Galerie Fuchs: Ashley Norwood Cooper Schlangen, Farbspritzer und die Angst vor der Pandemie

Ashley Norwood Coopers Werk „Cottonmouth“ (Ausschnitt) Foto: A. N. Cooper/Galerie Fuchs

Die Malerin Ashley Norwood Cooper setzt sich in ihren Werken mit der Angst während der Pandemie auseinander. In der Stuttgarter Galerie Fuchs sind sie zu sehen.

Ja, der Mond ist wirklich weit weg. So weit weg wie das Leben vor der Pandemie. Nicht ohne Grund betitelt Ashley Norwood Cooper ihre Schau nach dem Jazzklassiker „How high the Moon“, der vor allem durch die Interpretation von Ella Fitzgerald bekannt wurde. Die Mehrzahl der Gemälde, die in der Stuttgarter Galerie Fuchs zu sehen sind, entstand während oder kurz nach dem ersten Lockdown 2020. Einer Zeit also, in der das Gefühl des Getrenntseins und der räumlichen Entfernung von Freunden und Verwandten besonders erdrückend war. Aus der erzwungenen häuslichen Isolation heraus schuf die US-Künstlerin Stimmungsbilder zwischen Idylle und Albtraum.

 

Die Künstlerin steht für einen expressiven Realismus

„Wir haben Ashley Norwood Cooper vor zwei Jahren auf der Kunstmesse Volta in New York kennengelernt“, erzählt Hausherr Thomas Fuchs. Seitdem habe er mit seinem Partner das Werk der Malerin aufmerksam verfolgt und sich schließlich entschlossen, sie in Stuttgart zu zeigen. Tatsächlich passen die Arbeiten der 1970 Geborenen perfekt ins Programm der Galerie, zu deren Schwerpunkten die figürliche Malerei gehört.

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Auch Norwood Cooper steht für einen expressiven Realismus in grell leuchtenden Farben. Motive wie der Raumdekor oder die Kleidung verselbstständigen sich dabei gern ins Ornamentale.

Eine Schlange hat sich in das Paradies hinter dem Haus geschlichen

Inhaltlich galt die Aufmerksamkeit der Wahl-New-Yorkerin immer schon dem privaten Lebensumfeld. Auch jetzt bei Fuchs zeigt sie spielende Kinder, blühende Gärten und Männer, die unter der Sommerhitze stöhnen. Doch nicht zu hohe Temperaturen sind es, die das vordergründige Glück bedrohen. Spätestens, wenn die finstere Todeskrähe einem Kind die Brombeeren wegpickt, kippen die vertrauten Genreszenen ins Unheilvolle. Sogar eine Schlange hat sich in das Paradies hinter dem Haus geschlichen. Genauer gesagt, eine Wassermokassinotter.

Der Moment der Gefahr soll zum Ausdruck kommen

„Diese Art“, erläutert die Künstlerin, „lebt hauptsächlich in den Flüssen und Seen im Südosten der Vereinigten Staaten, wo ich aufgewachsen bin. Als Kind hatte ich schreckliche Angst vor ihnen.“

Anspielungen auf den christlichen Sündenfall beabsichtige sie mit dem Bild des giftigen Kriechtiers nicht. Ihr sei es darum gegangen, einen Moment von Gefahr auszudrücken. Denn die Pandemie hat gezeigt: „Wir leben in einer Welt, die wir nicht kontrollieren können.“ Die Befindlichkeit einer aufgekratzten Kollektivseele schlägt sich auch in der Maltechnik nieder. Farbspritzer und eine Pinselspur, die ständig Breite und Richtung wechselt, bringen beabsichtigte Unruhe in das Geschehen. „Obwohl ich gegenständlich male, beeinflusst mich der Abstrakte Expressionismus“, sagt die Amerikanerin über sich selbst.

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Keine Prognosen zur Preisentwicklung

Interessant sind die Psychogramme der Verunsicherung auch unter kunstökonomischen Gesichtspunkten. Ein Kleinformat wie der „Blackberry Picker with Crow“ kostet 2900 Euro, das größere „Boy with a Black-Eye and the Barbary Dove“ bleibt mit 5600 Euro ebenfalls noch für den Mittelschichtsammler attraktiv.

Darf man da auf Wertsteigerung hoffen? Zur Preisentwicklung, winkt Galerist Thomas Fuchs ab, wolle er keine Prognosen wagen. Auch, weil er die Künstlerin zum ersten Mal ausstelle. Bisher war Ashley Norwood Cooper nämlich überwiegend auf dem US-Markt zu haben. Aber das hat sich ja nun geändert. Und internationale Präsenz ist oft ein Zeichen, dass es aufwärts geht.

Bis 30. April, Reinsburgstraße 68a, Dienstag-Freitag 13–19, Samstag 11–16 Uhr..

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