Grüne vor Landtagswahl Die Frau vor Cem Özdemir

, aktualisiert am 08.05.2025 - 12:55 Uhr
Cem Özdemir verabschiedet sich dieser Tage aus der Bundespolitik, um im Landtagswahlkampf als Spitzenkandidat anzutreten. Auf Platz 1 der Landesliste wird wohl Thekla Walker kandidieren. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Dass Cem Özdemir die Grünen als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf führen wird, ist lange klar. Nun steht fest, wer den ersten Platz auf der Landesliste bekommen soll, den die Grünen traditionell mit einer Frau besetzen.

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

Klar ist: die Grünen stehen vor einem Dilemma. Seit Oktober steht fest, dass Ende Mai, wenn die Landesliste für die Landtagswahl 2026 aufgestellt wird, Cem Özdemir zum Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt gekürt werden soll. Doch den ersten Platz auf der Landesliste, das ist auch schon lange klar, wird Özdemir nicht bekommen. Der geht bei den Grünen an eine Frau. Nun steht auch fest, an wen: Nach Informationen aus Grünenkreisen ist Umweltministerin Thekla Walker dafür vorgesehen.

 

Grüne haben geben Frauen den Vorrang

Hintergrund ist das sogenannte Frauenstatut der Grünen. Es sieht vor, dass alle Gremien und Wahlvorschläge mindestens zur Hälfte mit Frauen besetzt werden. Auf Wahllisten sind die ungeraden Plätze weiblichen Kandidaten vorbehalten. Cem Özdemir kann also nur Listenplatz Zwei bekommen. Bei der Landeswahlversammlung in Heidenheim haben die Grünen deshalb als Tagesordnungspunkt auch die Nominierung des Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorgesehen. Die letzten Umfragen fürs Land, die allerdings von Anfang Februar – also vor der Bundeswahl – stammen, sahen die Grünen um die 20 Prozent auf Platz zwei. Die CDU lag mit großen Abstand bei 30 Prozent.


Thekla Walker könnte der Spitzenplatz trotzdem nützen. Die 56-Jährige, die sich unverdrossen für die Klimaziele des Landes einsetzt, sei eine der wichtigsten Ministerinnen der Grünen, lobt sie ein Parteikollege. Die Nummer Eins dürfte außerdem Chancen für einen Kabinettsposten haben, wenn die Grünen – auch unter einem möglichen CDU-Ministerpräsidenten Manuel Hagel – nach 2026 noch einmal mitregieren sollten.

Innerhalb der Partei der Grünen sorgt die Landeswahlversammlung für einige Unruhe. Denn 57 Grünen-Abgeordnete wie zuletzt wird der Landtag 2026 – wenn sich die Umfragen nicht komplett drehen – nicht mehr haben. 2021 kamen die Grünen auf knapp 33 Prozent und holten den Großteil der Direktmandate. Dass das wieder gelingen wird, gilt als unwahrscheinlich. Die ersten 30 bis 40 Listenplätze, schätzt man, gelten als sicher. Flügelkämpfe zwischen Realos und dem Linken Lager sind nicht ausgeschlossen.

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