DFB-Team bei der EM 2021 Wo spielt Joshua Kimmich?
Der Bundestrainer Joachim Löw steht vor der kniffligen Aufgabe, bei der EM die richtige Position für den vielseitigen Mann vom FC Bayern München zu finden.
Der Bundestrainer Joachim Löw steht vor der kniffligen Aufgabe, bei der EM die richtige Position für den vielseitigen Mann vom FC Bayern München zu finden.
Düsseldorf - Joachim Löw sprach nicht wie ein Trainer, dessen Elf ein Spiel mit 7:1 gewonnen hat. Wenn man es nicht besser gewusst hätte nach dem Kantersieg gegen den überforderten Fußballzwerg Lettland in Düsseldorf – man wäre nach den Analysen des Bundestrainers vom späten Montagabend von einem 2:1-Zittersieg ausgegangen. Oder sogar von einer deftigen Blamage. Löw sagte nach der EM-Generalprobe, dass er noch Potenzial in der „Feinabstimmung“ sehe. „Tempo“ und „Intensität“ müssten 90 Minuten hochgehalten werden. Und überhaupt: das Gegentor nach einem Einwurf, das „störte“ und „ärgerte“ ihn gewaltig.
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„Wachsam sein“ von Minute eins bis 90, so lautete also Löws Forderung mit Blick aufs erste Gruppenspiel am 15. Juni gegen den Weltmeister Frankreich, denn: „Unaufmerksamkeiten gegen starke Mannschaften werden bestraft.“ Dann ging Löw ins Detail – und verriet, was er nach dem Einzug ins Turniercamp beim Sponsor Adidas im fränkischen Herzogenaurach am Dienstagabend noch so vor hat.
„Die Themen bleiben die gleichen“, sagte der Bundestrainer: „Wie verteidigt man Räume? Wie verteidigt man im Pressing? Wie sieht es aus mit den Zweikämpfen? Das sind die defensiven Fragen.“ Vorne hingegen gelte das: „Räume bespielen, Räume öffnen, Räume freimachen, das sind die Themen in der Offensive. Es gibt im modernen Fußball eine große Raumknappheit, daran müssen wir feilen.“
Löw also hat die Detailarbeit für sich wiederentdeckt, das wurde schon in den Tagen des Trainingslagers von Seefeld sichtbar und hörbar. Teilweise im Minutentakt unterbrach er Trainingsspiele, er gab Kommandos, wurde laut – der Bundestrainer gibt vor seinem letzten großen Turnier den extrem engagierten Fußballlehrer. Und präsentiert sich damit anders als etwa noch vor der WM 2018, als er es nicht geschafft hatte, sich selbst und die Mannschaft in Schwung zu bringen.
Und wie es aussieht, hat Löw seine Startelf für das erste Spiel gegen Frankreich offenbar längst im Kopf. Hinten wird er aller Voraussicht nach auf eine Dreierkette mit Mats Hummels, Antonio Rüdiger und Matthias Ginter setzen – sowie auf Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger. Dabei sieht sich der Mittelfeldchef des FC Bayern ja auch in der DFB-Elf im Zentrum. Er ist Löws bester Sechser vor der Abwehr – aber ist eben auch Löws bester Rechtsverteidiger. Kimmich selbst kündigte an, dass er keiner sei, „der sich dagegen wehrt, dem Team zu helfen“. Die große Frage, die sich Löw nun bis zum Spiel gegen Frankreich stellen muss: Taugen Toni Kroos und Ilkay Gündogan im Mittelfeldzentrum zu Wellenbrechern gegen die geballte Offensivklasse und Konterstärke des Weltmeisters? Leon Goretzka vom FC Bayern wird nach seinem Muskelfaserriss aller Voraussicht nach nicht fit sein bis zum Auftakt – braucht es also nicht doch den defensivstarken Kimmich als Prellbock vor der Abwehr?
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Wie auch immer: Löw lobte Kimmich in den höchsten Tönen: „Der Jo hat das Format eines Philipp Lahm.“ Es mache Kimmichs Klasse aus, „sich sofort auf seine Aufgaben einstellen zu können“.
Das hat in der Offensive zuletzt auch Champions-League-Sieger Kai Havertz bewiesen – weshalb die Offensivreihe gegen Frankreich nach Havertz’ Gala-Auftritt gegen Lettland Formen annimmt. So könnten der Angreifer sowie die gesetzten Serge Gnabry und Thomas Müller das Rennen machen. Und für Timo Werner und Leroy Sané wäre kein Platz im Team.