Die Inkaschätze in Peru Außerirdische aus den Anden

Ein Gänsehautmoment: Der Blick auf die Inka-Stadt Machu Picchu Foto: Bettina Bernhard

Erdbebensichere Monumentalbauten, astronomische Anlagen und Steilwand-Speicher: Die beeindruckenden Überreste des Inka-Reiches in Peru lassen nicht nur Ufo-Enthusiasten an fremde Mächte denken.

Freizeit & Unterhaltung: Bettina Bernhard (bb)

Der Aufstieg ist atemberaubend, die Aussicht auch. Nach den unzähligen steilen Steintreppen über den terrassierten Berghang schnappt jeder nach Luft. Nicht nur wegen des olympiareifen Treppensteigens in knapp 3000 Metern Höhe. Was oberhalb der Inka-Stadt Ollantaytambo wartet, ist gigantisch: Eine monumentale Tempelanlage aus riesigen Steinblöcken, mit Zapfen und Nuten perfekt verzahnt, thront hoch über dem heiligen Tal der Inka. „Die großen Steine wiegen etwa 70 Tonnen“, weiß Tourguide Walter Rodríguez. Den Steinbruch dazu sieht man mehr als 500 Jahre nach dem Bau noch. Auf der gegenüber liegenden Talseite ist der Berg aufgebrochen, Zickzackwege führen hinab.

 

Erich von Däniken sieht außerirdische Kräfte am Werk

Während der wohl bekannteste Prä-Astronautiker, der Schweizer Autor Erich von Däniken, felsenfest davon überzeugt ist, dass hier außerirdische Kräfte am Werk waren, glaubt Rodríguez an seine Vorfahren: „Die Inka rollten die tonnenschweren Blöcke den Hang hinab, zogen sie durch den Fluss Urubamba und schufteten sie in Ollantaytambo über Rampen und mit Ton als Schmiermittel den Berg hinauf“, sagt er.

Der Inkakönig sagte an, der Rest gehorchte

Auf den Terrassen der Tempelanlage von Ollantaytambo grasen heute die Lamas Foto: Bettina Bernhard

Raffinierte Bewässerungssysteme und ausgetüftelte Architektur in der gut erhaltenen Altstadt von Ollantaytambo legen weitere Zeugnisse der einstigen Hochkultur ab, die auch hier ein Ende fand: In der zuletzt zu einer Festung ausgebauten Tempelanlage leistete Manco Cápac II. 1536 erbitterten Widerstand gegen die Truppen der spanischen Eroberer. Doch die Stadt fiel wie zuvor Cusco und zuletzt 1572 Vilcabamba.

Nur nach Machu Picchu kamen die Spanier nie

Nur an einen einzigen Inka-Ort kamen die Spanier nie: Machu Picchu. Der Weg in die sagenumwobene Inka-Zitadelle, die 1911 vom US-amerikanischen Archäologen Hiram Bingham freigelegt wurde, beginnt am Bahnhof von Ollantaytambo. Die Zugabteile sind bemalt mit Inka-Figuren, leise Panflötenmusik erklingt und durch die Dachfenster sieht man hinauf zu schneebedeckten Gletschern. In der steinigen Landschaft gedeihen Bromelien, der Urubamba schäumt hellbraun und fließt via Amazonasebene flott in Richtung Atlantik. Mauern aus der Inkazeit durchziehen das struppige Grün. Lastesel trotten auf schmalen Pfaden neben bunt gekleideten Menschen.

Es geht stets bergab, denn Agua Calientes, die Endstation auf dem Weg nach Machu Picchu, liegt nur noch auf etwa 2000 Meter. Die Vegetation wird tropischer, Gärten mit Orchideen und Palmen, mit exotischen Früchten und üppigem Grün säumen die Strecke. Am Zielbahnhof führt der Weg zu den Shuttlebussen durch einen riesigen Souvenirmarkt. Derweil spurten Gepäckträger – kleine, stämmige Menschen mit riesigen Paketen auf dem Rücken – ungeachtet von Höhe und Last bergan zur Haltestelle. Der Bus windet sich in zig Serpentinen hinauf und stoppt am Eingang zu Machu Picchu auf 2400 Metern.

