Die Flipperfreunde vom Neckar Feuerwerk der Silberkugeln

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In den Siebzigern waren Flipper der letzte Schrei. Heute stehen nur noch Nostalgiker wie die Flipperfreunde vom Neckar an den Automaten.

Am Drücker: Thomas Binder in dem kleinen Kellerraum, wo er und seine Spielkameraden 13 illustre Geräte aufgestellt haben. Foto: Horst Rudel
Am Drücker: Thomas Binder in dem kleinen Kellerraum, wo er und seine Spielkameraden 13 illustre Geräte aufgestellt haben. Foto: Horst Rudel

Wendlingen - Die Zugfeder am Spider-Man-Flipper schnalzt, die polierte Stahlkugel saust hoch – „tschak-tschak-tschak“ – wird von einem Schlagturm zum nächsten katapultiert, das gibt Punkte. Dann rollt sie abwärts. Ein Druck auf den roten Knopf an der Seite, schon schnippt der Flipperfinger die Kugel wieder nach oben gegen die Zielscheiben. Bei diesem Gerät gilt es, Spidermans Feinde abzuschießen, den Grünen Kobold und andere Schurken in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Thomas Binder, der in der Liga Neckar unter dem Pseudonym Wizzard antritt, kennt das Gerät aus dem Effeff. Immer dienstags treffen sich bis zu 14 Spieler aus dem Großraum Esslingen in einem extra dafür angemieteten Keller in Wendlingen, um zu flippern. Thomas Kunstfeld, Frank Göltl und Dirk Meckes waren in dieser Saison, die vor Kurzem zu Ende gegangen ist, ganz vorn. Sie kämpfen am 21. April in der Nähe von Frankfurt um den Titel des Deutschen Flippermeisters – nicht als einzige aus der Region. Auch die Spitzentrios der Ludwigsburger und der Stuttgarter Liga träumen vom Titel. 33 Ligen gibt es in Deutschland. Jeweils die besten drei Spieler fahren zum Finale.

Flippern auf diesem Niveau fordert Höchstleistungen der Synapsen. Mit Glück hat das Ganze wenig zu tun. Davon jedenfalls sind Thomas Binder und seine Spielkameraden fest überzeugt. „Flippern ist ein Geschicklichkeitsspiel“, sagt Binder. Es gehe um „kognitive Intelligenz“, meint auch Thomas „Tee“ Kunstfeld.

Ein Flipper-Boom Ende der siebziger Jahre

Flippern haftete lange Zeit ein zweifelhaftes Image an. So war „Pinball“ über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen US-Bundesstaaten als illegales Glücksspiel gebrandmarkt. Dann kam Roger Sharpe. Der Flipper-Ikone gelang es schließlich 1976, das New York City Council vom Wert des Spiels zu überzeugen. Damit war der Bann gebrochen. Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland erlebte das Flippern einen Boom. Um die 40 000 Automaten wurden hierzulande Ende der Siebziger jährlich verkauft.

Allgegenwärtig waren die Teile. Kaum eine Kneipe, die ohne Flipper ausgekommen wäre, sie standen in Eingängen von Kaufhäusern, sogar in Waschsalons. Heute sind Flipper so out wie die gleichnamige Fernsehserie mit dem gelehrigen Delfin. Aus dem öffentlichen Leben sind sie verschwunden. „Die Wartung ist doch relativ teuer gewesen“, sagt Kunstfeld. Der 38-Jährige kennt sich aus mit der Technik. Er lupft den Deckel eines Automaten und gewährt einen Blick ins Innenleben. Außer einem gigantischen Kabelwirrwarr gibt es hier für einen Laien recht wenig zu entdecken.

Im Gegensatz zu den Glücksspielautomaten ließen die Flipperapparate die Kassen der Wirte kaum klingeln. Wenn etwas Geld abwarf, dann war es der Getränkekonsum der Spieler. Das langsame, aber unaufhaltsam scheinende Flipper-Sterben sei aber letztlich auch eine Generationenfrage, sagt Binder. Der 46-Jährige ist wie die meisten im Club zu einer Zeit groß geworden, als der Flipperautomat noch ein technisches Wunderwerk war. „Die Generation Playstation ist da natürlich anderes gewöhnt.“ Heute muss der Wendlinger Underground als Refugium für ihn und seine Kollegen herhalten. Auf 40 Quadratmetern hat das Team 13 bildschöne Flipper stehen – gegen das Vergessen.




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