Die Stadt erwacht: Das Milaneo In den Schaltzentralen sind die Nächte kurz

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Die Shops im Milaneo öffnen um zehn Uhr. Aber schon etliche Stunden vorher machen die Haustechniker ihre Kontrollgänge durch die Versorgungszentralen. Auch an den Imbiss-Ständen, beim Bäcker und im Lebensmittelmarkt beginnt der Arbeitstag schon früh.

Viele Mitarbeiter müssen früh aufstehen:  Ehe das Milaneo öffnet, werden die Auslagen gefüllt. Mit der Putzmaschine werden die Böden auf Hochglanz gebracht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 15 Bilder
Viele Mitarbeiter müssen früh aufstehen: Ehe das Milaneo öffnet, werden die Auslagen gefüllt. Mit der Putzmaschine werden die Böden auf Hochglanz gebracht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Shops im Milaneo öffnen um zehn Uhr. Aber schon Stunden vorher machen die Haustechniker ihre Kontrollgänge durch die Versorgungszentralen des Einkaufszentrums, die der Sicherheit auf den 43 000 Quadratmetern Verkaufsfläche dienen.

6.00

Von der Heilbronner Straße aus wirkt die Shopping-Mall so, als würde sie noch schlafen. Außer den Leuchtreklamen außen ist kein Lichtstreifen zu sehen. Die Parkhauseinfahrten sind zugesperrt. Doch am Eingang neben der U-Bahnhaltstelle Stadtbibliothek herrscht schon Betriebsamkeit. Das Putzpersonal saugt und wischt an diesem Portal. Es ist der einzige der insgesamt vier Eingänge, der schon geöffnet ist, damit die Milaneo-Mitarbeiter, die früh beginnen, an ihren Arbeitsplatz gelangen können.

So wie die Betreiberin der Eisdiele. Sie hat jetzt schon die Maschinen angestellt, in denen Sorten wie Stracciatella, Erdbeere oder Pistazie gerührt werden. Ein Mitarbeiter eines Imbissstandes karrt einen Wagen voller Kartons gefüllt mit Tomaten, Gemüse und Obst aus der Anlieferungszone heran. Beim Bäcker werden Brot, Brezeln, Brötchen und süßer Plunder eingeräumt. Der Laden öffnet um 7 Uhr, damit auch ganz Eilige sich hier auf dem Weg zur Stadtbahn ein Frühstück holen können.

Perparim Maholli hält den Frühaufsteher-Rekord. Er ist schon seit 5.30 Uhr in der Mall. Der Anlagenmechaniker für erneuerbare Energien gehört zum Team der Haustechniker und macht seinen morgendlichen Kontrollgang zu all jenen Räumen, die dem Kunden zwar verborgen bleiben, ohne die aber das Einkaufserlebnis in den 200 Shops gar nicht möglich wäre.

6.30

Jetzt steht die Kontrolle der Brandmeldezentrale für das Parkhaus auf dem Programm des Haustechnikers. „Wir simulieren einen Feueralarm“, sagt Maholli. Davon merkt außerhalb niemand etwas. Für die oberen Stockwerke gibt es eine weitere Brandmeldezentrale. Die Überwachung der dritten Anlage für die 415 Wohnungen im Milaneo, die Büroflächen und das Hotel übernehmen indessen die Mitarbeiter der Hausverwaltung. Der Haustechniker Maholli und seine fünf Kollegen sind die Herren über die Shops sowie über die insgesamt 1680 Parkplätze, die das Center seinen Kunden bietet.

