Die starre Haltung der FDP ist auch in der eigenen Klientel umstritten. Gerade der Einfluss der Unternehmer könnte in den nächsten Tagen noch wichtig werden, falls die SPD nicht über eine Regierungsbeteiligung reden will – meint unser Berliner Korrespondent Christopher Ziedler.

Korrespondenten: Christopher Ziedler (zie)

Berlin - Fein raus sind die Liberalen noch lang nicht mit ihrer Entscheidung, vor gut zwei Wochen die Jamaikagespräche abgebrochen zu haben. Die FDP mag die heiße Kartoffel an die Sozialdemokraten weitergereicht haben, die sich nun auf ihrem Parteitag mit der quälenden Frage herumschlagen müssen, ob die eigenen Prinzipien oder doch die Verantwortung für das eigene Land schwerer wiegen. Sollte die SPD-Basis jedoch die drohende Selbstzerstörung mehr fürchten als eine anhaltende Regierungsbildungskrise, dürften sich die Augen aber doch wieder auf Christian Lindners Truppe richten. Politisch klug wollte sich dessen Vize Wolfgang Kubicki für diese Eventualität wappnen. Politisch unklug hat der Chef das mögliche Hintertürchen sofort laut zugeschlagen.

In der Unternehmerschaft – aller freidemokratischen Neuerfindung zum Trotz noch immer eine Kernklientel der Liberalen – wird diese starre Haltung jedoch keineswegs als lang vermisste oder gar bewundernswerte Prinzipientreue gewertet, sondern als Verantwortungslosigkeit. Wer um ihren Einfluss in der FDP weiß, mag ahnen, dass ihre lautstark vorgetragene Meinung nicht ohne Konsequenzen bleiben könnte. Sag niemals nie – mehr noch als für britische Doppelnullagenten gilt diese Warnung für Politiker. In der FDP könnten daher noch interessante Zeiten bevorstehen.

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