Die Post im Stress Briefe kommen immer später

Heute Einwurf, morgen Lieferung – so sollte es sein. Foto: dpa/Oliver Berg

Statistiken belegen, was das Gefühl einem sagt: Briefe brauchen immer länger von einem Ort zum anderen. Das kann bittere Konsequenzen haben.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Der Bundesgerichtshof (BGH) scheint eine hohe Meinung von der Post und ihrer Arbeit zu haben. In einem bereits vor 13 Jahren gefällten Grundsatzbeschluss hat das oberste Zivilgericht erklärt, dass „grundsätzlich darauf vertraut werden dürfe“ dass im Bundesgebiet ein werktags aufgegebener Brief am nächsten Werktag auch zugestellt werde. Diese Ansicht haben die Richter während der Hochzeit der Corona-Pandemie noch einmal bestätigt. Zahlreiche Postkunden sind jedoch weit weniger zuversichtlich, dass das größte Briefzustellunternehmen der Republik seine gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Und in der Tat: Die Postlaufquote wird immer schlechter.

 

Trend zur Langsamkeit

Lieferfristen sind genau geregelt

Wann die Post zu liefern hat, das ist genau geregelt – in einem Paragrafenwerk, dessen Name nicht gerade Geschwindigkeit signalisiert: in der Post-Universaldienstleistungsverordnung. Von einem Brief, der an einem Werktag eingeworfen werde, müssen im Jahresdurchschnitt mindestens 80 Prozent am nächsten Werktag und 95 Prozent bis zum zweiten Werktag zugestellt werden, heißt es da. Das bedeutet aber auch: sollte die Zustellung einmal deutlich länger dauern, so ist das auch noch im Rahmen des Erlaubten, es könnte sich ja um einen der Briefe handeln, die zu den restlichen fünf Prozent zählen. Bei 49 Millionen Briefsendungen, die die Post laut eigenen Angaben täglich bearbeitet, sind also rund 2,5 Millionen Briefe pro Tag ganz den regeln entsprechend länger als zwei Tage unterwegs. Ist man einer deren Empfänger, kann das durchaus ärgerlich sein.

Der Trend geht zu mehr Langsamkeit

Natürlich wird das Ganze kontrolliert. Die Bundesnetzagentur schaut auf die Zahlen – die allerdings von der Post selber erhoben werden. Und selbst bei den von der Post zusammengestellten Daten zeigt der Trend eindeutig zu mehr Langsamkeit. Waren vor zehn Jahren noch mehr als 92 Prozent der Briefe am nächsten Werktag beim Empfänger, so schaffte die Post im vergangenen Jahr mit Müh und Not die gesetzliche Vorgabe. 80,4 Prozent der Briefe sind da am Tag nach dem Einwurf zugestellt worden.

Um die 2700 Euro für Zusteller

Wobei die Post auch eine Statistik vorweisen kann, nach der es mehr als 85 Prozent der Briefe am nächsten Werktag bis zum Empfänger schaffen. Die Unterschiede der Statistiken stammen daher, ob die Betriebs- oder die Verbrauchersicht zugrunde gelegt werden. Für die Betriebssicht ist der Zeitpunkt maßgeblich, an dem der Briefkasten geleert wird. Für die Verbrauchersicht zählt der Zeitpunkt des Einwurfes. Dazwischen können einige Stunden liegen. Allerdings: Auch bei der für die Post günstigeren Betrachtung zeigt die Kurve nach unten. Vor zehn Jahren lag die Quote um fast zehn Prozent besser. Und auch die Messungen, die beurteilen, ob die 95-Prozent-Quote nach zwei Werktagen eingehalten werden zeigen einen klaren Trend. Von ehemals mehr als 99 Prozent ist die Post weit entfernt, mit 95,5 Prozent wird die Vorgabe 2022 gerade noch so erreicht.

Mitarbeiter zu finden ist schwer

Als flächendeckender Postdienstleister könne man Unregelmäßigkeiten „nie ganz ausschließen“, heißt es von der Post. Jede einzelne Kundenbeschwerde werde aber „sehr ernst“ genommen. Die Gewerkschaft Verdi benennt einen der Punkte, mit denen die Post zu kämpfen hat: das Personal. Vor allem in wirtschaftlich prosperierenden Zonen wie in Stuttgart oder Freiburg habe es die Post schwer, Mitarbeiter zu finden – und das, obwohl sie in der Branche die besten Löhne bezahle. Um die 2700 Euro bekomme ein Zusteller, heißt es aus der Gewerkschaftszentrale in Berlin. Allerdings: Immer häufiger müssten die Zusteller schwere Pakete an Stelle von Briefen schleppen – der Job ist nicht für Jeden.

Wenn es darum geht Fristen zu wahren, kann eine Verspätung massive Auswirkungen haben. Bei Schreiben, die der medizinische Dienst der Krankenkassen versendet, geht es oft darum, dass die angeschriebenen schnell reagieren. Man habe „die Laufzeiten bei der Post bereits reklamiert“ heißt es von dort, nachdem es entsprechende Rückmeldungen von Versicherten gab. Wie viel man sich von dieser Reklamation verspricht, macht eine weitere Ankündigung deutlich: Man habe schon einmal die Prozesse im eigenen Haus angepasst und besonders wichtige Ankündigungsfristen ausgeweitet.

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