen und müssen dann in Windeseile Schweiß, der auf das Spielfeld getropft ist, wegwischen. Alle drei spielen Handball und wollen später auch in der Bundesliga antreten, für den TVB. Für wen denn sonst?

Das Spiel läuft für den TVB Stuttgart zunächst ganz gut, in allerletzter Minute verlieren die Bittenfelder aber mit 27 zu 28. „Die haben zu viele Chancen vergeben“, konstatiert ein Helfer. „Es ist wirklich schade“, bedauert Läpple. Dann müssen er und die anderen alles wieder abbauen. Gegen Mitternacht verlässt der Oberhelfer die Halle und erklärt: „Das nächste Heimspiel gegen den Hamburger SV gewinnen wir.“




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