Die Strategie muss sich ändern: Aktiv aus der Corona-Krise

Solange nicht genügend Impfstoff da ist, muss man dem Virus mit einer sinnvollen Teststrategie begegnen. Foto: Simon Granville/Simon Granville
Solange nicht genügend Impfstoff da ist, muss man dem Virus mit einer sinnvollen Teststrategie begegnen. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Die Menschen zur Untätigkeit zu verdammen und zu hoffen, dass die Pandemie von selbst verschwindet, ist die falsche Strategie.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Böblingen - Völlig unverhofft hat der Landkreis Böblingen ein bundesweites Medienecho erhalten. Denn in Böblingen wurde die Idee geboren, nach der die Bundespolitik seit November sucht, seitdem sie das Land in den flächendeckenden Lockdown geschickt hat, der alle wirtschaftlichen, politischen, und gesellschaftlichen Kräfte lähmt, von den zwischenmenschlichen ganz zu schweigen. Mit einer Lähmung kommt man jedoch nicht aus der Corona-Krise, mit einer sinnvollen Test- und Impfstrategie schon.

Die hat der Landkreis Böblingen zum Erstaunen aller Experten vorgemacht und nun scheint es, als zöge die Bundespolitik nach. Schon hört man aus Berlin, Öffnungen mit einer guten Teststrategie könnten möglich werden. Und es ist ja nicht nur der Kreis Böblingen – auch der Kreis Tübingen hat mit seiner zumeist ehrenamtlichen Testarbeit die Inzidenzwerte auf ein beeindruckend tiefes Niveau gedrückt. Während die Böblinger und Tübinger Vorschläge in Berlin ankommen und vielleicht auch in Stuttgart, denkt der Landkreis Böblingen inzwischen weiter: Punktuell arbeiten, den Gegebenheiten angepasst arbeiten, lautet die Devise des Landrats Roland Bernhard. Das heißt, Modellregionen schaffen, in denen erforscht wird, wie sich die Öffnungen auf die Pandemie auswirken. Nicht das Land flächendeckend auf Null halten, wie das viel zu viele Wochen lang als Allheilmittel angepriesen wurde, sondern probeweise punktuell öffnen.

Untersucht werden müsste in touristischen Landkreisen die probeweise Öffnung von Hotels, in von Industriearbeit geprägten Landkreisen die Auswirkungen von digitaler Arbeit. Dann müssen die in den Modellregionen gewonnenen Ergebnisse umgesetzt werden. So könnte das Land aus der Krise kommen, und es muss schnell aus der Krise kommen. Wo immer man hinhört, spürt man, wie sehr die Leute die jetzige Situation satt haben. Auf Dauer kann es nicht gut gehen, ein ganzes Volk abzuschotten, mit einer flexiblen Strategie lässt sich das verhindern.




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