Eines der sieben Weltwunder der Moderne

Von hier geht es im Gänsemarsch bergauf, Route und Zeitfenster jedes Besuchers sind streng begrenzt. Doch in dem Moment, wo man das bekannte Postkartenmotiv zum ersten Mal live sieht, sind die Menschen ausgeblendet und die Zeit angehalten: Eingebettet zwischen grünen Bergen, deren Gipfel in den Wolken stecken, liegt einem die Ruinenstadt, die zu den sieben Weltwundern der Moderne zählt, zu Füßen. In der zu 80 Prozent original erhaltenen Stadt, die geschützt von den Bergen oben und dem wilden Urubamba unten lag, lebten 750 bis 1500 Menschen. Das Baumaterial für Häuser, Vorratskammern, Tore und Tempel kam aus einem nahen Granitsteinbruch. Als Mörtel diente Kakteensaft, Kalk half gegen Mücken. Dreieckige Giebel stabilisieren die Gebäude, in die an manchen Stellen die existenten Felsen perfekt integriert sind. Im Inneren baute man Regale und Schränke in Form von Nischen gleich in die Mauern ein.

Raffiniert auch die weitläufigen Terrassen für den Anbau von Gemüse, Obst und Getreide. Ihre Mauern speichern Wärme, mehrere Schichten aus großen Steinen, Kies, Sand und Erde regulieren den Wasserhaushalt und verhindern Korrosion. Hier blühen heute orangefarbene Begonien und wilde Orchideen. „Die Vegetation wächst etwa 1,50 Meter im Monat“, weiß Walter Rodríguez. Da kann man sich vorstellen, wie zugewuchert dieser Ort war, der 1430 erbaut, etwa 1540 verlassen und 1911 dank hartnäckiger Recherche und hilfreicher Hinweise aus der Bevölkerung wiederentdeckt wurde.

Das erste Licht erleuchtet den Sonnentempel

Noch längst sind nicht alle Geheimnisse der Inka-Stadt gelüftet. Durch die gefundenen Opfergaben weiß man zwar, dass die Bewohner aus teilweise fernen Gegenden und Kulturkreisen stammten. Zudem ergaben DNA-Proben von 172 Skeletten keinerlei verwandtschaftliche Verbindung, und Männer und Frauen lebten in getrennten Stadtteilen. Es könnten also Abgesandte verschiedener Orte gewesen sein, die hier in Astronomie, Metallurgie, Religion und Naturwissenschaften forschten. Damit wäre Machu Picchu eine Art Universität gewesen.

Außerirdisch muss das nicht sein. Außergewöhnlich ist es auf jeden Fall. Und – nicht nur, wenn das erste Licht den Sonnentempel erleuchtet – überirdisch schön.

Peru

Anreise
Mit KLM von Stuttgart via Amsterdam nach Lima, www.klm.de. Air Europa fliegt von Frankfurt über Madrid nach Lima, www.aireuropa.com. Weiter nach Cusco mit Latam, www.latamairlines.com

Übernachten
Klein und hübsch: Das Tierra Viva Valle Sagrado Hotel in Urubamba, DZ/F ab 88 Euro, www.tierravivagoteles.com Mit Garten: Das Hotel Agustos Urubamba, DZ/F ab 79 Euro, www.hotelagustos.com Günstig: Das AVA Valle Sagrado Urubamba ab 63 Euro fürs DZ/F, www.avaspots.com

Buchtipp
Detlev Kirst: Peru, Dumont Reisehandbuch, 408 Seiten, 25,95 Euro.

Veranstalter
Gebeco bietet mehrere Perureisen an, darunter die 13-tägige Erlebnisreise „Peru Clásico“ mit Stationen in Lima, Cusco und Machu Picchu. Die Reise kostet ab 3595 Euro inkl. Flügen, www.gebeco.de Trips nach Peru bieten auch Enchanting Travels, www.enchantingtravels.com/de/, und Papaya Tours, www.papayatours.de

Allgemeine Informationen
 Peruanischer Tourismusverband www.peru.travel/de

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