Die Köngener AWG versucht auf die Beine zu kommen Hinter dem Insolvenz-Horizont geht’s weiter

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Das Amtsgericht Esslingen hat am Donnerstag dem Insolvenz-Antrag des Bekleidungs-Händlers AWG zugestimmt. Der Insolvenzverwalter Martin Mucha gibt sich vorsichtig optimistisch und will die Firma bis zum Sommer sanieren.

Die altehrwürdige Plochinger AWG-Filiale muss schließen,  die Ware wird in den nächsten Tagen abverkauft. Foto: Foto Horst Rudel
Die altehrwürdige Plochinger AWG-Filiale muss schließen, die Ware wird in den nächsten Tagen abverkauft. Foto: Foto Horst Rudel

Esslingen - Jetzt werden bei AWG in Köngen die Scherben zusammen gefegt. Am 28. Januar war das Unternehmen insolvent gegangen, am vergangenen Donnerstag wurde dem Insolvenz-Antrag am Amtsgericht Esslingen stattgegeben. Damit ist das Verfahren offiziell eröffnet.

Neun Mitarbeiter der Kanzlei Grub und Brugger aus der Stuttgarter Reinsburgstraße beschäftigen sich zur Zeit damit, mit den Gläubigern zu verhandeln, die Unternehmensstrategie zu verändern und die Kosten zu senken. Mit an Bord ist der AWG-Senior-Chef Albrecht Maier, der die Geschicke des Unternehmens vor zwei Jahren an einen Geschäftsführer übergeben hat. Dieser Geschäftsführer sei nicht mehr an Bord, sagt der Insolvenzverwalter Martin Mucha, „da ist das Vertrauen natürlich nicht mehr gegeben.“

Um die AWG wieder flott zu machen, fährt Mucha verschiedene Strategien. Zum einen will er Kosten senken. Von den 300 Filialen, die AWG in ganz Deutschland unterhält, sollen 47 geschlossen werden, die rote Zahlen geschrieben haben. Darunter ist auch die altehrwürdige Filiale in Plochingen, bei der gerade Ausverkauf ist.

Das bedeutet aber auch, dass von den rund 3000 Mitarbeitern rund 300 entlassen werden, und das Knall auf Fall. „Weil das Unternehmen keinen Betriebsrat hat, wird es auch keinen Sozialplan geben“, sagt Martin Mucha.

Die Online Strategie war nicht optimal

Es bleibt die Frage, warum die AWG nicht vorher reagiert hat, als das Minus bei den Filialen offenbar wurde. „Wenn Sie etwa einen Mietvertrag für zehn Jahre abgeschlossen haben, kommen Sie nicht einfach aus dem Vertrag raus“, berichtet Mucha, anders sei das bei einer Insolvenz, da gebe es ein Sonderkündigungsrecht.

Mucha hat auch festgestellt, dass die Online-Marketing-Strategie der AWG nicht optimal gewesen sei. Es wurde beispielsweise eine Million Euro für Banner-Werbung bei Google ausgegeben, wobei der Erfolg dieser Werbung ziemlich fraglich gewesen sei.

Ebenfalls sei zuviel Ware für den Online-Verkauf am Lager vorgehalten worden, was ebenfalls zusätzliche Kosten verursacht habe. Für Martin Mucha wäre ein anderes Online- Konzept sinnvoller. Der Käufer bestellt direkt online bei der AWG und lässt sich die Kleider nach Hause oder in eine AWG-Filiale liefern, wo er anprobieren kann und dort eventuell weiter einkauft. Darüber hinaus will Mucha das Sortiment bereinigen. Weniger Lieferanten sollen für bessere Verkaufspreise sorgen.

Vorsichtig optimistisch

Martin Mucha zeigt sich bei der AWG vorsichtig optimistisch. Er weiß, dass die Bekleidungsbranche generell schwierig ist, sieht aber, dass ein Unternehmen mittlerer Größe mit 300 Millionen Euro Umsatz durchaus Chancen auf dem Markt hat. Als Grund für die Insolvenz hatte das Unternehmen den langen Sommer 2018 angegeben, der das Geschäft mit der Herbstmode zunichte gemacht habe.

Martin Mucha ist weder ein Unbekannter in der Branche noch in der Gegend. Er hatte seinerzeit Ritter-Aluminium in Wendlingen saniert, ebenso sanierte er die Deutschen Linoleum Werke in Bietigheim-Bissingen sowie die Radolfzeller Unterwäsche-Firma Schiesser.

Die Kanzlei Grub und Brugger arbeitet mit der PR-Agentur Sympra zusammen, die in einer Jugendstilvilla in der Stuttgarter Stafflenbergstraße residiert. Für den Geschäftsführer Veit Mathauer war es außergewöhnlich zu sehen, wie in den Sozialen Medien die Kunden hinter ihrer Marke AWG stehen. All das lässt hoffen, dass das Unternehmen wie geplant Mitte oder Anfang Juni wieder auf Kurs ist.