Stuttgart - Die Energie Baden-Württemberg (EnBW), in Stuttgart Marktführer beim Ladesäulenangebot im öffentlichen Raum, will vom 2. November an gegen den Missbrauch ihrer Plätze angehen. Dann wird ab der fünften Stunde Anschlusszeit eine „Blockiergebühr“ fällig. Damit solle „Schluss sein mit zugeparkten Ladepunkten“.
Die Blockiergebühr von zehn Cent pro Minute (mit aktueller Mehrwertsteuer 9,75 Cent) wird Teil des Tarifs und bundesweit an allen Stationen erhoben, an denen die EnBW-App oder Ladekarte den Stromfluss freischaltet. Für Carsharingdienste habe man gemeinsam mit diesen zur Gebühr spezielle Lösungen umgesetzt, sagt EnBW-Konzernsprecher Heiko Willrett auf Anfrage.
Ausreißer in der Theo
An den eigenen Stationen würden E-Autos und Plug-in Hybride im Schnitt 260 Minuten verweilen, so Willrett. Die reine Standzeit nach beendeter Ladung betrage im Schnitt 90 Minuten. Es gebe aber auch Ausreißer, die einen Ladepunkt „noch mehrere Stunden nach Ladeende blockieren“. Weil die Zahl der E-Autos wächst, würden eigentlich freie Ladepunkte immer häufiger nicht nutzbar.
Als Negativbeispiel nennt Willrett die stark frequentierten Säulen an der Theodor-Heuss-Straße. Im September habe es dort mehr als einmal am Tag Ladevorgänge mit einer Anschlusszeit von über vier Stunden gegeben. Im Schnitt seien aber pro Auto nicht mehr als neun Kilowattstunden geladen worden. Manche E-Fahrzeuge laden zwar langsam, aber doch nicht in diesem Schneckentempo. Die EnBW hat festgestellt, dass nur fünf Prozent aller Ladevorgänge nach drei Stunden noch nicht abgeschlossen, die Batterie also dann noch nicht gefüllt ist.
Gebühr kennt Grenze
Technisch sei es nicht möglich, die Blockiergebühr erst nach Ende eines Ladevorgangs anzusetzen. Sie wird aber begrenzt. Der „Kostenairbag“ entfalte sich nach zwei Stunden, wer überzieht, bezahlt also maximal 11,70, von 2021 an zwölf Euro. In Parkhäusern in Stuttgart kommen diese zwei Stunden bei in der Regel 2,90 bis 3,30 Euro pro angefangener Stunde günstiger. Außerdem parken Autofahrer mit dem E am Nummernschild in der Landeshauptstadt auf öffentlichen Flächen kostenlos. Diese Regelung hat der Gemeinderat zur Förderung der E-Mobilität jüngst verlängert.
Die EnBW ist nicht der erste Anbieter, der mit einer Standgebühr seine Säulen schneller wieder frei bekommen will. Die EZE Network GmbH, die in Stuttgart 41 Säulen aus dem Bestand übernimmt und 128 neue aufbaut, hat einen Tarif mit Standgebühr angekündigt. Die Stadtwerke Stuttgart (211 Standorte) teilen auf Anfrage mit, die Preisgestaltung sei noch nicht entschieden.