Die frühere First Lady Wenig Mitleid mit Bettina Wulff

Christian und Bettina Wulff sind nur noch selten gemeinsam in der Öffentlichkeit zu sehen wie hier im Juli auf der Galopprennbahn in Hannover. Foto: dapd
Christian und Bettina Wulff sind nur noch selten gemeinsam in der Öffentlichkeit zu sehen wie hier im Juli auf der Galopprennbahn in Hannover. Foto: dapd

Die frühere Präsidentengattin Bettina Wulff zieht sich nach den heftigen Reaktionen auf ihre Offenbarungen in dem neuen Buch vorerst aus der Öffentlichkeit zurück.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
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Stuttgart - Der Sturm neigt sich dem Ende zu. Gut eine Woche lang haben die Printmedien die Frau zum Titelthema erhoben, haben diverse Hochglanzmagazine „Exklusiv“-Interviews mit ihr geführt, haben Heerscharen seriöser Journalisten wortgewaltig analysiert, psychologisiert und kritisiert. Nur das Fernsehen durfte nicht so recht davon profitieren und musste Bettina Wulff notgedrungen in ihrer Abwesenheit zum Thema diverser Talkrunden machen. Weil die Frau des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff alle geplanten TV-Auftritte storniert hat und weil im Grunde alles gesagt ist, kann wieder Ruhe einkehren. Vielleicht hält diese wenigstens so lange an, bis die Justiz den Vorwurf der Vorteilsnahme gegen den CDU-Politiker öffentlich aufarbeitet.

Dem Amt des Bundespräsidenten täte eine Versachlichung gut, denn es hat erneut Schaden genommen. Wie man sich irren kann: Von viel Wohlwollen begleitet war die Patchworkfamilie Wulff Mitte 2010 ins Schloss Bellevue gezogen. Vor allem die Präsidentengattin versprach einen neuen Stil einzubringen, nachdem die Rolle der First Lady zuvor von Mildred Scheel und Veronika Carstens, Marianne von Weizsäcker und Christiane Herzog, Christina Rau und Eva Luise Köhler zurückhaltend bis betulich bekleidet worden war. Bettina Wulff präsentierte ein modernes Deutschland. Tempi passati. Christian Wulff hat sich dem Amt des Staatsoberhauptes nicht als würdig gezeigt, und auch seine Frau hat sich als Fehlbesetzung herausgestellt. Dass zu ihrer früheren Aufgabe offenkundig auch Weisheit und Lebenserfahrung gehören, hatte man in der frohen Erwartung vor zwei Jahren gar nicht so genau bedacht.

Nachvollziehbare Offensive gegen Rotlicht-Gerüchte

Einer Emnid-Umfrage zufolge empfinden vier von fünf Bürgern kein Mitleid mit Bettina Wulff. Und zwei von drei Befragten wollen ihr nicht glauben, dass sie – wie sie sagt – in die Rolle der First Lady gedrängt worden sei. Diese Urteile sind allein dem Buch „Jenseits des Protokolls“ mitsamt der gewaltigen PR-Kampagne zuzuschreiben. Dabei konnte Bettina Wulff anfangs noch auf viel Verständnis zählen, als bekannt wurde, dass sie sich gegen die Rotlicht-Gerüchte zur Wehr setzt. Diese zählen zum Widerlichsten, was die Politik bisher zu bieten hatte. Und wenn der 38-Jährigen ein Verdienst bleibt, dann der, dass sich die Volksvertreter – allen voran Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) – nun dem Schutz von Persönlichkeitsrechten im Internet widmen wollen.

Bettina Wulff wollte juristisch die Deutungshoheit über ihr Leben zurückgewinnen. Wenn es dabei geblieben wäre, wären ihr die Sympathien weiterhin sicher. Doch hat das Buch die üble Nachrede bezüglich einer Escort-Vergangenheit erst in aller Bewusstsein gebracht. Und es enthält so viele Nichtigkeiten, dass ein Schweigen aus Sicht vieler allemal besser gewesen wäre. 94 Prozent der von Emnid Befragten geben an, das Buch nicht kaufen zu wollen. Das ist auch nicht nötig, nachdem der Inhalt in den Interviews mit „Brigitte“, „Bunten“, „Gala“ und „Stern“ ausgewalzt wurde. Wenn Bettina Wulff sich hat beraten lassen, war sie sehr schlecht beraten: Wie sonst konnte sie über den Zeitaufwand und eine geringfügige Entlohnung in Schloss Bellevue klagen oder gar ihre Eheprobleme offenlegen? Jetzt wartet alle Welt auf eine Trennung – viel Stoff für die Klatschrepublik. Wulff will Eigenständigkeit beweisen – gegenüber ihrem Mann und gegenüber allen anderen. Statt dessen banalisiert sie das Präsidentenamt. Dies ist wohl der Kardinalvorwurf, den man ihr machen muss.

PR-Agentur gegründet

Nun zeigt sich, dass die Frau aus Großburgwedel den Reaktionen auf ihre Offenbarungen nicht gewachsen ist – das Comeback gerät ins Stocken. Jüngst hat sie eine PR-Agentur namens „Bettina Wulff Kommunikation“ gegründet. Ihr erster Kunde verkauft Prothesen und Rollstühle für Behinderte. Das Buchhonorar – 60 000 Euro plus Erfolgsbeteiligung – wird sie dennoch benötigen, um dauerhaft über die Runden zu kommen, wenn sie nicht rasch dazulernt. Die Internetdomain www.Bettina-Wulff-Kommunikation.de zum Beispiel hat sich schnell jemand anderes gesichert.




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