„Die Partei“ weitet sich nach Grafenau aus Metzger macht mit Satire ernst in der Politik

Von Carolin Klinger 

Dominik Heinkele hat gemeinsam mit sechs Mitstreitern den Grafenauer Ortsverband der Spaßpartei „Die Partei“ gegründet. Nun nimmt er mit viel Humor Kurs auf die Kommunalwahlen – und will im Fall seiner Wahl ganz seriös Themen anpacken.

Die Kunden kennen Dominik Heinkele aus  seiner Metzgerei in Weil der Stadt – jetzt will er auch im Gemeinderat Foto: factum/
Die Kunden kennen Dominik Heinkele aus seiner Metzgerei in Weil der Stadt – jetzt will er auch im Gemeinderat Foto: factum/

Grafenau - Ich will unbedingt berühmt werden“, sagt Dominik Heinkele mit einem Lachen, wenn man ihn fragt, warum er für „Die Partei“ den Grafenauer Ortsverband gegründet hat. Seinen Wahlkampf betreibt er mit Themen, die für Aufsehen sorgen könnten: Er fordert eine Seilbahn, die vom Seniorenzentrum in Dätzingen zur Wiesengrundhalle in Döffingen führt – „damit zusammenwächst, was sich nicht gehört.“ Außerdem will der 46-Jährige Grafenau untertunneln und damit oberirdisch Platz für mehr Außengastronomie schaffen – wovon in erster Linie er selbst mit seiner Metzgerei und Gaststätte profitieren würde.

Die Politik nicht so ernst nehmen, das ist typisch für „Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ – kurz: Die Partei. Auf ihrem Wahlplakat präsentieren sich die sieben Parteimitglieder des Ortsverbands mit knallroten Krawatten oder Schals und verschränkten Armen unter dem Slogan „Für Grafenau reicht’s.“ Darunter werben sie: „Wählt Die Partei – sie ist sehr gut.“ Unter den Ämtern, die die Partei vergeben hat, findet sich das des Grafen von Grafenau, der „sachgerechte Sachpolitik“ machen und in zwei Jahren das Bürgermeisteramt übernehmen soll, und das eines Feminismus-Beauftragten, dessen Aufgaben jedoch noch nicht so klar umrissen sind.

Auch CDU und Grüne warben um den politischen Metzger

Alles nur Quatsch? Wer sich mit Dominik Heinkele unterhält, merkt schnell, dass es ihm mit seinem politischen Ansinnen durchaus ernst ist. Heinkele engagierte sich bereits in jungen Jahren im Jugendhaus gegen rechts, später protestierte er gegen die Schließung einer Schule in Sindelfingen und gegen Stuttgart 21 – in beiden Fällen mit enttäuschendem Ausgang. Bereits zweimal wurde Dominik Heinkele angesprochen, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle – von der CDU und von den Grünen.

Das mag wohl auch daran liegen, dass Heinkele in der Gegend kein Unbekannter ist. Denn das Gasthaus Engel mit seiner angrenzenden Metzgerei in Dätzingen und die zweite Filiale in Weil der Stadt betreiben Heinkele und sein Bruder Christoph bereits in neunter Generation. Doch für die etablierten Parteien wollte er sich nicht vor den Karren spannen lassen. Die Satire-Partei vergleicht Heinkele dagegen mit einem Hofnarr, der als einziger dem König den Spiegel vorhält.

„Im Rathaus haben sie Angst, dass wir einziehen“

Politisch geht es für den Metzger und seine Mitstreiter nun um die Wurst – schließlich nimmt der erst im vergangenen November gegründete Ortsverband Kurs auf die Kommunalwahlen. Dabei rechnet sich Heinkele Chancen auf ein bis zwei Plätze im Gemeinderat aus: „Im Rathaus haben sie Angst, dass wir einziehen.“ Frischen Wind in den Gemeinderat bringen, das wollen Die-Partei-Mitglieder durchaus. Doch die Stimmen der Wähler und die Zeit der anderen Gemeinderatsmitglieder verschwenden, das wollen sie nicht. „Wenn wir in den Gemeinderat kommen, nehmen wir das ernst und blockieren ihn nicht durch Quatsch“, versichert Heinkele. Ein weiteres Anliegen von ihm sei, „Die Partei“ bekannter zu machen und so den Vorsitzenden Martin Sonneborn zu unterstützen.

Um potenzielle Wähler auf seine Partei aufmerksam zu machen, hat Heinkele aus der Eröffnung der Grillsaison vor dem Gasthaus Engel eine Wahlveranstaltung gemacht. Bei einer Wurst konnten sich Neugierige bei den Spitzenkandidaten informieren. „Manche kennen ‚Die Partei’ gar nicht oder denken, wir wären rechts“, sagt Heinkele. Er geht davon aus, dass seine Partei vor allem junge Menschen anspricht, die etwas ändern wollen. „Die Welt, wie sie ist, finde ich verheerend“, sagt er. Aber wer sich politisch engagiert, der kann doch die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht ganz aufgeben haben? „Das stimmt wohl“, gibt Heinkele zu. „Außerdem haben wir verdammt viel Spaß bei unseren Sitzungen.“