Die Kommunalwahl in den Neckargemeinden Was im Neckartal zu tun ist

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Plochingen saniert ein Schulzentrum, Deizisau stemmt die größte Investition der Ortsgeschichte, Altbach hat ein Rathaus zuviel. Auf die künftigen Gemeinderäte wartet viel Arbeit.

Eine  Region, die unter Strom steht: Blick vom  Kraftwerk Altbach über das Neckartal. Links Plochingen, rechts Deizisau. Foto: Rudel
Eine Region, die unter Strom steht: Blick vom Kraftwerk Altbach über das Neckartal. Links Plochingen, rechts Deizisau. Foto: Rudel

Neckar - Die Bauflächen sind knapp, die Umweltbelastung hoch, Arbeitsplätze gibt es reichlich. Doch wer glaubt, in der kommenden Legislaturperiode müssten die Gemeinden des Mittleren Neckarraums alle dieselben Schwierigkeiten lösen, der irrt.

Freie Wähler Plochingen lösen sich auf Die größte politische Veränderung zeichnet sich in Plochingen ab, dort lösen sich gerade die Freien Wähler auf, von Unstimmigkeiten zwischen dem Ortsverband und der Gemeinderatsfraktion ist die Rede, einer soll den anderen im Stich gelassen haben. Im 22-köpfigen Gemeinderat stellten die Freien Wähler bisher vier Sitze. Die Stadträte Thomas Euchenhofer, Thomas Pressel und Hans-Ulrich Rauchfuß, Letzterer ist bekannt als Präsident des Schwäbischen Albvereins, treten nicht mehr an. Karel Markoc ist zur CDU gegangen. Der Ortsvereinsvorsitzende Götz Eibich will demnächst den Ortsverein auflösen, wenn er dazu die bürokratischen Hürden übersprungen hat.

In das Vakuum stößt die Unabhängige Liste Plochingen, die Klaus Hink gegründet hat, der vor einigen Jahren altershalber aus dem Rat ausgeschieden war und nun wieder antritt. Harald Schmidt, der Spitzenkandidat der Unabhängigen, hatte vor fünf Jahren noch bei den Freien Wählern kandidiert und auch Götz Eibich ist inzwischen von den Freien Wählern zu den Unabhängigen gewechselt.

Noch ein Mann tritt nicht mehr an, der das politische Leben in Plochingen über Jahre geprägt hat: Der ehemalige Landtagsabgeordnete Gerhard Remppis (SPD), der aus gesundheitlichen Gründen auf eine Kandidatur verzichtet. Interessant ist noch das Experiment, das die Offene Grüne Liste wagt: Sie setzt auf junge Leute.

Dieser neue Gemeinderat muss in Plochingen in den nächsten fünf Jahren vor allem eines machen: das untere Schulzentrum sanieren. Das wird alle finanziellen Kräfte der Stadt binden, dabei hat der künftige Gemeinderat eine Unwägbarkeit vor Augen. Denn es ist noch ungewiss, wie das Bürgerbegehren zur Zukunft des Plochinger Hallenbades ausgeht. Sollten sich die Bürger für das Bad entscheiden, dessen Abriss allerdings ein Teil der Schulplanung ist, dann würden dort die Karten neu gemischt.

Deizisau: Ein Drittel Neue Fünf neue Köpfe werden am Wahlsonntag in den Deizisauer Gemeinderat gewählt, weil fünf altgediente Räte aufhören. Einer gehörte dem Gremium beinahe 30 Jahre an. Das ist beinahe ein Drittel Neuzugang in dem 18-köpfigen Gremium, aber der Deizisauer Bürgermeister Thomas Mathros freut sich auch auf die neuen Ideen, die die Neuzugänge in die Kommunalpolitik bringen werden.

In der kommenden Legislaturperiode stemmt die Kommune Deizisau das größte Projekt, in ihrer Ortsgeschichte. Für fünf Millionen Euro werden entlang der Altbacher Straße ein Parkhaus, ein Kindergarten und eine Wohnanlage gebaut. Darüber hinaus schätzt der Rathauschef Thomas Mathros, dass das Thema Digitalisierung und Glasfaserausbau ein großes Thema der nächsten Jahre wird. Wernau formt den Großverein Die Stadt Wernau erwartet keine so gravierenden Veränderungen wie in Plochingen. Aber auch hier muss der künftige Gemeinderat etliche Pfunde stemmen. Was andere Städte bisher nicht geschafft haben, wird in Wernau sehr wahrscheinlich verwirklicht: Alle vier Sportvereine der Stadt sollen sich zu einem Großverein zusammenschließen. Dafür bekommen sie von der Stadt auch eine nagelneue gemeinsame Sportanlage im Neckartal und die vorhandenen Stadien auf dem Kehlenberg werden aufgelöst. Ansonsten wird in Wernau vor allem die Realschule ausgebaut, weil auch in Wernau die Schülerzahlen steigen. Generell steigen die Kinderzahlen durch den Zuzug von jungen Familien. Deswegen muss die Stadt auch einiges in ihre Kindertagesstätten investieren.

Was tun mit Altbachs Rathaus? Altbach hat das Problem mit seinen drei Rathäusern zu zwei Dritteln gelöst. Im neuen Rathaus tagen die Verwaltung und der Gemeinderat, das mittlere Rathaus ist an einen Esslinger Steuerberater verkauft, der das Gebäude gerade saniert. Was mit dem alten Rathaus geschieht, das ehemalige Jagdschloss der württembergischen Herzöge, darüber muss sich der künftige Gemeinderat den Kopf zerbrechen. Dem Bürgermeister Martin Funk wäre es lieber, es wäre eine Nutzung, die keine laufenden Kosten verursache, denn Gewerbesteuereinnahmen sprudelten lang nicht mehr so wie früher. Entwickelt werden müssen das Feuerwehr- und das Jugendhaus, und die Gemeinde muss sich überlegen, welche Straßen und andere öffentlichen Gebäude sie mit ihren kargen Finanzmitteln saniert.

Reichenbach sucht junge Familien In Reichenbach erwartet der Bürgermeister Bernhard Richter keine gravierenden politischen Veränderungen. Der künftige Gemeinderat muss vor allem den Sportentwicklungsplan und den Schulkompass fortschreiben. Abgängig ist beispielsweise die alte Schulturnhalle, hier braucht die Gemeinde eine neue zweiteilige Halle.

Reichenbach investiert vor allem in den Wohnungsbau. Spannend wird es auf dem Gelände der Firma Starmix, die nach Ebersbach gezogen ist. Das Gelände ist für den Wohnungsbau vorgesehen. Im Süden grenzt die Fläche an die Ortsdurchfahrt, die ebenfalls umgestaltet werden soll.

Beim Bauen setzt der Bürgermeister Bernhard Richter auf Baugenossenschaften. Nur sie würden einen günstigen Wohnraum plus einer guten sozialen Durchmischung gewährleisten. Reichenbach verfolgt eine Siedlungsstrategie, mit der sie ältere Leute von den Ortsteilen am Berg in die Ortsmitte locken will. Die Häuser, die auf dem Siegenberg oder in der Risshalde frei würden, stünden dann wieder jungen Familien zur Verfügung.