Die Stars der TV-Serie „Gefährliche Liebschaften“ Die Kunst der Liebe und des Kriegs

Nicholas Denton und Alice Englert als Valmont und Camille in der Serie „Gefährliche Liebschaften“ Foto: Starz Entertainment/Jason Bell

Alice Englert ist die neue Glenn Close, Nicholas Denton der neue John Malkovich. In der Serie „Gefährliche Liebschaften“, die die Vorgeschichte zu dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1988 erzählt, sind sie in den Rollen von Camille und Valmont zu sehen. Und das ist nicht die einzige Herausforderung, der sich die beiden stellen mussten.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Die Liebenden Camille und Valmont träumen im Paris des 18. Jahrhunderts von einem besseren Leben. Und ihnen ist fast jedes Mittel recht, um dahin zu gelangen. Als Eindringlinge im höfischen Leben kämpfen sie mit Intrigen, Maskeraden und Erpressung verbittert darum, zu Wohlstand und an Titel zu gelangen, und aus Liebe wird Krieg. Wir haben Alice Englert und Nicholas Denton, die Stars der Serie „Gefährliche Liebschaften“ (ab Sonntag bei Lionsgate+), zum Zoom-Interview getroffen.

 

Ms. Englert, Mr. Denton, die Serie erzählt die Vorgeschichte zu Choderlos de Laclos’ Briefroman, der schon von Stephen Frears und Milos Forman verfilmt wurde und die Vorlage für das Teeniedrama „Eiskalte Engel“ lieferte. Haben Sie das alles zur Vorbereitung geschaut?

Englert: Ich habe „Eiskalte Engel“ natürlich schon als Teenager gesehen. Und auch den Film von Stephen Frears kannte ich schon. Dann erst habe ich das Buch gelesen.

Denton: Ich kannte tatsächlich anfangs nur Laclos’ Buch und hatte keinen der Filme geschaut.

Englert: Der Film von Stephen Frears beruht ja eigentlich auf einem Theaterstück.

Denton: Ja, und Lesley Manville, die jetzt in der Serie mitspielt, stand 1985 in der Originaltheaterproduktion in Stratford-on-Avon mit Alan Rickman auf der Bühne.

Englert: Ja, dann gibt es ja noch Ita O’Brien, die unsere Intimitätskoordinatorin war.

Denton: War sie damals die Zweitbesetzung von Lesley Manville?

Englert: Irgendwas in der Art. Und jetzt ist sie auch mal für Lesley Manville eingesprungen, als es um diese wunderschöne Sexszene mit dir, Mr. Nicholas Denton, ging.

Denton: Meine Managerin hat damals auch die Originalproduktion im Theater gesehen und ist total stolz darauf.

Hatten Sie Angst davor, in die Fußstapfen so großartiger Darsteller wie Glenn Close und John Malkovich zu treten?

Denton: Die beiden sind schon unglaublich gute Schauspieler.

Englert: Und wir sind natürlich nicht so verrückt, uns mit denen vergleichen zu wollen. Wir geben einfach nur unser Bestes.

Denton: Und die Charaktere in dem Buch sind selbst schon so stark. Jeder hat da seine eigene Valmont-Variante gefunden, Alan Rickman, John Malkovich, Colin Firth oder Ryan Phillippe. Und ich hoffe, dass auch ich einen eigenen Zugang zu der Figur entdeckt habe.

Englert: Was aufregend ist, ist, dass wir die Charaktere ganz am Anfang ihrer Entwicklung zeigen, an dem Punkt, an dem sie sich selbst erfinden. In der Originalgeschichte denkt man immer darüber nach, warum die beiden nur so geworden sind, wie sie sind. Wir dürfen nun diesen Prozess spielen.

Denton: Ja, wir können all das zeigen, was nicht in dem Buch steht, all die Traumata, die Verletzungen, die dazu geführt haben, dass Valmont und Camille zu so kalt-zynischen Menschen geworden sind.

Ist es das, was für Sie den Kern der Serie ausmacht?

Englert: Unsere Geschichte zeigt, wie anfällig, wie verletzlich, wie rätselhaft die Liebe ist. Mal ist es Liebe, mal ist es Krieg. Es ist immer ein Kampf. Eigentlich ist die Serie ein Plädoyer für ein bisschen mehr Zärtlichkeit.

