Die Schmieder-Kliniken auf der Gerlinger Schillerhöhe wollen erweitern Der Streit über ein Stück Wald zieht sich hin

Ein Hektar Wald zwischen der Klinik Schmieder (links) und dem Parkplatz (rechts im Hintergrund) steht zur Disposition. Foto: factum/Granville
Ein Hektar Wald zwischen der Klinik Schmieder (links) und dem Parkplatz (rechts im Hintergrund) steht zur Disposition. Foto: factum/Granville

Die Kliniken Schmieder wollen ihr Reha-Krankenhaus auf der Gerlinger Schillerhöhe erweitern. Die Stadt ist dafür. Weil aber ein Hektar Wald im Weg ist, sind andere Behörden mit im Spiel. Dies fordert Geduld von den Beteiligten.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Gerlingen - Es soll keine eigene Klinik werden. Aber die Kliniken Schmieder auf der Gerlinger Schillerhöhe wollen die bestehenden Reha-Einrichtung erweitern. Vom neuen Anbau aus sollen die Patienten kurze Wege in die vorhandenen eigenen Therapieräume und die mit genutzten Diagnosebereiche des benachbarten Robert-Bosch-Krankenhauses haben. Die am besten geeignete Fläche für einen Erweiterungsbau liegt nur wenige Meter entfernt. Es gibt nur einen Haken: Dort stehen Bäume, 10 000 Quadratmeter Wald müssten gerodet werden. Die Planung läuft seit anderthalb Jahren. Noch sind die Genehmigungsbehörden nicht davon überzeugt, dass die Rodung nötig ist; Stadtverwaltung und Schmieder-Management werden ungeduldig.

Im Juli 2014 ist das Projekt im Gerlinger Gemeinderat vorgestellt worden (siehe auch „Die Kliniken auf der Schillerhöhe“). Der Gemeinderat und die Verwaltung waren rasch überzeugt; die Verfahren, um den Flächennutzungs- und den Bebauungsplan zu ändern, begannen. Auch die Bürger stünden dahinter, sagte der Bürgermeister Georg Brenner am Freitag vor der Presse, es seien keine Einwände eingegangen. Mit den Behörden aber müsse man sich umfänglich auseinandersetzen – das Verfahren beschrieb der Rathauschef als „zähflüssig“. Die Stadt habe dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium „alles vorgelegt, was zur Entscheidung notwendig ist“ – nun wünsche man sich, „dass wir schnell zum Ergebnis kommen“. Brenner betonte, man erhebe keine Vorwürfe.

Bedarf mit 180 Betten definiert

„Es ist eine Frage des Wollens und Gestaltens“, sagte Dagmar Schmieder, die Vorsitzende der Kliniken-Geschäftsführung. Im Erweiterungsbau sollen 120 bis 140 Betten untergebracht werden, vorhanden sind 143. Den Bedarf gebe es, hatten die Klinikmanager zu Beginn des Genehmigungsprozesses betont; er sei mit 180 Betten in der Region Stuttgart definiert. Die nächsten Fachkliniken befänden sich in Göppingen, Langensteinbach bei Karlsruhe und in Heidelberg. Angehörige müssten zum Teil lange Wege auf sich nehmen.

Die Klinikerweiterung sei medizinisch begründet, betonte der Gerlinger Chefarzt Rudolf van Schayck. Jedes Jahr bekämen zahlreiche Patienten keinen Behandlungsplatz und müssten ins Pflegeheim. Der Erweiterungsbau sei so nahe wie möglich am Bestand nötig. „Wenn die Patienten spazieren gehen können, müssen sie nicht mehr in der Klinik sein“. „Natürlich muss Naturfläche geopfert werden“, sagte van Schayck. Man mache das „nicht leichtfertig“. Mit ihrer Haltung übernehme die Stadt Verantwortung für die Region.

Wald ist ein Bestandteil der ehemaligen Schlossgärten

Die Stadt habe „noch nicht ausreichend genug dargelegt“, warum exakt der beantragte Standort, also die Waldfläche, „zwingend realisiert werden muss“, sagt indes Matthias Kreuzinger vom Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) auf Anfrage unserer Redaktion. Das Landesdenkmalamt (LDA) habe Einwände, weil die Fläche geschützter Bestandteil der einstigen Gärten von Schloss Solitude sei. Das LDA sei aber gesprächsbereit. Die Bearbeitungszeit beim RP bewege sich „im üblichen Rahmen“ – nächste Woche gehe die Stellungnahme raus. Dann fehle noch die Abstimmung mit dem LDA. „Wenn dargelegt wird, dass ein Erweiterungsbau woanders nicht sinnvoll oder möglich ist, ist das eine andere Entscheidungsbasis“, sagt Kreuzinger.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Ludwigsburger Landratsamt Ludwigsburg. Es sei nicht ausreichend begründet, warum die Waldrodung nötig sei. Alternative Standorte für die Klinikerweiterung seien nicht ausreichend geprüft worden. Zudem, sagt Andreas Fritz vom Landratsamt, habe sich die Stadt noch nicht endgültig auf eine Fläche zur „Waldumwandlung“ festgelegt. In dieser Woche habe die Kreisbehörde die Stadt nochmals aufgefordert, sich „zumindest dezidiert“ mit einer alternativen unbebauten Fläche im Süden des Klinikgeländes auseinanderzusetzen.




Unsere Empfehlung für Sie