Umgangsformen Sieben Gründe gegen das Duzen

Ja, diese Krawatten sind ein bisschen hässlich, das ist aber noch lange kein Grund, plötzlich „Du“ zu sagen. Foto: dpa-tmn/J. Ploenes

Klar, locker ist immer ein bisschen besser als nicht so locker. Das grundlose Duzen muss aber auch nicht sein. Hier kommen sieben Gründe, weshalb wir lieber siezen sollten. Besonders bei der Arbeit und beim Fluchen.

Stuttgart - Leicht ist das nicht – die Entscheidung, ob geduzt oder gesiezt wird. Beziehungsweise ab wann denn geduzt wird. Was die standesgemäße Anrede bei der Arbeit angeht, plädieren wir laut und deutlich für ein gepflegtes „Sie“, das kannst du uns glauben. Hier kommen Sieben Gründe, weshalb siezen super ist.

 

1. Ein Freund, ein guter Freund

Eine schlimme Masche unter den freundlichen Ausbeutern: Alle bei der Arbeit sollen Freunde sein und überhaupt nicht mehr nach Hause wollen, weil die Freunde ja alle bei der Arbeit sitzen. Man bietet sich gegenseitig das Du an – und wer möchte in derart freundschaftlicher Atmosphäre schon die Bitte nach mehr Überstunden, etwas weniger Gehalt oder einer warmen Mahlzeit ab Monatsmitte abschlagen?

2. Pflichten, nichts als Pflichten

Das Du hält leider auch lästige Pflichten für alle Beteiligten bereit. Empathie und derlei Quatsch. Ein Rüpel, wer sich nicht nach dem Befinden des Duz-Kollegen erkundigt, der gerade weinend (oder schlimmer) in der Kaffeeküche am Boden liegt oder das Kopiergerät anbrüllt. Wer sich siezt, kann hingegen guten Gewissens weiterlaufen.

3. Vorbilder

Der Popmusiker Dieter Bohlen duzte 2006 einen Streifenpolizisten bei der Arbeit. Dem missfiel diese Nähe, Bohlen wurde mit einem Busgeld belegt. Vor Gericht konnten Bohlens Anwälte lückenlos belegen: Der Popstar duzte nicht in ehrabschneidender Absicht. Er duzt einfach prinzipiell jeden. Wollen Sie wie Dieter Bohlen sein?

4. Was denn jetzt?!

Als ob das Leben nicht kompliziert genug wäre, wird’s zusätzlich verwirrend, wenn sich manche Leute bei der Arbeit duzen, andere aber nicht. Je nach Größe der Arbeitsstelle verliert man da leicht den Überblick. Und, zack, Ärger: „Morgen, Hotte! Alles fit in Bayern? Am Wochenende wieder bossmäßig an der Modelleisenbahn steilgegangen?“ Das Gute: Es ist natürlich nie zu spät, wieder zum „Sie“ umzuschwenken. Besonders wenn der Chef sagt: „Ja, aber für Sie immer noch Herr Seehofer!“

5. Machtspielchen

Eine allzu formelle Ansprache befeuere die Hybris der Vorgesetzten, die würden sich dann wie Könige oder Leute aufführen, für die gewöhnlich Gotteshäuser errichtet werden. Das stimmt natürlich nicht. Für den niederländischen Fußballtrainer Louis van Gaal sind beispielsweise alle Menschen gleich. Und die sollen gefälligst „Sie“ zum ihm sagen – besonders wenn sie einer jüngeren Generation angehörig sind. Dieses Arrangement gilt nicht nur für seine Spieler, van Gaal besteht auch darauf, von seinen Töchtern gesiezt zu werden. Eine Faustregel: Solange der Kollege, Vorgesetzte oder Chef nicht auf „Hochwürden“, „Exzellenz“ oder „General“ als formelle Anrede besteht, ist das mit der Hybris noch nicht so ausgeprägt.

6. Professionelle Distanz

Streit, das gibt’s auch im Berufsleben immer wieder. Manch einer reagiert in solchen Fällen gar aufbrausend oder meilenweit unter der Gürtellinie. Nur macht es eben den Unterschied, selbst untenrum noch die Etikette zu wahren, Klasse zu zeigen. „Sie dummes Arschloch“ klingt beispielsweise mondän und professionell distanziert. Während so ein kameradschaftlich dahingeschludertes „Du dummes Arschloch“ streng genommen jedes dumme Arschloch hinbekommt. Und solche Leute mögen Sie ja auch nicht.

7. Nicht vergessen

Mit dem Siezen fängt der Spaß an. Denn nur wer sich siezt, kann sich später auch zum ersten Mal duzen.

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