Die Krimiautorin Lisa Straubinger aus Köngen Geheimnisse im Zimmer aus Eichenholz

Lisa Straubinger freut sich, dass ihr erster Roman „Schwarz Wald Nacht“ beim Lesepublikum gut ankommt. Die 29-Jährige wünscht sich Feedback. Foto: Ines Rudel

Hinter die Fassade einer Familie blickt die Köngener Krimiautorin Lisa Straubinger in ihrem ersten Roman „Schwarz Wald Nacht“. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Die unfreiwillige Rückkehr einer jungen Frau zur Beerdigung der Großmutter in ihr Heimatdorf im Südschwarzwald reißt in Sanne Stolls Seele tiefe Gräben auf. Auf der Fahrt läuft ihr eine Frau vors Auto, und sie findet eine Leiche im Wald. Mit einer klassischen Krimihandlung beginnt „Schwarz Wald Nacht“. In ihrem ersten Kriminalroman spielt die 29-jährige Lisa Straubinger aus Köngen mit dem Spannungsbogen. Zugleich taucht die junge Autorin aber tief in die Persönlichkeit ihrer Figuren ein.

 

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„Einen Krimi zu schreiben, das war immer mein Traum“, sagt die Industriekauffrau. Zurzeit arbeitet sie als Logistikerin bei einem mittelständischen Unternehmen. Seit ihrer Kindheit erzählt die kommunikative Frau liebend gerne Geschichten. Dass sie sich neben dem Beruf ihren Traum erfüllen konnte, selbst einen Roman zu schreiben, macht Lisa Straubinger glücklich. Beim Emons-Verlag ist 2022 ihr erstes Werk jetzt erschienen. „Das ist eine wunderbare Chance“, schwärmt die Köngenerin von der Zusammenarbeit mit der Lektorin Christiane Geldmacher. Sie habe ihr viele wichtige Anregungen fürs Schreiben gegeben, sagt die Autodidaktin.

Auf dem umkämpften Literaturmarkt

Sich als Quereinsteigerin auf dem umkämpften Literaturmarkt durchzusetzen, das erlebt Lisa Straubinger als Herausforderung. Umso mehr hat es sie gefreut, dass die Bücherecke Rehkugler in Köngen ihren ersten Krim sehr gut präsentiere. „Viele Menschen, die mich aus Köngen kennen, sind jetzt neugierig geworden.“ Das macht der jungen Frau Mut, am Schreiben dranzubleiben. Nach den positiven Erfahrungen mit ihrem ersten Krimi denkt sie bereits über ein neues Buch nach.

Wie hat die junge Frau ihre Hauptfigur Sanne Stoll entwickelt? „Dass die Protagonistin weiblich sein soll, das war mir immer klar“, sagt Straubinger. In deren Gedankenwelt könne sie sich am besten hineinversetzen. Auch die Kriminalhauptkommissarin Petra Wolf, die den Fall bearbeitet, ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Beruf steht. „Starke weibliche Figuren und ihre Perspektive kommen in der Literatur oft zu kurz“, findet die Autorin. Deshalb ist ihr deren Perspektive besonders wichtig. Durch ihr Engagement in der Politik hat die Köngenerin selbst gelernt, sich durchzusetzen. Bei den Jungsozialisten im Kreis Esslingen engagiert sie sich und möchte dort auch kulturpolitische Themen diskutieren. Mit politisch interessierten Menschen über den Buchmarkt und seine Mechanismen ins Gespräch zu kommen, das genießt die Köngenerin.