Denton: Das stimmt absolut. Was ich außerdem in den Drehbüchern interessant fand, war, wie hier das Thema Aufstieg und Fall behandelt wird. Valmont ist besessen davon, dass er all das, was ihm weggenommen wurde, wieder zurückbekommen will. Doch als er sich in Camille verliebt, sieht er zumindest für einen kurzen Moment das Leben aus einer ganz anderen Perspektive.

„Gefährliche Liebschaften“ erzählt auch die Geschichte einer Frau, die sich gegen die systematische Unterdrückung von Frauen wehrt.

Englert: Ja, das macht die Geschichte so aktuell. Wir ziehen uns heute zwar anders an, wir tragen nicht mehr solche Perücken, wir reden anders. Aber sonst hat sich da gar nicht so viel geändert. Ich glaube, in vielerlei Hinsicht bewegen wir uns gerade sogar wieder rückwärts.

Denton: Geschlechtergerechtigkeit gibt es heute immer noch nicht.

Englert: Ja, es hat sich manchmal sogar ziemlich verstörend angefühlt, sich so zu verkleiden und so zu tun, als ob man in einer ganz anderen Zeit zu Hause ist, und dabei zu denken, eigentlich geht es hier und heute noch um genau dieselben Dinge.

Waren die Kostüme und die Perücken dann auch die größte Herausforderung für Sie in „Gefährliche Liebschaften“?

Englert: Das war tatsächlich ganz schön anstrengend, aber auch sehr aufregend.

Denton: Eine Figur spielen zu dürfen, die vom Guten zum Bösen wechselt, ist eine Herausforderung. Vor allem in den Szenen zwischen Camille und Valmont entwickelt sich dabei eine spannende Dynamik. Wir wissen nie genau, ob sie gut sind oder ob sie böse sind. Das hat mir wirklich Spaß gemacht.

Liebesbriefe spielen in Laclos’ Roman, aber auch in Ihrer Serie eine große Rolle. Haben Sie selbst schon einmal ganz traditionell einen Liebesbrief auf Papier geschrieben?

Englert: Oh, ja, ja, ja.

Denton: Ja, natürlich. Und, Alice, kennst du das Gefühl, wenn du einen alten Liebesbrief findest, den du nicht abgeschickt hast? Du liest ihn und denkst: Gott sei Dank habe ich diesen Brief nie abgeschickt.

Englert: Nein, ich bin eher der Typ, der die Briefe immer auch abgeschickt hat.

Denton: Das heißt, wenn sie nicht sofort zurückgekommen sind, besitzt du gar keine alten Liebesbriefe?

Englert: Ja, aber ich weiß, dass ich welche geschrieben habe, ich bin so kitschig.

Denton: Ich habe dafür mal einen Trennungsbrief erhalten. Den habe ich noch. Ich weiß aber nicht, wer der Absender war.

Alice Englert, Nicholas Denton und die Serie „Gefährliche Liebschaften“

Die Hauptdarstellerin
 Die Australierin Alice Englert (28) ist die Tochter der Filmemacherin Jane Campion. Bekannt wurde sie durch Hauptrollen in Sally Potters Drama „Ginger & Rose“ (2012), der Fantasyromanze „Beautiful Creatures“ (2013) und ihren Part in der Netflixserie „Ratched“ (2020).

Der Hauptdarsteller
 Nicholas Denton ist ebenfalls Australier, hat dort in zahlreichen großen Theaterproduktionen Hauptrollen gespielt, war in der TV-Serie „Glitch“ (2015-2017) zu sehen. Er ist auch Autor und Produzent. Sein Kurzfilm „The Diver“ lief beim Filmfestival in Venedig.

Die Serie
  „Gefährliche Liebschaften“ erzählt die Vorgeschichte der Hauptfiguren aus Choderlos de Laclos’ berühmtem Briefroman, der aus dem 18. Jahrhundert stammt und mehrfach verfilmt wurde. Die Serie ist von diesem Sonntag an beim Streamingdienst Lionsgate+ (ehemals Starzplay) verfügbar.

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