Die Grünen zur OB-Wahl „Wir stellen keinen grünen Besenstiel auf“

Von Thomas Braun 

Der Kreischef Philipp Franke äußert sich im Gespräch über grüne OB-Kandidaten - und mögliche Absprachen mit der SPD.

Stadträte im Stuttgarter Rathaus Foto: dpa
Stadträte im Stuttgarter Rathaus Foto: dpa

- Stuttgart – - Auch die Grünen, seit der Kommunalwahl im Sommer 2009 stärkste Fraktion im Rathaus, sind durch den angekündigten Rückzug von OB Wolfgang Schuster aus dem Amt überrascht worden. Im Gespräch mit der StZ zeigt sich der Grünen-Kreisvorsitzende Philipp Franke aber zuversichtlich, Mitte März einen konkurrenzfähigen Bewerber ins Rennen schicken zu können. Zugleich regt er eine gemeinsame Strategie mit der SPD für den Fall eines zweiten Wahlgangs an.
Herr Franke, es scheint fast so, als fände sich kein politischer Hochkaräter, der für die Grünen das Stuttgarter Rathaus erobern will. Die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae hat Ihnen jedenfalls einen Korb gegeben. Ist der Job des Stuttgarter Oberbürgermeisters für Grüne nicht attraktiv?
Im Gegenteil: das Amt gilt als das zweitwichtigste in Baden-Württemberg nach dem Ministerpräsidenten und ist natürlich sehr attraktiv. Wir haben durchaus auch noch andere Namen auf dem Personaltableau als die, die bisher in der Zeitung zu lesen waren, sollten den Vorschlägen unserer Findungskommission jetzt allerdings auch nicht vorgreifen. Im Übrigen hängt die Frage, nach politischer Hochkarätigkeit nicht zwangsläufig mit überregionaler Bekanntheit zusammen. Die Absage von Kerstin Andreae hatte sowohl private als auch und berufliche Gründe. Die respektieren wir.

Nach dem Erfolg Ihrer Partei bei der Kommunalwahl 2009 schien es so, als könnten die Grünen auch einen Besenstiel als Kandidaten aufstellen und er würde trotzdem gewählt. Was hat sich seither verändert?
Einen grünen Besenstiel wollen und werden wir nicht aufstellen. Aber im Ernst: natürlich gab es seither Ereignisse, die uns weiteren Rückenwind gebracht haben. Wir haben gemeinsam mit der SPD im März 2011 die Landtagswahl gewonnen und haben durchaus die Hoffnung, dass sich die Erfolgsgeschichte der Grünen in Baden-Württemberg auch auf kommunaler Ebene fortsetzen lässt. Zum anderen hatten wir aber auch die Volksabstimmung über den Finanzierungsanteil des Landes an S 21, die wir auch in Stuttgart knapp, aber doch verloren haben. Die OB-Wahl ist für keine Partei ein Selbstläufer – das wird spannend.

Schon zweimal hat der Zwist zwischen Grün und Rot einem CDU-OB-Kandidaten in der Landeshauptstadt zum Sieg verholfen. Werden Sie sich diesmal mit der SPD vorher absprechen, was einen möglichen zweiten Wahlgang angeht?
Wir gehen sicher mit einer anderen Strategie ins Rennen und wollen versuchen, uns mit der SPD ins Benehmen zu setzen. Natürlich hängt viel von der Person der jeweiligen Kandidaten ab. Ich setze darauf, dass die grün-rote Koalition im Land eine beflügelnde Wirkung hat und wir uns in Stuttgart verständigen können, dass Grün-Rot vor einem zweiten Wahlgang den schwächeren Kandidaten zurückzieht.

Welche Kriterien muss aus Ihrer Sicht ein grüner OB-Bewerber erfüllen?
Es sollte eine Person sein, die auch über unser bisherige Wählerschaft hinaus positiven Anklang findet. Zudem muss sie die Fähigkeit besitzen, die im Streit über Stuttgart 21 gespaltene Stadt wieder zusammenzuführen und Gräben zuzuschütten.

Und wie steht’s mit Verwaltungserfahrung ?
Erfahrung auf dem Gebiet schadet grundsätzlich nicht, ist aber nicht allein ausschlaggebend. Denken Sie etwa an die Frankfurter Rathauschefin Petra Roth. Sie ist ausgebildete Arzthelferin und inzwischen eines der am längsten amtierenden Stadtoberhäupter in Deutschland.

Sonderthemen