Die Stadt erwacht – Freibad Kollege Sauger ist früh im Einsatz­

Von Jürgen Löhle 

Während viele Stuttgarter noch schlummern, sind andere bereits im Einsatz. Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele werden für den Tag herausgeputzt. In unserer Serie blicken wir hinter die Kulissen – diesmal schauen wir dem Freibad in Vaihingen beim Aufwachen zu.

Kontrollgang durch die Rutsche, damit keine Scherben die Rutscher verletzten können. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 10 Bilder
Kontrollgang durch die Rutsche, damit keine Scherben die Rutscher verletzten können. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Lange bevor die ersten Schwimmer im Freibad im Rosental ihre Runden drehen, herrscht dort rege Betriebsamkeit. Ein kleiner Saubermann beginnt gar mitten in der Nacht mit der Arbeit.

5.45

Es wird gerade so hell, die Straßen hin zum Vaihinger Freibad sind menschenleer, die Ampeln noch aus. Nur ein einsamer Jogger mit Hund ist zu sehen, der Hund wirkt ein wenig müde. Die Stadt ist noch still, nur das Rascheln der Blätter in den hohen Parkbäumen ist bei einem leichten Wind zu hören. Die ersten Sonnenstrahlen verheißen Gutes, es sieht nach einem schönen Tag aus. Heute wird es im Freibad sicher voll werden, schließlich sind Ferien.

6.00

Das Gittertor vor dem breiten Eingang ist noch vorgezogen, aber doch schon einen Spalt geöffnet. In einer Stunde kommen die ersten Badegäste, bis dahin müssen die zwei Becken, die Duschen und die Umkleiden bereit sein. Also alles sauber und sicher, das Wasser mit korrektem Chlor- und PH-Wert und vor allem wohl temperiert. Im Büro hinter dem Kassenschaltern lässt Schwimmbadleiter Klaus Schlipf die Kaffeemaschine blubbern. Fünf Mitarbeiter und zwei Azubis sind auch schon da, der Tag kann beginnen. „Vieles ist Routine“, sagt Klaus Schlipf bei einem Schluck Kaffee der Tote wecken könnte, „aber längst nicht alles.“

Was haben die Nachtschwimmer vergessen?

Keine 50 Meter entfernt liegen die Schwimmbecken ruhig im Morgenlicht. Das blaue Wasser ist spiegelglatt – bis einige Enten aus dem benachbarten Parksee zur Landung im Spielbecken ansetzen. „Das kommt immer wieder vor“, erklärt Bärbel Köhler, die das beurteilen kann, weil sie schon seit 31 Jahren hier im Rosental arbeitet. Die Schwimm-Meisterin kontrolliert gerade einen braven Helfer, der schon seit Stunden klaglos schafft. Um zwei Uhr in der Früh schaltet sich der automatische Schwimmbadsauger an und fährt Pflaster, Haargummis und Haare fressend seine Bahnen über den Grund des Schwimmerbeckens. Das Kerlchen ist quietschgelb und verlangt keinerlei Nachtzuschläge. Dafür bleibt er manchmal kurz hängen und gibt empörte Gurgelgeräusche von sich. Dann gibt es von Bärbel Köhler einen Klaps mit einer langen Stange und schon saust das submarine Saubermännchen weiter durch die Tiefe.

Die Morgen-Crew kontrolliert derweil nach einer Checkliste das Bad. Dabei werden der Beckenumgang und die Freiduschen abgespritzt, die Bänke vom Tau getrocknet und auf der Wiese geschaut, was Nachtschwimmer so alles vergessen haben. Ja, die gibt es, das riesige Gelände ist nachts trotz Security-Streifen nicht komplett zu kontrollieren, der Zaun kein besonders hohes Hindernis. Bärbel Köhler berichtet von Sektflaschen und Teelichte, die man morgens korrekt entsorgt im Mülleimer findet. „Da haben es sich dann einige richtig gut gehen lassen“, sagt sie lächelnd Das Schwarzbaden ist allerdings verboten, aber wenn sich die Leute nicht benehmen wie die Axt im Wasser auch kein schweres Delikt. Aber böse Buben gibt es natürlich auch und die werfen schon mal eine Sitzbank ins Wasser oder lassen ihren Müll liegen. Deshalb wird vor der Öffnung der Kasse auch immer im Bereich der Becken und Duschen nach Scherben gesucht.

6.30

Eine Auszubildende läuft vorsichtig die 100 Meter lange Rutschbahn ab. Auch hier wird nach Scherben gesucht, was besonders auf den letzten Metern mühsam ist, da die Rinnenrutsche dort ein Dach hat und die Auszubildende kriechen muss. Derweil werden die Duschhäuser mit viel Wasser und Reinigungsmittel geschrubbt und auch die großen Rasenmäher in Stellung gebracht. Die laufen aber nicht jeden Tag und niemals vor acht Uhr wegen der Nachbarn.

In 15 Minuten geht es los, Bärbel Köhler dirigiert per Fernbedienung den Saugroboter zu sich und zieht ihn mit einem beherzten Ruck aus dem Wasser und auf ein Wägelchen. Der Kollege hat nun erst mal Pause und kommt in den Geräteraum. Danach werden die kontrollierten Wasserwerte noch in eine Liste eingetragen und die Temperatur gemessen. 23,4 Grad sind es heute morgen, der Wert wird nachher mit Kreide auf die große Tafel am Eingang geschrieben, wo sich kurz vor Sieben schon langsam die ersten Schwimmwilligen versammeln. Aber noch bleibt das Tor zu, erst muss noch der Notfall-Rucksack rausgehängt werden. Als letztes wird der große Schirm aufgekurbelt unter dem sich die Schwimm-Meister und Rettungsschwimmer zur Aufsicht versammeln. Dann ist das Bad mit seinen 2700 Quadratmetern Wasserfläche bereit.

6.55

Der Kassenschlater öffent, den braucht man aber um die Zeit so gut wie nicht. Die Frühschwimmer haben fast alle Dauerkarten, man kennt sich, nickt sich zu und schreitet beherzt Richtung Beckenrand. Gäste, die in der Nähe wohnen kommen auch schon mal im Bademantel. Die Enten flüchten derweil erschreckt, die kalten Duschen gurgeln, die Schwimmer darunter prusten und stöhnen und kurz danach ist im Schwimmerbecken Berufsverkehr. Die Sonne blitzt schräg über das Dach des Gerätehauses und lässt das Wasser glitzern. Die Ruhe ist dahin, aber wird ein schöner Tag.

Und noch ein Tipp zum Schluss: 40 Minuten später ist das Becken dann fast wieder leer. Die Frühschwimmer sind im Büro oder beim Frühstück und die anderen noch nicht da. Aber nicht weitersagen.

Sonderthemen