Die Gründer von Google gehen Die Suchmaschine reicht nicht mehr

Gemeinsame öffentliche Auftritte sind zunehmend rar geworden: Sergey Brin (l.) und Larry Page im Jahr 2011. Foto: dpa

Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page verlassen den IT-Riesen zu einer Zeit, in der er nicht mehr unangreifbar ist.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Wie sehr wird die Mitarbeiter bei Google der endgültige Abschied der Gründer Sergey Brin und Larry Page umtreiben? Für sie wird sich nichts ändern. Aus dem operativen Geschäft von Google haben Brin und Page sich schon 2015 zurückgezogen, als sie den Stab an den jetzigen Chef Sundar Pichai übergeben haben. Der soll nun nur zusätzlich das Mantelunternehmen Alphabet führen, das für Visionen und neue Geschäftsfelder jenseits der Suchmaschine zuständig ist. Hier ist eine Buchstabensuppe von anderen Projekten versammelt, von der Biotechnologie bis zum Verkehrsmanagement.

 

Die Tatsache, dass der Name Google immer noch die Wahrnehmung des Konzerns aus Mountain View völlig dominiert, zeigt den zentralen Schwachpunkt, mit dem Pichai zu kämpfen haben wird. Immer noch erzielt das Alphabet-Konglomerat 85 Prozent seiner Erlöse mit dem auf der Suchmaschine basierenden Anzeigengeschäft. Mit der Suchmaschine hat Google die Welt in der Tat so verändert, wie kaum ein anderes Unternehmen zuvor. Doch Firmen wie Amazon sind bei der Ausweitung ihres Geschäftsmodells deutlich weiter.

Im Konzern rumort es bei den Mitarbeitern

Aber nicht nur deshalb rumort es im Konzern. Während der Aktienkurs von Alphabet nach dem eher symbolträchtigen Abschied von Brin und Page kaum einen Muckser machte, gibt es am Herz des Unternehmens einigen Aufruhr: „Google gibt die offenen Mitarbeitergespräche auf“, „Google feuert Mitarbeiter, die sich gewerkschaftliche organisieren wollten“, „Proteste gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“, „Kritik an einer regierungskonformen Suchmaschine in China“. So lauten Schlagzeilen in US- Medien. Die Gründer gehen zu einem Zeitpunkt gehen, an dem die Firmenkultur wankt. Und darin spiegelt sich wachsender politischer wie gesellschaftlicher Druck.

Mit seiner Rolle als Suchmaschinenmonopolist – die übrigens in dem angeblich so skeptischen Deutschland deutlich größer ist als im Ursprungsland USA – steckt Google mitten in einer politischen Debatte, die für das Silicon Valley immer heikler wird. Während Facebook als Brandbeschleuniger für politische Hetze zurzeit am meisten im Fokus steht, gilt Google als entscheidender Faktor beim Kollaps traditioneller (Nachrichten-)Medien, die nur noch Krümel von dem Anzeigenaufkommen erhalten, das über die Suchmaschine in die Taschen des IT-Riesen fließt. Das befeuert die Debatte, ob solche Monopole nicht politisch eingedämmt werden müssen.

Der politische Druck wächst

Dies haben die Europäer schon lange diskutiert, in den USA ist es bei den Demokraten ein Wahlkampfthema. Die Übermacht der IT-Giganten ist sogar eines der wenigen Stichworte, das bei Demokraten und Republikanern gleichermaßen Resonanz findet. Zuallererst in der EU und in China, aber nun auch in Indien oder Russland gibt es zunehmend Tendenzen, das bisher freie Spielfeld von US-Riesen wie Google einzuschränken. Der erfolgreiche Lauf der vergangenen 21 Jahre wird also nicht einfach weiterzuführen sein.

Die einstigen Visionäre Brin und Page wollen sich damit offenbar nicht mehr herumschlagen, zumal sie bei Alphabet letztlich weniger erreicht haben als sie eigentlich vorhatten. Sie haben es sowieso ungewöhnlich lange im operativen Geschäft ausgehalten. Nun folgen sie Vorbildern wie dem Microsoft-Chef Bill Gates, der in seinem zweiten Leben als Wohltäter ein besseres Image erhalten hat. Brin und Page können sich nun etwa ihrer persönlichen Mission widmen, an der Unsterblichkeit des Menschen forschen zu lassen. Ob Googles Dominanz ebenso unsterblich ist, erscheint aber weniger sicher als noch vor Jahren.

andreas.geldner@stzn.de

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