Die Stuttgarter Philharmoniker spielen „Turandot“ Mit orchestraler Wucht

Dan Ettinger, Generalmusikdirektor der Stuttgarter Philharmoniker Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Dan Ettinger, Generalmusikdirektor der Stuttgarter Philharmoniker Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Jubel und andere Dauererregung: Dan Ettinger führt mit den Stuttgarter Philharmonikern im Beethovensaal Puccinis „Turandot“ auf

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Stuttgart - Konzertante Aufführungen von Opern sind für viele Musikfreunde nur halbe Sachen. Fehlt das szenische Element, liegt das Ohrenmerk allein auf der sängerischen Seite, und dann muss ein Abend wie die „Turandot“ bei den Stuttgarter Philharmonikern diesbezüglich rundum überzeugen.

Der Jubel im vollen Beethovensaal war am Dienstagabend in jedem Fall groß. Natürlich macht es ein Stück wie Puccinis 1926 uraufgeführte Oper mit ihren eingängigen Melodien, emotionalen Höhepunkten und süffiger Instrumentierung sowie dem kitschigen Alfano-Schluss dem Hörer leicht. Dan Ettinger, der Generalmusikdirektor der Stuttgarter Philharmoniker, reizt diese Gemengelage voll aus. Die wuchtige Eröffnung im massiven Forteklang mit strahlendem Blech und scharf attackierenden Holzbläsern gibt die Richtung vor, die mit brüllenden Schlussakkorden vor der Pause und am Ende gerundet wird.

Dem städtischen Orchester kann man attestieren, dass es seine Aufgabe auf sehr hohem Niveau bewältigt. Kernrepertoire für ein Sinfonieorchester ist „Turandot“ nicht, anspruchsvoll ist die durchkomponierte Oper allemal. Die Philharmoniker bewegen sich überzeugend zwischen der spannungsgeladenen Schärfe der Rätselszene und dem ergreifenden Tod Lius.

Problematisch ist die Dauererregung, die Dan Ettinger an den Tag legt, dennoch. Zum einen gehen viele Nuancen unter, gerade bei den Szenen des Trios Ping, Pang und Pong. Zum anderen macht es der Dirigent seinen Sängern damit nicht immer einfach. Stefano Palatchi als alter König Timur agiert denn auch mit eher grobkörnigem Bassbariton, während der rumänische Bariton Ioan Cherata als Ping nicht immer klar zu hören ist.

Keine Probleme damit hat Ermonela Jaho. Die albanische Sopranistin hat in den letzten Jahren eine beachtliche internationale Karriere gemacht. Ihre Liu ist an diesem Abend ein nachvollziehbarer Beweis dafür. Weit gespannte Melodien, stimmige Phrasierungen und makellose Diktion prägen ihre Interpretation, und ihre große Szene im dritten Akt gestaltet sie ergreifend.

Ihre Kontrahentin wird von der kurzfristig eingesprungenen Lise Lindstrom gesungen. Deren massive Spitzentöne in ihrer Arie des zweiten Akts und der nachfolgenden Rätselszene sind durchaus beeindruckend, doch die vokale Kraftentfaltung wird mit einigen Verhärtungen und von unten angeschliffenen Tönen erkauft.

Den mit deutlichem Abstand stärksten Eindruck hinterlässt Marco Berti, dessen schönes Tenortimbre zu jeder Zeit frei schwingt und mühelos jede orchestrale Wallung übertönt. Dabei gestaltet Berti die Partie des Kalaf, ohne in die üblichen Kitschfallen etwa in der großen Arie „Nessun dorma“ zu tappen.

Brillant steht auch der Tschechische Philharmonische Chor Brünn seine gewaltige Aufgabe durch, gelungen auch die Einsätze der Aurelius Sängerknaben aus der Fernloge.




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