Die Luft im Stuttgarter Norden Das Feinstaubproblem ist noch nicht gelöst

Von unserer Redaktion 

Ab 2019 sollen wohl Fahrverbote für Dieselfahrzeuge für bessere Luft sorgen.

Nicht nur am Neckartor werden die Feinstaub-Grenzwerte immer mal wieder überschritten. Foto: dpa
Nicht nur am Neckartor werden die Feinstaub-Grenzwerte immer mal wieder überschritten. Foto: dpa

Stuttgarter Norden - Aus Sicht von Juristen drohen in Stuttgart wegen schlechter Luft 2019 erstmals Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Ein Sprecher der Stadt Stuttgart kündigte am Samstag eine Stellungnahme für diese Woche an (wir berichteten). Er verwies darauf, dass die Entscheidung über einen Luftreinhalteplan beim Land liegt. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bestätigte zudem, dass es eine Bewertung von Juristen des Landes zu einem Urteil vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gebe. Ob allerdings tatsächlich die bei Fahrern von Dieselautos umstrittenen Fahrverbote angeordnet werden, ist letztlich Sache der Politik.

Fakt ist, dass in Stuttgart die Feinstaubgrenzwerte – vor allem am Neckartor – regelmäßig überschritten werden. Das war auch in der vergangenen Feinstaubalarm-Periode so, die vom 15. Oktober 2017 bis zum 15. April dieses Jahres andauerte. Der Alarm wurde ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert hat. Insgesamt hat die Stadt elfmal Feinstaubalarm ausgerufen, der dann insgesamt 56 Tage andauerte. An der Messstation „Am Neckartor“ der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) kam es bis Ende Mai zu 26 Überschreitungstagen.

Nach der Feinstaubsaison hat auch Ewald Thoma Bilanz gezogen. „Die vergangene Saison war teilweise extrem“, sagt der 67-Jährige. Er gehört zum Kernteam des OK Lab Stuttgart, das die Entwicklung der Feinstaubwerte in der Region Stuttgart beobachtet. An Thomas Haus hängen einige der knapp 750 Messgeräte, die in der ganzen Region Stuttgart Feinstaubdaten sammeln und an den Server des OK Lab schicken. Privatleute können diese Sammler selbst zusammenbauen und straßenseitig etwa an ihrem Haus befestigen. Ihre Daten werden dann in das „Feinstaubradar“ eingespeist. So heißt ein Datenprojekt, mit dem unsere Zeitung seit Anfang November die Feinstaubkonzentration in der Fläche misst. Auch wenn dessen Ergebnisse nicht an die Genauigkeit der von der LUBW offiziell ermittelten Werte heranreichen, können sie doch eine Ahnung vermitteln, wie belastet die Luft in einer bestimmten Region ist.

Ein Sensor hängt am Theaterhaus

Im Stuttgarter Norden sind mehr als 40 Sensoren des OK Lab installiert. Sie sind überall in den Stadtbezirken zu finden – am Waldrand, in Wohngebieten oder aber natürlich auch an viel befahrenen Straßen. Somit bilden die Messergebnisse einen Mittelwert für den gesamten Bezirk ab. Im Stuttgarter Norden häuften sich vor allem im vergangenen Winterhalbjahr die relativ hohen Werte. Auch wenn man eine gewisse Ungenauigkeit mitdenkt, meldeten die OK-Lab-Sensoren hier Werte, die in Richtung jener 20 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft lagen, die von der Weltgesundheitsorganisation als gerade noch unbedenkliche langfristige Belastung eingestuft werden.

Einer dieser OK-Lab-Sensoren ist seit Ende November vergangenen Jahres am Theaterhaus an der Siemensstraße zu finden. An dieser Hauptverkehrsstraße hat die LUBW von 2004 bis 2007 die Feinstaubwerte gemessen. Zwischen 51 und 81 Tage im Jahr wurden die Grenzwerte von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft in diesem Zeitraum überschritten.

Ist die Luft an der Siemensstraße in den vergangenen elf Jahren nun besser geworden? Einen Eindruck vermittelt der neue OK-Lab-Sensor am Theaterhaus. Bis einschließlich Januar lagen die Werte deutlich unter dem Grenzwert, im Februar und März dann auch mal drüber. Teilweise wurden bis zu 105 Mikrogramm Feinstaub gemessen. An Silvester waren es um 24 Uhr sogar 350 Mikrogramm.

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