Die Körschburg stand einst bei Deizisau Früherer Adelssitz gibt Rätsel auf
Die Körschburg, die einst auf Deizisauer Markung stand, gibt bis heute Rätsel auf. Auch historische Quellen bringen nur wenig Licht ins Dunkel der Geschichte.
Die Körschburg, die einst auf Deizisauer Markung stand, gibt bis heute Rätsel auf. Auch historische Quellen bringen nur wenig Licht ins Dunkel der Geschichte.
Eigentlich hatten sich die drei Deizisauer Jungs im Mai 1998 im Wald nur ein Lägerle bauen wollen. Beim Graben waren sie aber dann auf alten Plunder aus Metall gestoßen – der sich kurze Zeit später als wichtiger archäologischer Fund entpuppen sollte. Den Eltern der Jungen war die ganze Sache zum Glück nicht ganz geheuer vorgekommen, weshalb sie das Landesdenkmalamt einschalteten. Wie anschließende Untersuchungen ergaben, handelte es sich bei den zahlreichen Fundstücken unter anderem um eine besonders gearbeitete Schnalle aus brüniertem Eisen und um ein mehr als ein Meter langes und leicht verbogenes so genanntes Scheibenknaufschwert. „Die stark verjüngte Spitze verrät, dass hier eine kombinierte Hieb- und Stichwaffe vorliegt“, schreiben die beiden Archäologen Susanne Arnold und Uwe Grosse in einem 1999 erschienenen Aufsatz über Funde von der Körschburg bei Deizisau und sprechen von einer Waffe aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert, die damals modern war.
Historische Quellen belegen, dass zu dieser Zeit ungefähr 1,5 Kilometer westlich von Deizisau zwischen dem Neckar und der einmündenden Körsch auf einer Anhöhe eine Burg gestanden hatte, die Körschburg. Heute ist das Gelände dicht bewaldet. Der gegen die Körsch und den Neckar vorspringende nordwestliche Zipfel des Körschfelds wurde durch einen runden Wall mit einem vier bis fünf Meter tiefen Graben von der Hochfläche abgetrennt. Diese Kernanlage hatte laut dem Plochinger Archäologen Christoph Engels eine Grundfläche von 9300 Quadratmeter. Die etwa 2100 Quadratmeter große Fläche, auf der einmal die eigentliche Burg gestanden hatte und von der heute keine Reste mehr vorhanden sind, hatte einen Durchmesser von rund 50 Metern.
Laut Manfred Waßner, dem Archivar des Landkreises Esslingen, wurde die rätselhafte Burg im Jahr 1193 erstmals urkundlich erwähnt. „Sie muss mit Herrschaftsrechten des Grafen Diepold im Neckartal verbunden gewesen sein“, hatte der Historiker im November 2016 in einem Vortrag auf einer Tagung des Marburger Arbeitskreises für europäische Burgenforschung im Alten Rathaus von Esslingen berichtet. Vieles spreche dafür, dass es sich um eine feste, zumindest größtenteils aus Stein errichtete Befestigung gehandelt habe und zwar direkt an der damaligen Fernstraße von Italien ins Rheinland in der Nähe einer Furt durch die Körsch.
Gesichert ist die historische Erkenntnis, dass sich im Dezember 1193 Heinrich VI, der Sohn Friedrich Barbarossas, in seiner Pfalz in Gelnhausen aufgehalten hatte, um dort unter anderem den Markgrafen Bonifatius von Montferrat, einen treuen und mächtigen Gefolgsmann und Verwandten aus Norditalien, mit der Stadt Alessandria im heutigen Piemont zu belehnen. Als Zeugen dieser Belehnung waren unter anderem Graf „Diepoldus de Kerse“ eingeladen. „Es bleibt unklar, weshalb sich Diepold beim Kaiser in Gelnhausen aufhielt und weshalb er gerade bei dieser Belehnung als Zeuge auftrat“, sagt Waßner. Was viel wichtiger ist: Die Benennung nach „Kerse“, wie die Körsch damals genannt wurde, zeigt, dass Diepold bereits über einen Adelssitz am Zusammenfluss von Neckar und Körsch verfügt haben muss. „Die Körschburg dürfte also zumindest bereits im Entstehen und auch der gleichnamige Burgweiler, die kleine Siedlung Körsch wird schon bewohnt gewesen sein“, so der Kreisarchivar weiter. Ob Diepold selbst der Erbauer dieser Burg gewesen sei, ist laut Waßner unklar, denn die schriftlichen und archäologischen Quellen geben dazu keinerlei Hinweise.
Im Dunkel der Geschichte verborgen bleibt auch, wie viele Menschen auf der Burg und dem dazugehörigen Weiler einmal gelebt haben und wie ihr Alltag ausgesehen haben mag. Weitgehend offen ist, weshalb die Nachfahren Diepolds von Kerse ihren Herrschaftsmittelpunkt nur wenige Jahre später auf den Aichelberg verlegt haben. Diepolds Sohn Egino nannte sich laut Manfred Waßner bereits im Jahr 1228 nach der Burg Aichelberg. „Diepold von Körsch darf daher als Stammvater der Grafen von Aichelberg gelten“, sagt der Kreisarchivar. Er vermutet, dass ein wichtiger Grund für die Verlegung des Herrschaftssitzes die zunehmend konfliktträchtige Lage der Burg im Neckartal war. Im Jahr 1292 wurde die Körschburg schließlich zerstört, allerdings nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern wahrscheinlich mit erzwungener Zustimmung der Burgherren durch ein gezieltes Untergraben der Außenmauern, was diese zum Einsturz brachte. In den Sindelfinger Analen stießen Waßner und seine Historiker-Kollegen auf einen entsprechenden Hinweis. „Im Jahr 1292 im Frühjahr zerstörten die Bürger von Esslingen und Ulrich Graf von Württemberg, die Burg Kers durch Untergraben in zehn Tagen“, steht dort zu lesen, was allerdings weitere Fragen aufwirft. „Es wird nicht klar, warum sich die Bürger von Esslingen mit dem Grafen von Württemberg, gewissermaßen ihrem Erzfeind zusammengetan haben sollen“, sagt Manfred Waßner. Hinzu komme, dass es 1292 keinen Graf Ulrich von Württemberg gegeben habe, der für eine kriegerische Aktion in Frage gekommen wäre.
Burg
Die Körschburg bei Deizisau stand oberhalb der Kreuzung, an der heute die Körschtalstraße von Denkendorf kommend in Richtung Deizisau in die Esslinger Straße übergeht, auf einem rund 260 Meter hohen Hügelsporn. Heute ist das Gelände rechts der Körsch dicht bewaldet. Nur noch Überreste eines vier bis fünf Meter hohen Walls lassen die Außenmauern der Körschburg erahnen, die das Gelände einmal umgeben haben.
Bauherr
Historische Quellen aus dem Jahr 1193 lassen zum ersten Mal auf eine Burg an dieser Stelle schließen. Ob allerdings Diepold von Kerse die Burg zu dieser Zeit erbaut hat, oder ob es sie schon vorher gegeben hat, bleibt im Dunkel des Mittelalters verborgen. Zudem gibt es keine Quellen, die davon berichten, wie die Burg selbst ausgesehen und wer dort gelebt hat.
Zerstörung
Gesichert ist nur, dass sie im Jahr 1292 durch die vereinigten Truppen der Reisstadt Esslingen und der Grafen von Württemberg wegen „Raubrittertum“ wieder zerstört wurde: und zwar durch das Untergraben der Außenmauern – wahrscheinlich mit erzwungenem Einverständnis der Burgherren.