Die Physikanten in Leonberg Vom Fernsehen ins Klassenzimmer

Von Bartek Langer 

Zum 50-Jahr-Jubiläum des JKG begeistern die „Physikanten“ mit spektakulären Experimenten und Comedy-Einlagen.

Was raucht denn da? Die „Physikanten“ erklären das gerne. Foto: factum/Granville
Was raucht denn da? Die „Physikanten“ erklären das gerne. Foto: factum/Granville

Leonberg - Ja, ist das vielleicht die langersehnte Lösung, nach der die angeschlagene Automobilbranche händeringend sucht, um die Zukunft einzuläuten und der die Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums Zeuge werden? Während „Highway to Hell“ aus den Lautsprechern wummert, wird die kleine Plattform mit dem Probanden mittels zweier Kompressoren in die Höhe gehievt, bevor dieser angetrieben von einem mit Kohlendioxid befüllten Feuerlöscher „Gas“ gibt und über den Boden gleitet, was stark an Marty McFly und sein legendäres Hoverboard im Hollywood-Blockbuster „Zurück in die Zukunft“ erinnert. Ob Daimler und Co. auf den Zug aufspringen? Man weiß es nicht.

Sei’s drum! Das Ganze ist ein Experiment der „Physikanten“, einer Gruppe von Naturwissenschaftlern und Schauspielern aus dem nordrhein-westfälischen Witten, die es mit ihren spektakulären Versuchen sogar bis ins Fernsehen („Galileo”, “Frag doch mal die Maus”) geschafft und schon etliche Preise abgeräumt hat, wie etwa die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Jetzt sind die „MacGyvers des Ruhrgebiets”, wie sie schon mal in der Presse genannt wurden, zu Gast an dem Leonberger Gymnasium, das in diesem Schuljahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, ist doch der JKG-Schulleiter Roman Peters selbst Physiker.

Mehr lernen als vergessen

„Ich bin davon überzeugt, dass ihr heute mehr an physikalischen Kenntnissen mit nach Hause nehmen werdet, als ihr in eurer Schulzeit vergessen könnt!“, meint Professor Otto Liebermann zur Begrüßung. Und Recht hat der Mann, der den biederen Erklärer gibt, stilecht mit Hornbrille und weißem Kittel. Denn die „interaktive Physikshow“ bietet nicht nur Experimente mit Wow-Effekt, sondern auch Comedy-Einlagen, die in dieser Kombination auch den letzten Muffel für die Welt der Naturwissenschaften begeistern, was nicht zuletzt am Assistenten „Herr Rainer“ liegt, der im Glitzer-Pink-Anzug seine Schusseligkeit mit Aufgedrehtheit wettmacht.

„Wer hat Bock auf 230 Volt?!“, fragt der Assistent, dann bittet er fünf Freiwillige auf die Bühne, bevor er todernst hinterher schiebt: „Habt ihr aktuelle Fotos von euch wegen der Rekonstruktion?“ Nein, so schlimm ist es am Ende doch nicht, aber dafür umso spektakulärer: Die fünf müssen sich in einer Reihe aufstellen, um einen Stromkreislauf zu bilden. Als Spannungsquelle dient ein MP3-Player, und ein gelbes Kabel, die „Linie des Todes“, leitet den Strom durch die Körper der Schüler. Jedes Mal, wenn sie sich an die Hände fassen, ertönt Musik aus dem Lautsprecher. „Menschen bestehen zu etwa 60 Prozent aus Wasser, und da unser Körper viel Salz enthält, leitet er den elektrischen Strom recht gut“, erklärt der Prof. Als nächstes holt er einen Gitarrenkorpus aus Holz mit einem davor angebrachten Laser auf der einen, und einer Fotosolarzelle, die an einem Gitarrenverstärker angeschlossen ist, auf der anderen Seite. „Wenn der Laser auf die Fotosolarzelle gerichtet wird, dann wird eine Spannung erzeugt“, sagt der Experte. „Durch den Strahl ist ein Gummi gespannt, und zupft man an diesem, erklingt durch die schwingende Membran ein Ton wie bei einem verzerrten E-Bass.“ Dann geht die Luzi ab, als der eine zupft und der andere mit einem Kamm die Lichtschranke durchbricht – „DJ Liebermann in da house!“

Kanone Marke Eigenbau

Nach der Nummer mit einem Wasserglas, das sich an einer Schnur befestigt um die eigene Achse dreht, aber dank der Zentrifugalkraft keinen Tropfen verliert, einer ohrenbetäubenden Stickstoff-Explosion und riesigen Rauchringen, die aus einer Kanone Marke Eigenbau ins Publikum abgefeuert werden, gibt es für die beiden Protagonisten tosenden Beifall. Und für die jungen Zuschauer die Erkenntnis, dass die vermeintlich trockene Materie Physik bisweilen Spaß machen kann. So sagt auch Jürgen Stolle, der für die Öffentlichkeitsarbeit beim JKG zuständig ist: „Ich hoffe, dass der ein oder andere jetzt mehr Lust darauf bekommt.“

Die Physikshow ist der Auftakt zu einem bunten Programm im Rahmen des Jubiläums am Johannes-Kepler-Gymnasium, das 1967 als Progymnasium gegründet wurde, weil das damals einzige Gymnasium in der Stadt, das Albert-Schweitzer-Gymnasium, den Schülerzulauf nicht mehr alleine bewältigen konnte. Gefeiert wird der runde Geburtstag unter anderem auch noch mit einem Schulball im kommenden Februar, einer Theateraufführung im Mai, sowie dem gemeinsamen Jahreskonzert mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium im Juli.




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