Austausch mit erfahrenen Kolleginnen

Das Krimi-Genre hat Lisa Straubinger schon immer fasziniert. Deshalb schloss sich die Autorin, die vor ihrem ersten Kriminalroman zahlreiche Kurzgeschichten geschrieben hat, dem Autorinnen-Netzwerk „Mörderische Schwestern“ an. Der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen gibt der Neueinsteigerin viel. „Dass sich die Krimi-Schriftstellerinnen austauschen und gemeinsame Sache machen, ist eine große Chance.“

In die Familiengeschichte ihrer Hauptfigur einzutauchen, das hat Lisa Straubinger fasziniert. Die Köngenerin ist eine scharfe Beobachterin, zeichnet das Umfeld und die Charaktere in ihrem Roman ebenso scharf wie hintersinnig. Dabei schürft sie mit ihrer griffigen Sprache in der Tiefe: „Die Vertäfelung war aus einer stolzen Eiche gefertigt, die vor weniger als hundert Jahren vom Opa gefällt worden war. Sie hatte die Geschichte oft gehört und sich gefragt, wie viel von dem eindrucksvollen Baum übrig geblieben war, in dem Holz, zwischen Leim, Farbe und Politur, zwischen all den Dingen, die sich in den Zimmern abspielten. Die Geheimnisse, von denen alle wussten, über die aber niemand sprach. Das Schweigen, das sich dahinter versteckte.“ Schön inszeniert die Autorin nicht nur in dieser Textpassage Gegenstände und Räume, macht ihr Lesepublikum einfach neugierig auf das, was sich da hinter der Fassade abspielt.

Sich Zeit nehmen für das Schreiben

Die Schwarzwaldlandschaft hat Straubinger immer begeistert. Dann und wann gönnt sie sich eine Auszeit an den Triberger Wasserfällen oder an einem anderen schönen Ort in der Region, um den Kopf freizubekommen. So meistert die junge Autorin den Spagat zwischen ihrem Brotberuf und dem Schreiben gut. „Dass ich nicht vom Schreiben leben muss, gibt mir eine gewisse Freiheit“, findet die Köngenerin. Sie habe es gelernt, sich Zeit zu nehmen fürs Schreiben und in diesen Phasen voll und ganz konzentriert zu sein. Da ist Disziplin gefragt.

Über ihren nächsten Roman denkt sie schon jetzt nach. Mit anderen Figuren ganz neu anzufangen, das wäre ihre Sache nicht. Sie sei neugierig darauf, wie sich die Charaktere aus ihrem ersten Roman weiterentwickeln. Auf die Diskussionen mit ihrer Lektorin freut sich Lisa Straubinger sehr. Der grobe Handlungsstrang steht bereits. Allerdings möchte sie im nächsten Buch den Fokus auf die Kriminalhauptkommissarin Petra Wolf lenken. „Ihre Persönlichkeit, ihr Leben sind bisher etwas zu kurz gekommen.“

Lisa Straubingers Roman „Schwarz Wald Nacht“ ist 2022 im Emons-Verlag in Köln erschienen (255 Seiten, 12 Euro).

Mörderische Schwestern

Netzwerk
 Die Mörderischen Schwestern sind ein Zusammenschluss von Frauen, deren gemeinsames Ziel die Förderung der von Frauen geschriebenen, deutschsprachigen Kriminalliteratur ist. „Dies geschieht über viele Wege: von der gegenseitigen Unterstützung, dem Bereitstellen von Expertinnenwissen, der individuellen Förderung mittels Stipendien über Krimifestivals und Mentoring bis hin zu Gemeinschaftsaktionen mit anderen Netzwerken und Verbänden“, heißt es auf der Homepage.

Arbeitsstipendium
 Das Netzwerk schreibt jährlich ein Arbeitsstipendium von 1500 Euro aus, um eine Autorin bei der Arbeit an ihrem eingereichten Krimiprojekt zu unterstützen. Dabei ist die Form des Projekts offen. Regionalkrimis werden ebenso gefördert wie akribische Polizeikrimis, atemraubende Thriller oder gar eine Sammlung eigener Krimikurzgeschichten. Die Krimis müssen in deutscher Sprache verfasst sein und sich an ein erwachsenes Publikum richten. Kinder- und Jugendkrimis werden nicht gefördert. Die Bewerbungsfrist für das Stipendium läuft noch bis zum 15. Juni: www.moederische-schwestern.eu

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