Die Erderwärmung und ihre Folgen in Deutschland Selbst im besten Fall sind Klimarisiken unvermeidbar

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Forscher kleben ein Preisschild an den bisherigen Klimawandel in Deutschland und beziffern den volkswirtschaftlichen Schaden auf 90 Milliarden Euro

Das ist nicht die Sahelzone, sondern das Rheinufer bei Düsseldorf. Entstanden ist das Foto Ende Juni 2005,  als  Hitze und Dürre das Land im Griff hatte und den Boden aufbrechen ließ. Foto: dpa
Das ist nicht die Sahelzone, sondern das Rheinufer bei Düsseldorf. Entstanden ist das Foto Ende Juni 2005, als Hitze und Dürre das Land im Griff hatte und den Boden aufbrechen ließ. Foto: dpa

Berlin - Zwar gehört Deutschland nicht zu den Weltgegenden, in denen der Klimawandel besonders drastische Konsequenzen haben wird. Trotzdem sind die Folgen der Erderwärmung nicht erst morgen oder übermorgen ein Thema. Der Klimawandel ist auch zwischen Alpen und Nordsee bereits im Gang, und er hat zwischen 1970 und 2014 schon jede Menge Geld gekostet. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls 126 Wissenschaftler, die einen Sammelband über den Klimawandel in Deutschland und seine Folgen in Berlin vorgestellt haben. Sie taxieren die volkswirtschaftlichen Schäden in dieser Periode rückblickend auf 90 Milliarden Euro. Darüber hinaus warten sie mit weiteren unangenehmen Befunden auf: Die Deutschen müssen sich auf mehr Unwetter, Hitze, Dürreperioden und Hochwasser einstellen.

Zahl der Hitzewellen hat sich schon verdreifacht – und es kommt noch schlimmer

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im späten 19. Jahrhundert hat sich den Befunden der Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen zufolge die Zahl der sommerlichen Hitzewellen in Westeuropa etwa verdreifacht. „Durch die steigende Anzahl von warmen Tagen und Hitzewellen sowie die Zunahme der bodennahen Ozon- und Feinstaubkonzentrationen werden in Zukunft vor allem chronisch Kranke, alte Menschen und Allergiker belastet“, erklären die Forscher. Die Wissenschaftler belegen, dass von 1881 bis 2014 die Temperaturen - über Deutschland gemittelt - deutlich angestiegen sind, und zwar im Jahresdurchschnitt um 1,3 Grad. Damit hat sich Deutschland stärker erwärmt als die Erde im Durchschnitt. Die wärmsten Jahre hierzulande zwischen 1881 und 2014 waren 2000, 2007 und 2014.

Künftig ist damit zu rechnen, dass frostige Winter mit viel Schnee immer seltener werden, vor allem im Flachland. Zunehmen dürften im Winter hingegen extremer Starkregen und auch Hagelschlag. Über der Nordsee und Nordwestdeutschland dürften ab Mitte des 21. Jahrhunderts noch mehr Stürme toben.

Selbst unter besten Umständen ist der Klimawandel nicht mehr vermeidbar

Vorhersagen bis zum Ende des Jahrhunderts zeigen einen noch stärkeren Erwärmungstrend: Halten die gegenwärtigen, hohen Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid an, könnte es im Jahresdurchschnitt zwischen 3,2 und 4,6 Grad wärmer werden. Und selbst wenn es der internationalen Staatengemeinschaft gelingen würde, das im Dezember 2015 geschlossene Pariser Klimaabkommen bis auf das letzte Komma umzusetzen und die Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad zu beschränken, würde auch diese extrem günstige klimatische Entwicklung „in Deutschland zu Veränderungen in allen Naturräumen, Wirtschaftssektoren und sämtlichen Lebensbereichen führen“. Vermeidbar ist der Klimawandel also auch in Deutschland nicht mehr.

Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nennt die Klimarisiken in Deutschland zwar weniger dramatisch als etwa in den USA oder Spanien. Trotzdem gelte es, sich dringend vorzubereiten, etwa beim Hochwasserschutz oder in der Landwirtschaft, wo die Auswahl der Pflanzen und die Art der Bodenbearbeitung sich ändern müssten. „Zweitens müssen wir, wie alle Länder, unseren Ausstoß von Treibhausgasen rasch reduzieren, um den Anstieg der Temperaturen zu begrenzen, hierzulande und weltweit“, setzte Lotze-Campen hinzu. Auch Daniela Jacob, Herausgeberin des Bandes und Direktorin des zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörenden Climate Service Center Germany (Gerics) ist überzeugt, dass es vor allem auf Schnelligkeit ankommt. „Die Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel muss in alle Planungsvorhaben, insbesondere langfristige Infrastrukturvorhaben, einfließen“, fordert sie.