Die Folgen des Coronavirus in Stuttgart „Wir brauchen einen Pachtverzicht“

Von Michael Weier 

Was passiert, wenn der Herbst mit schlechtem Wetter kommt und das Coronavirus immer noch präsent ist? Im Interview verrät Markus Hofherr, Chef der Dehoga Stuttgart, dass er mit vielen Betriebsschließungen rechnet, sofern nicht schnell etwas passiert.

Markus Hofherr mit  Ehefrau Marianne beim Dehoga-Empfang. Foto: Lg//Kovalenko
Markus Hofherr mit Ehefrau Marianne beim Dehoga-Empfang. Foto: Lg//Kovalenko

Stuttgart - Die Lage für viele Gastronomen und Hotelbesitzer ist katastrophal, aber nach dem Lockdown zeigen sich die meisten im Sommer kämpferisch und erfinderisch. Das könnte sich aber in einem verregneten Herbst ändern, glaubt Markus Hofherr, der Vorsitzende der Dehoga Stuttgart. Er fordert weitere Hilfen und dauerhafte Mietsenkungen.

Herr Hofherr, ich erreiche sie mitten im Urlaub. Wohl nicht auf Mallorca?

Nein, wir sind am nördlichsten Punkt Deutschlands, in List auf Sylt.

Und wie ist dort die Lage?

Man merkt, dass die Apartment-Vermieter die großen Gewinner sind in diesem Jahr, viele Urlauber sind froh, wenn sie ihren eigenen Bereich haben. Hotels tun sich selbst hier auf Sylt schwer.

Sie sind ein Mann der Praxis, leiten mit Simeon Schad das Böblinger V 8-Hotel. Ihre Bilanz nach fünf Monaten Corona?

Das ist schwierig zu sagen, es gibt kein einheitliches Bild. Bei der Urlaubshotellerie in Baden-Württemberg läuft es schon wieder ganz gut, zu uns kommen auch viele Touristen, im Vergleich mit vielen Kollegen. Aber auch bei uns ist die Lage dramatisch! Und wenn ich an die Hotels in der Stadt denke . . .

. . . graut es sie?

Bei uns waren es im April minus 95 Prozent, im Mai minus 90 Prozent, aber im Juli nur noch minus 50 Prozent. In der Stadt ist alles weggebrochen. Es gibt keine internationalen Messen, eigentlich leben die Hotels von 30 Prozent ausländischen Gästen, die bleiben komplett weg, es gibt keine Tagungen . . .

. . . und keine Geschäftsreisenden?

Genau. Und keiner weiß, wann sich das ändert. Die Lufthansa rechnet zum Beispiel erst 2024 mit einer Normalisierung. Manche Geschäftsreise wird angesichts der Digitalisierung sicher ganz wegfallen, aber ich glaube, die meisten kommen wieder zurück, die Firmen werden wieder Schulungen anbieten. Aber wann?

Was muss also bald passieren?

Das gilt für Hotels und Gastronomie: In Stuttgart muss man eine sehr hohe Pacht bezahlen. Durch die Stundungen wurde ja nur Zeit gewonnen, dadurch baut sich doch eine Welle auf. Von den wenigsten habe ich gehört, dass es einen Pachterlass gab, aber eine Stundung allein wird nicht reichen.

Glauben sie, dass so etwas kommt?

Viele Wirte haben nun die Außenflächen erweitert, da war die Stadt kulant. Das ist sehr gut, das hilft, um etwas Liquidität zu haben. Aber ich habe Angst, was passiert wenn das Wetter schlecht wird. Wenn nur 40 Prozent der Plätze belegt werden dürfen und die Kosten gleich bleiben, dann funktioniert das nicht.

Und das heißt?

Bei Lichte betrachtet heißt das, wenn Vermieter nicht auf Teile der Miete verzichten, dann glaube ich, dass viele Gastronomen nicht überleben werden. Und die Objekte werden auch nie wieder für diese Summe vermietet werden. Die Hygieneregeln werden uns vermutlich noch eine Weile begleiten.

Was macht sie hoffnungsfroh?

Im Moment erleben wir da noch nicht die Solidarität, die nötig wäre. Aber von Stadt und Land gibt es positive Signale, aber wir brauchen noch mehr Hilfen wenn wir wollen, dass die Restaurants in unserer Stadt bestehen bleiben.




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