Die K-Frage der Union Warum Merz alternativlos ist
Die Kür des Kanzlerkandidaten ist mit erheblichen Risiken behaftet – nicht allein für die Union, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Die Kür des Kanzlerkandidaten ist mit erheblichen Risiken behaftet – nicht allein für die Union, meint StZ-Autor Armin Käfer.
Es gibt einen entscheidenden Grund, warum der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz Kanzlerkandidat der Union werden muss. Der heißt: Markus Söder. Eine Partei wie die CDU, die in den 75 Jahren seit Bestehen der Bundesrepublik 52 Jahre lang Regierungsverantwortung getragen hat, kann sich einen Mann wie Söder nicht zum Kanzler wünschen. Sie würde an ihm irre werden. Zu erratisch ist seine Politik, zu selbstherrlich sein Machtgebaren.
Es gibt noch zwei nachrangige Gründe, die für Merz sprechen – die beiden Charming Boys unter den Ministerpräsidenten der CDU: Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen muss sich als Regierungschef erst bewähren, Daniel Günther mangelt es an Gewicht in der Partei. Wüst hat sich nun ausdrücklich für Merz ausgesprochen. Weil er den größten Landesverband der CDU anführt, mit ähnlich vielen Mitgliedern wie Söders CSU, kommt das einer Vorentscheidung gleich.
Gegen Merz spricht allerdings auch so manches: Er hat von den multiplen Schwächen der Ampel zu wenig profitiert und ist außerhalb des schwarzen Universums wenig beliebt, vor allem bei Frauen. Doch Merz hat der von Angela Merkel weichgespülten, programmatisch entkernten Partei neues Selbstvertrauen eingehaucht. Die CDU wird wieder wahrgenommen als konservative Kraft, die sich weder von dem wohlfahrtsstaatlichen Gouvernantentum zur Linken noch von der nationalen Borniertheit rechtsaußen vereinnahmen lässt.
Merz ist nicht sonderlich populär, aber nicht so unbeliebt wie der amtierende Kanzler. Seit er die CDU führt, ist die Union wieder die dominante Partei der Republik – stärker als alle drei Ampelpartner zusammen. Söder wäre für die Union, was sein Urahn als CSU-Chef, Franz Josef Strauß, einmal als „Schwanz, der mit zwei Hunden wedelt“, umschrieben hat.
Wenn der bayerische Ministerpräsident ein Minimum an Loyalität mit der Union besitzt, wird er seine Egomanie zu zügeln wissen und wegen der eigenen Kanzlerallüren nicht noch einmal ein Schmierentheater wie vor drei Jahren veranstalten. Selbstverliebte Machtspielchen würden das Ansehen der C-Parteien beschädigen und wären Gift für deren Aussichten auf einen Wahlsieg 2025. Kanzler Olaf Scholz könnte dabei mit einem Gesichtsausdruck zusehen, den Söder einmal treffend „schlumpfig“ genannt hat. Grund zum Jubeln hätten jedoch vor allem die Herrschaften hinter der Brandmauer.
Ein Kanzlerkandidat Merz wäre für die Union noch keine Erfolgsgarantie – aber unter den aktuellen Umständen die beste Option. Die Risiken der Kür würden nicht allein der CDU und ihrem Chef schaden, auch dem Störenfried – und, viel schlimmer: dem ohnehin schon lädierten Bild, was viele von der Parteiendemokratie haben.