Die riesigen 360-Grad-Bilder von Louis Braun Was ist abhandengekommen?

Reportage: Robin Szuttor (szu)
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1916 stirbt Braun an einer Gesichtsrose. Es war schon lange nicht mehr seine Welt. Seine Panorama-Bilder sind überrollt von neuen Medien wie Film und Fotografie und bleiben nur eine kurze Laune der Kunstgeschichte. Der ritterliche Kampf zu Pferd, das Hurra auf militärische Herrlichkeit wirken spätestens mit Beginn des Ersten Weltkriegs, dem „Krieg der Maschinen“, wie aus einer Puppenstubenwelt. Im Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, der auch vor dem Hintergrund dieser zu Ende gehenden Epoche spielt, beschreibt Robert Musil die Zeitenwende mit punktgenauer Eleganz. Und irgendwie kommt einem das alles heute verdächtig aktuell vor:

„Was ist abhandengekommen? Etwas Unwägbares, ein Vorzeichen, eine Illusion. Wie wenn ein Magnet die Eisenspäne loslässt und sie wieder durcheinander geraten. Wie wenn Fäden aus einem Knäuel herausfallen. Wie wenn ein Orchester falsch zu spielen anfängt. Personen ernteten Ruhm, die man früher nicht für voll genommen hätte. Unabhängige zollten dem Beifall Zugeständnisse. Der schon gebildete Geschmack erlitt von neuem Unsicherheiten. Irgendeine neue Fähigkeit, sich zu versippen, hob neue Menschen und Vorstellungen empor. Es ist, als ob sich das Blut oder die Luft verändert hätte. Aber alles funkelt vor Neuheit, und zum Schluss weiß man nicht mehr, ob wirklich die Welt schlechter geworden sei oder man selbst bloß älter. Dann ist endgültig eine neue Zeit gekommen.“

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