7.00

Die Putzbeleuchtung, die seit 6 Uhr den Fahrern der Kehrmaschinen in der Parkgarage die Arbeit ermöglicht hat, wird ausgeschaltet. Die Lichter gehen an. Täglich wird auch hier nass gereinigt. Einmal pro Monat prüfen die Haustechniker das Notstromaggregat. Bei Stromausfall versorgt es die Notbeleuchtung, die Kühlung, die Riesenventilatoren für die Lüftung und die Rolltreppen im Center. 17 Lüftungszentralen besitzt das Milaneo. Die Abluft aus den Shops sowie die fettigen Hinterlassenschaften aus den Imbissküchen legen den Weg über drei Etagen runter zur Anlage im Parkhaus zurück. Die Abluft wird dort gereinigt und geht nach draußen. Frischluft wird angesaugt. Ob das alles programmgemäß funktioniert, kontrolliert Perparim Maholli ebenfalls vor Ort. Tagsüber werden die Funktionen in der Haustechnik-Kontrollzentrale an Monitoren überwacht.

7.20

Test in der Sprinklerzentrale: 20 000 Liter Wasser lagern in einem Tank. Im Fall des Falles würden sie aus unzähligen Sprühköpfen im Parkhaus verspritzt. Weitere Leitungen sorgen für Nachschub: 1000 Liter Wasser laufen pro Minute durch einen einzigen Sprinklerkopf. Der Techniker simuliert auch hier einen Probealarm. Zwölf Hähne dreht er auf, es gurgelt und zischt in den Leitungen. An allen Ecken und Enden blinken Warnleuchten. Alles okay, kann Maholli ins Berichtbuch schreiben.

8.00

Dafür dass im Center immer eine angenehme Temperatur von etwa 22 Grad herrscht, sorgt die Kälteanlage – die nächste Station auf dem Kontrollgang. In eine Ringleitung durch das gesamte Center wird um diese Uhrzeit kaltes Wasser gepumpt. Die einzelnen Shops versorgen damit ihre individuellen Klimageräte. Bei kühlem Wetter macht sich die moderne Technik in dem Rückkühlwerk die frostige Außentemperatur für die Kaltwasseraufbereitung zunutze. Und im Winter sorgt Fernwärme ganzjährig für 22 bis 24 Grad in der Mall.

8.30

Auf einem Rollwagen fährt die Mitarbeiterin eines Modegeschäfts einen mannshohen Stapel Kartonagen zum Lastenaufzug, der hinab führt in die Abfallzentrale. Das alles wurde heute früh schon ausgepackt. Auf den Einkaufsetagen herrscht jetzt beim Reinigungspersonal Hochbetrieb. Von Hand werden Glasscheiben und Edelstahlarmierungen gewienert. Die Fußböden erhalten ihre Morgentoilette durch elektrische Kehrmaschinen – und diejenigen davon, die sogar einen Fahrer haben, erinnern an hochgebockte Autoskooter .

Letzte Vorbereitungen vor der Öffnung um 9 Uhr im Lebensmittelmarkt: Wurst und Käse werden aufgefüllt, Bananen und Orangen in den Auslagen drapiert. Adem Efeus hat an seinem Imbissstand ebenfalls schon einiges geleistet. In Edelstahlbehältern liegen griffbereit kiloweise geschnittenes Rotkraut sowie Zwiebeln und Salate bereit. Das alles hat er heute früh frisch geschnitten. Jetzt knetet er den Teig für seine türkischen ­Pizzen.

9.00

Maholli kann jetzt zum gemütlicheren Teil seiner morgendlichen Aufgaben übergehen. Der Fahrstuhl bringt ihn ins Büro des Centermanagements. Dort in einen winzigen Raum ist die Musikzentrale. 120 Internetsender sowie hunderte Playlists für Shopping Malls stehen hier für die dezente und allgemein verträgliche Beschallung zur Auswahl. Die Mitarbeiter wählen, und die Musik spielt. Auch die Lichtintensität im Center kann von hier aus gesteuert werden. Und wie hält es das Milaneo mit verkaufsfördernder Beduftung? Der Techniker winkt ab: Das gibt es hier nicht.

Beim Bäcker sitzt ein Pärchen und genießt Kaffee und Croissants. Die Rolltreppen laufen und die Lebensmittelläden haben geöffnet. In einer Stunde gehen auch die Rolltore der Modegeschäfte nach oben und der reguläre Betrieb im Shoppingcenter beginnt.




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