Die Linden-Apotheke schließt Neues Gesundheitszentrum für Weil im Schönbuch
Die medizinische Infrastruktur in Weil im Schönbuch steht vor einem Wandel. Die Linden-Apotheke wird ab Juli schließen. An ihre Stelle soll ein Gesundheitszentrum treten.
Die medizinische Infrastruktur in Weil im Schönbuch steht vor einem Wandel. Die Linden-Apotheke wird ab Juli schließen. An ihre Stelle soll ein Gesundheitszentrum treten.
Hinter dem Tresen in der Linden-Apotheke in Weil im Schönbuch drängen sich zahlreiche Leute: Alle vereint der Wille, die medizinische Versorgung im Ort für die Zukunft zu sichern: Ärzte, Apotheker, Bürgermeister. Gemeinsam wollen sie das Projekt stemmen, am Standort der heutigen Linden-Apotheke ein Ärztehaus zu betreiben, das bereits Anfang 2028 fertig sein soll.
Die Flora-Apotheke und die Linden-Apotheke in Weil im Schönbuch haben beide eine lange Tradition. Letztere besteht seit 65 Jahren und auch die Flora-Apotheke steuert auf ihr 50-Jahr-Jubiläum zu. Doch alles hat einmal ein Ende. Im Juli schließt Thomas Hornisch seine Apotheke. Eine Nachfolge war nicht in Aussicht, weshalb der Apotheker im vergangenen Jahr den Apotheker Björn Schittenhelm aus Holzgerlingen kontaktierte. „Uns war schnell klar, dass wir hier eine Gesamtlösung brauchen“, sagt der Holzgerlinger.
Deshalb zögerte er nicht lange und sprach Marion Hamacher – die Inhaberin der Flora-Apotheke in Weil im Schönbuch – an. Das war vor knapp einem halben Jahr. Das Konzept ist folgendes: Ab Juli wird Björn Schittenhelm die Linden- und die Flora-Apotheke übernehmen. Die Linden-Apotheke wird geschlossen, damit an diesem Standort die Bauarbeiten für ein Ärzte- und Gesundheitszentrum beginnen können. Die Filialleitung der Flora-Apotheke bleibt indes weiter in den Händen von Marion Hamacher. Dort wird auch das Personal aus der Linden-Apotheke weiterarbeiten. Sobald das Ärztehaus fertiggestellt ist, wird die Flora-Apotheke dorthin umziehen. Der jetzige Standort der Flora-Apotheke wird dann geschlossen.
Ärzte aus Weil haben ebenfalls schon ihr Interesse an dem Projekt bekundet, darunter die Gynäkologin Elisabeth Verfürth und die Hausarztpraxis Mohebi & Mikas. „Wir wollen aber noch auf weitere Ärzte zugehen“, sagt Schittenhelm. Geplant sei ein vierstöckiges Gebäude mit Platz für zwei bis drei Arztpraxen und natürlich für die Apotheke. Projektentwickler wird Klaus Finger sein, Geschäftsführer von Elektro-Breitling und stellvertretender Bürgermeister von Weil im Schönbuch. „Mir ist es wichtig, dass der Innenort belebt bleibt“, sagt Finger.
Ein wichtiger Punkt bei den Überlegungen, das Ärztehaus am Standort der Linden-Apotheke direkt an der Hauptstraße zu errichten, sei die gute Erreichbarkeit der medizinischen Angebote - und später auch die Barrierefreiheit. Für die Linden-Apotheke würde Schittenhelm nämlich aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit gar keine Betriebserlaubnis mehr bekommen, sagt er. „Uns ist wichtig, dass alles fußläufig erreichbar ist“, sagt Bürgermeister Lahl. Dies solle auch weiterhin so bleiben.
Dass das Projekt in dieser Weise realisiert werden kann, sei keine Selbstverständlichkeit, betont Apothekerin Marion Hamacher. „Dazu gehört viel Vertrauen“, sagt sie. Das Projekt sei im engen Austausch miteinander entstanden. Alle hätten das gemeinsame Ziel verfolgt, die Gesundheitsversorgung der Gemeinde für die Zukunft auf ein festes Fundament zu stellen. Dafür seien alle Beteiligten Kompromisse eingegangen und hätten Einbußen in Kauf genommen. „Jeder trägt seinen Teil bei, um das Beste für Weil herauszuholen“, sagt Marion Hamacher.
Einen solchen Zusammenschluss sehen sie als guten Weg für die Zukunft, gerade weil sich Apotheken heutzutage in einer prekären Situation befinden. Viel weniger junge Menschen würden sich für die Selbstständigkeit entscheiden, erklärt Schittenhelm. Aber auch strukturelle Probleme wie der Fachkräftemangel, steigende Personal- und Sachkosten sowie eine stagnierende Vergütung tragen zum Apothekensterben bei. Marion Hamacher beispielsweise stemmt ihre Apotheke fast alleine. „Ich mache meine Arbeit gern“, sagt sie – jedoch nicht unter diesen Bedingungen. Das hat Folgen: Hunderte Apotheken schließen jedes Jahr in Deutschland – ohne dass neue eröffnen. Die medizinische Versorgungsdichte sinkt also seit Jahren stetig. Bundesweit gibt es aktuell noch 16 541 Apotheken – der niedrigste Stand seit dem Jahr 1977.
Im Gemeinderat wurde das Weilemer Projekt noch nicht besprochen, sagt Bürgermeister Lahl. Die Idee selbst hat erst in den letzten Monaten ihre Form angenommen. Trotz des straffen Zeitplans, sind die Beteiligten jedoch optimistisch, dass es in Weil ab 2028 ein neues Gesundheitszentrum geben wird.