Die Stadt erwacht – heute: Killesberg Scherben auf dem Kinderspielsplatz

Von Petra Mostbacher-Dix 

Während die meisten Stuttgarter noch friedlich schlummern, sind andere schon voll im Einsatz. Schließlich müssen prominente Orte herausgeputzt werden, bevor sie ihre Türen öffnen. Wir blicken hinter die Kulissen – heute der Killesberg.

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  Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Um den Höhenpark Killesberg zu pflegen, ihn schön, sicher und spannend für Besucher zu machen, sind dort in Frühe viele städtische Mitarbeiter und Dienstleister fleißig.

6.59

Maybachstraße. Der Innenhof des Garten-, Friedhofs- und Forstamts lebt. Frauen und Männer beladen Kleinwagen mit Rechen, Elektro-Motor-Sensen und anderen Gerätschaften. Der satte Klang von zufallenden Wagentüren – los geht’s, den Killesberg hinauf, Stuttgarts beliebtem Höhenpark. Jede Arbeitsgruppe der Galas, der Garten- und Landschaftsbauer, hat an ein anderes Ziel. Im Tal der Rosen wird die Sense geschwungen, im Primelgarten Unkraut gejätet, seit zwei Tagen schon. „Das dauert, drei Mal im Jahr sind wir dort“, sagt Anja Schleehauf, Vorarbeiterin des Trupps. 50 Hektar ist der Park groß.

7.14

„Ohne Fahrzeuge würden wir das nie schaffen“, erklärt Gärtner Jonas Schmidt. An Hundebesitzern und Früh-Joggern vorbei steuert er zum Spielplatz. Der muss tipptopp sein, bevor Mütter, Väter, Omas und Opas mit Nachwuchs, Picknickkörben und Decken anrücken. „Die ersten kommen ab halb zehn“, weiß Beate Schuster-Großer, Vorarbeiterin der Spielplatzgruppe. Sie zieht einen groben Rechen durch den Kies. Es gilt, Laub, Scherben, Müll zu entfernen. „Wir kontrollieren auch die Spielgeräte. Lockere Schrauben bringen wir selber in Ordnung.“ Bei größeren Schäden würden Spezialisten benachrichtigt, das Gerät gesichert. „Sicherheit und Sauberkeit – die obersten Prioritäten“, betont die Gärtnerin. Im Sommer sind damit auf dem Spielplatz drei bis vier Leute zwei bis drei Stunden beschäftigt.

7.35

Systematisch lehren Stadtbedienstete am Weges- und Spielplatzrand die Mülleimer. In der öffentlichen Toilette wird gespült, picobello muss sie sein. So wie der Betonboden davor, wo der Laubbläser tobt. Zwei Rasenflächen weiter schwärmen Männer in orangenen Warnwesten ins Grün aus. Mit langen Zangen heben sie Papierreste, Kaffeebecher, Chips- oder Zigarettenpackungen auf. „Externe Dienstleister“, erläutert Schuster-Großer. Von April bis Oktober unterstützen sie die Mitarbeiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts. „Im Sommer fällt unheimlich viel Müll an. Manche Leute werfen ihn direkt neben die Eimer.“ Sie schüttelt den Kopf und verweist auf die Steinhütte: Leere Wodkaflaschen zeugen von der Party in der Nacht zuvor. Eine Parkbank muss herausgetragen werden. „Gott sei Dank, diesmal keine Scherben!“ Schuster-Großer atmet auf. „Hier spielen Kinder.“

7.40

Ein kleiner Bagger schiebt sich auf die Spielplatzwege hin und her, roten Sand in der Schaufel. Die Mitarbeiter vom Bautrupp! Seit über einer Stunde füllen sie an verschiedenen Orten Naturwege auf, schauen nach Stolperstellen, Zerstörtem, ebnen ein, was in der Nacht vom starken Regen ausgewaschen wurde. Ein Esel „I-aaht“ laut auf der Tierwiese. Auch seine behuften Kumpel blicken bergab, am See machen sich Gänse, Enten und Flamingos startklar für das Wasser, ihre Futterstelle. Sie wissen: Zoopflegerin Susanne Miniböck kommt, die Tiere kennen ihr Auto. „Alle haben einen speziellen Speiseplan“, erklärt Miniböck. Seit 23 Jahren betreut sie die Tiere des Höhenparks, lebt auf dem Gelände. Auch sie ärgert, dass der Müll zunimmt. Und, dass trotz Warnungen, manche Besucher die Tiere füttern. „Das kann für sie lebensgefährlich sein“, ärgert sie sich, während sie die Ponys dirigiert. Neben ihrem Auto traben sie im Schritttempo auf eine Wiese beim Betriebshof. Sie sollen erst einmal in Ruhe grasen.

8.20

Auf der anderen Seite des Parks, im Lokschuppen, ist es weniger ruhig. Lokführer Stefan Singert wird, wie üblich, um 10.30 Uhr zur ersten Fahrt mit dem Killesbergbähnle starten. Seit 1939 tuckert die Liliputbahn, die von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) betrieben wird, durch den Park. Ein Rundkurs ist 2,1 Kilometer lang. Zum Fuhrpark gehören die Dampflokomotiven „Tazzelwurm“, „Springerle“, die fast 90-jährige Dame „Santa Maria“ sowie die Dieselloks „Schwoabapfeil“ und „Blitzschwoab“. Den blitzschnellen Schwaben, Jahrgang 1950, holt Singert aus der Garage. Zuvor hat er das Lok-Tagebuch geführt, das Wetter geprüft, die Gleise kontrolliert. „Bei Regen fahren wir nicht, manchmal werfen Kinder Steine aufs Gleis, das ist gefährlich. Eltern sollten darauf achten.“ Nun tankt der SSB-Mechaniker noch auf, prüft den Sandbehälter. Sollte es doch nass werden während einer Fahrt, kann er Sand auf die Schienen sprühen und so die Reibung verstärken. Er testet auch den Verbindungsknopf, mit dem der Schaffner ihm signalisieren kann, wenn etwas nicht stimmt: „Tuut“. „Und die Bremsen“, so der Bahnliebhaber. Er zieht sie an, klopft unter jedes Wägelchen, löst sie, klopft nochmals. Aus dem dumpfen Klang wird ein glockenheller. „Gut“, Singert ist zufrieden. Nun hat er noch eine halbe Stunde Zeit, bevor die Bahn an den Startpunkt muss. Derweil schaut der Schaffner nach dem Rechten.

10.10

Mehr Eltern und Großeltern spazieren mit Kinderwagen am Lokschuppen vorbei, die Kleinen blicken sehnsüchtig zum „Blitzschwoab“. Ihr erstes Ziel ist aber der Spielplatz, der sauber und sicher auf sie wartet.




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