Die Sieben Schwaben Schwaben am Spieß

Von Irene Ferchl 

Durch seine Ballade „Schwäbische Kunde“ machte Ludwig Uhland den Begriff dann wirklich populär – und legte wohl den Grundstein für dessen dialektische Verwendung. Denn inzwischen kann der Schwabenstreich ebenso eine törichte, ungeschickte Handlung bezeichnen wie eine wagemutige und zielorientierte, die intellektuelle Fähigkeiten voraussetzt. Siehe die Verwendung des Ausdrucks für die Protestaktionen gegen Stuttgart 21.

„Die Geschichte der sieben Schwaben, welche zusammen mit einem Spieß auf einen Hasen losgehen, hat seit undenklichen Zeiten in ganz Deutschland eine Berühmtheit bekommen, wie kaum eine andere Sage“, heißt es in der Nachbemerkung zu einer rund siebzig Seiten langen Folge von Episoden, 1827 in München anonym in einem „Volksbüchlein“ erschienen. Ein Zufall habe ihm in einer aufgelösten Schwäbischen Reichsabtei eine Handschrift in die Hände gespielt, leider unvollständig und mit Spuren einer modernen Überarbeitung. Er halte es aber für seine Pflicht, das Buch so zu belassen, wie er es vorgefunden habe, denn „der Sprachliebhaber wird so manches schöne, bedeutsame Wort finden, von dem er wünschen würde, daß es ins Schriftdeutsche übertragen würde“. Überaus geschickt hat Ludwig Aurbacher, denn um ihn handelt es sich bei dem angeblichen Herausgeber, seine Autorschaft fiktionalisiert. Ludwig Aurbacher, 1784 in Türkheim geboren, war Professor für deutschen Stil und Ästhetik in München, ein Mann von großer Belesenheit, was zahlreiche Anspielungen und Worterklärungen belegen.

Ludwig Aurbacher gibt ihnen Namen

Seine „Abenteuer der sieben Schwaben“ und die nachfolgenden „Abenteuer des Spiegelschwaben“ wurden derart populär, dass sie bis heute immer wieder aufgelegt und vielfach bearbeitet wurden. Bei Ludwig Aurbacher sind die Männer zu ausgestalteten, wenn auch einfachen Charakteren geworden, sie erhalten Namen und werden verortet. Ihre Reise durch Schwaben lässt sich nachzeichnen. Der „Seehaas“ stammt aus Überlingen und heißt so nach einem „Unthier“, der „Nestelschwab“ nach den Schnüren (Nesteln) an seinen immer rutschenden Hosen, der „Blitzschwab“ vom Lechfeld wegen seiner – Potz-Blitz- Flüche. Der „Knöpfleschwab“ isst und kocht gern, der „Spiegelschwab“ aus Memmingen putzt seine Nase am Ärmel ab, der deshalb spiegelt, und der „Allgäuer“ aus Hindelang ist der stärkste und immer vorne dran am Spieß. Der „Gelbfüßler“ aus Bopfingen hat seinen Namen nach der Ortsneckerei mit den zertretenen Eiern – ein Beispiel für zahlreiche eingeflossene Streiche und Eulenspiegeleien.

Zahlreiche Illustratoren haben das reizvolle Sujet im 19. und 20. Jahrhundert aufgegriffen, und vieles davon war 2013 in einer Ausstellung über die „Sieben Schwaben“ im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld zu betrachten. Gänzlich unbekannt aber ist die Folge von (insgesamt 14) aquarellierten Tuschpinselzeichnungen, die der Dresdner Künstler Otto Schubert um 1920 gefertigt hat. Seine Typen sind originell und überzeugend in ihrer knitzen Dreistigkeit, vermeintlich einfältig, vielleicht schalkhaft überlegen – oder, wie es bei Aurbacher heißt: „E bissele dumm ischt am End jeder, aber so dumm, wie mancher ischt doch keiner.“