Fola Dada verkörpert in der Konzertshow „Die Nina Simone Story“ die US-amerikanische Sängerin, Pianistin und Bürgerrechtsaktivistin, die als „Diva des Jazz“ gilt. Foto: Wilfried Heckmann
Fola Dada lebt in Stuttgart, doch ihrer Heimat Korntal bleibt sie treu verbunden. Am Sonntag steht die 48-Jährige als Nina Simone auf der Bühne der Stadthalle. Was bedeutet das für sie?
Fola Dada ist ein Tausendsassa: Die 48-Jährige singt als Solistin und in Bands, sie komponiert, unterrichtet Gesang und lehrt als Hochschuldozentin – und schauspielert gern mal. Zurzeit steht die renommierte, preisgekrönte Künstlerin aus Stuttgart unter anderem als Nina Simone auf den Bühnen des Landes, als die US-amerikanische Sängerin, Pianistin und Bürgerrechtsaktivistin, die als „Diva des Jazz“ gilt. An diesem Sonntag, 10. Mai, ist Fola Dada mit „Die Nina Simone Story“ in ihrer alten Heimat Korntal zu erleben.
Ob sie deshalb aufgeregt ist? Fola Dada verneint. Ihr sei bewusst, dass im Publikum frühere Lehrkräfte sitzen könnten oder Menschen, „die mich lange kennen und meine Reise miterlebt haben“. Doch mittlerweile sei sie sich ihrer Sache recht sicher, schließlich bringe ihr Beruf es mit sich, aufzutreten. Nervös sei sie längst nicht mehr. Sie werde eher nostalgisch, wenn sie in der Korntaler Stadthalle an all ihre Erlebnisse dort zurückdenkt. An den Abiball zum Beispiel.
Fola Dada fing im Alter von sieben Jahren mit Stepptanz an
Aufgewachsen im größten Ortsteil Korntal-Münchingens „kenne ich die Stadthalle, seitdem ich ein Kind bin“, erzählt Fola Dada. Sie bezeichnet das Gebäude als „spannendes Bauwerk“. Und als Ort, in dem für sie viel Geschichte stecke, an dem sie als Mensch Entwicklungsstadien durchlaufen habe. Die „emotionale Bedeutung“ überstrahle alles.
Die Bühne sei normal für sie im Leben, sagt Fola Dada. Mit sieben Jahren fing sie mit Stepptanz an. Jetzt Nina Simone zu verkörpern, sei trotzdem eine gewisse Herausforderung. In ihrer Hybridrolle singe sie, schauspielere ein bisschen, und „am Ende werde ich ich selbst sein und das Wort als Fola Dada ergreifen“. Sie sehe sich aber nicht als Schauspielerin, auch deshalb sei es mit Respekt verbunden, Nina Simone zu sein oder, wie Fola Dada es formuliert: sich der vielschichtigen, faszinierenden, spannenden, kämpferischen, mutigen, starken Persönlichkeit anzunähern. „Für meine künstlerische Ausrichtung hat mir die Hybridrolle viel gebracht.“
„Nina Simone war eine vielschichtige und faszinierende Persönlichkeit“, sagt Fola Dada. Foto: Sven Götz
Fola Dada sagt, sie sei „eher das Gegenstück“ zu Nina Simone. „Ich empfinde sie als bittere Person. So werde auch ich äußerlich schwerer und bitterer.“ Die 48-Jährige lacht. „Das kriege ich ganz gut hin. Ich arbeite mit Mimik und Körperhaltung.“ Nina Simones Gesichtsausdrücke seien intensiv gewesen.
Sie träumte davon, einmal die erste schwarze klassische Pianistin Amerikas zu sein. Nach dem Studium bot der Klassikbetrieb ihr aber keine Perspektive: „Denn ich war arm und schwarz“, hat sie einst erzählt. Also begann Nina Simone von kleinen Clubs aus die Welt zu erobern. Ihre Hits ließen sie zur Hohepriesterin des Soul rund um den Globus aufsteigen. Ihre politischen Songs machten sie zur Stimme der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King und Malcolm X.
„Ich sehe die Welt nicht ganz so düster“, sagt Fola Dada
Doch an der Gesellschaft und deren Vorurteilen sowie an ihren Kämpfen mit der Liebe und sich selbst verzweifelte Nina Simone. „Sie empfand sich nicht als Jazzpianistin. Das belastete und beschäftigte sie“ – wie der Weltschmerz und die Ungerechtigkeit, so Dada. Diese grundsätzliche Schwere, das grundsätzliche Gefühl, nicht gesehen zu werden, habe sie, Fola Dada, nie gehabt. „Ich bin positiver gestimmt und sehe die Welt nicht ganz so düster. Ich glaube fest daran, dass alles besser wird. Ich sehe Hoffnung, Licht, Auswege.“
Gemeinsamkeiten hätten die Frauen dennoch. Wie Nina Simone brauche sie das Alleinsein, um nachzudenken und sich über Dinge klar zu werden, meint Fola Dada. „Ich mache das bloß weniger radikal als Nina Simone.“
Das Publikum bekommt tiefe Einblicke in Nina Simons Leben
Die Konzertshow gibt tiefe Einblicke in ihr Leben und die Zeitgeschichte. Sie vereint dabei viele Elemente: Songs und Musik der Band, Filmausschnitte, Hörspiel, Texte, gemalte und gezeichnete Bilder. Das Publikum, so Dada, werde hinterher gestärkt sein, wissender, und auch betroffen.
Die 48-Jährige kehrt übrigens nicht nur für Auftritte regelmäßig zurück nach Korntal. Ihre Zahnärztin ist dort, freundschaftliche Bande und innige Bekannte sind es ebenfalls. Die treffe sie aber seltener, als ihr lieb sei. Die Freizeit des Tausendsassas ist knapp bemessen.
„Die Nina Simone Story“ beginnt am 10. Mai um 19 Uhr. Karten sind erhältlich bei der Stadthalle (07 11/83 67 25 10), in der Bücherei Münchingen (0 71 50/92 07 15 40) und online auf der Seite www.reservix.de.