In unserer Serie geben wir Tipps für sportive Kurztripps. Heute: Sommerski-Langlauf.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Göppingen - Auf den letzten Metern ist kräftiger Stockeinsatz gefragt. Mit der Skating-Technik kämpft sich Claus Mai die letzten Meter hoch zu der Anhöhe bei den Wangener Linden im Kreis Göppingen. Dynamisch und ästhetisch sieht es aus, wenn er auf seinen Rollski unterwegs ist – aber auch anstrengend. Der Schweiß tropft ihm an diesem Hochsommertag von der Stirn, das graue T-Shirt ist pitschnass. Doch trotz der Strapazen bei über 30 Grad Celsius blitzt ein Lächeln auf: „Natürlich zieht es mich beim ersten Schnee sofort in die Loipe, doch im Sommer ist das doch eine tolle Alternative, sich fit zu halten“, sagt der 52-Jährige.

Koordination und Gleichgewichtssinn werden geschult

Das Herz-Kreislauf-System freut sich über die regelmäßigen Bewegungseinheiten. Die Kondition wird verbessert. Der Abbau von Stresshormonen ist ein weiterer Aspekt. Diese Vorteile haben alle Ausdauersportarten gemeinsam. Doch der Sommerlanglauf hat etwa gegenüber dem Joggen Vorteile: Das Gleiten auf Skirollern sei „dynamischer, weniger eintönig“, schwärmt Claus Mai. Wie im Winterlanglauf punktet das Ganzköpertraining durch das Schonen der Gelenke. „Nur das Ellbogengelenk wird durch den Stockeinsatz stark belastet“, sagt er. Ansonsten werden Arme, Beine, aber auch die Rumpfmuskulatur gleichermaßen in Anspruch genommen. 90 Prozent aller Muskeln sind gefordert. Dazu werden Koordination und Gleichgewichtssinn geschult. Allerdings ist die Ausübung der technisch anspruchsvollen Langlauf-Sommervariante nur Sportlern zu empfehlen, die sich auch im Schnee auf Skiern sicher fühlen.

Claus Mai hat im Alter von fünf Jahren mit Skilanglauf begonnen. Bis 2005 hat er an Wettkämpfen teilgenommen. Dreimal startete er auch bei der größten Skilanglaufveranstaltung der Welt – dem Wasalauf in Schweden über 90 Kilometer. Heute versucht er sich im Sommer zwei- bis dreimal pro Woche auf den Sommerskirollern fit zu halten. Das Sportgerät besteht aus einem langen Holm und zwei Rädern. Diese sind am vorderen und hinteren Ende des Rahmens befestigt. Der Achsenabstand zwischen den Rädern beträgt zwischen 53 und 61 Zentimetern bei Rollskiern für die Skating-Technik und 70 Zentimeter für die klassische Technik. Der normale Rollski eignet sich nur für die Fahrt auf glatten Flächen wie asphaltierten Straßen.

Zehn bis zwölf Kilometer ist Claus Mai bei seinen Trainingsläufen auf Achse. Entweder dreht er mehrere Runden in seinem Wohnort Wangen oder er gleitet auf der alten Bahnstrecke von Göppingen-Faurndau nach Schwäbisch Gmünd. „Man bekommt den Kopf frei, kann die Seele baumeln lassen“, wirbt der für seine Sportart.

Zu gefährlich für öffentlichen Verkehr

Allerdings ist beim Ausüben des Sommerlanglaufs durchaus Vorsicht angebracht. Nur Sondermodelle für Anfänger verfügen über Bremsen. Deshalb wäre es viel zu gefährlich am öffentlichen Verkehr teilzunehmen. Die Kugellager der Rollen sind lediglich „eingebremst“, um den Trainingseffekt zu verstärken. Dies entspricht dem Widerstand im Schnee.

Da ein Sturz auf Asphalt schmerzhaft sein kann, sollten Anfänger wie Profis neben einem Helm auch Handschuhe, Knie- und Ellbogenschoner tragen. Schuhe und Stöcke können von der Winterausrüstung benutzt werden. Bei den Stöcken müssen lediglich die herkömmlichen Spitzen gegen Spitzen aus gehärtetem Stahl ausgetauscht werden, da diese sich auf dem Asphalt weniger schnell abnutzen.

„Gute Wintersportler werden im Sommer gemacht“, sagt Claus Mai und zieht mit einem Lächeln den Helm vom Kopf. Jetzt freut sich der Fan von Eintracht Frankfurt und Frisch Auf Göppingen auf ein gutes Abendessen. Verdient hat er es sich. Denn wer intensiv auf dem Skiroller unterwegs ist, verbrennt ordentlich Kalorien.

Wo gibt es das?

Eine professionelle Sommerlanglaufstrecke gibt es von der Skizunft Römerstein in Böhringen auf der Schwäbischen Alb. Die Adresse lautet: Skizunft Römerstein, Teckstraße 10, 72587 Römerstein.

Informationen gibt es auf der Homepage: www.skizunft-roemerstein.de.

Die Strecke ist 2,5 Kilometer lang und für die Öffentlichkeit zugänglich. Man sollte sich zuvor jedoch mit dem Verein in Verbindung setzen. Es ist ein kleiner Obulus zu entrichten.

Was ist zu beachten?

Sommerlanglauf muss abseits des Straßenverkehrs stattfinden und sollte nur von Sportlern ausgeübt werden, die auch im Winter auf Langlaufskiern geübt sind.

Was braucht man dafür, und was kostet der Spaß?

Die Skiroller kosten etwa 300 Euro. Schuhe und Stöcke können aus der Winterausrüstung benutzt werden. Schoner sind für 30 bis 40 Euro zu haben. Als Kopfschutz kann ein normaler Fahrradhelm verwendet werden.

Alle Serienteile auf einen Blick unter:

http://stn.de/aktivimsommer